Aktuelles aus unserem Orden

Weihnachtskrippe - Geistlicher Impuls zu Weihnachten

„...und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war…“ (Lk 2,7) 

Dieser kurze Satz aus dem Lukasevangelium und die anschließende Erzählung von den Hirten haben die Christen schon sehr früh angeregt, das Kind in der Krippe darzustellen. Ein Kind im Futtertrog, das keinen Platz in der Herberge findet, berührt uns ganz natürlich. Kein Platz für arme Leute. Nicht willkommen. Manchmal wundere ich mich, warum uns heute die Menschen, die draußen stehen (Bettler, Obdachlose, Flüchtlinge), weniger zu berühren scheinen als das Kind von Bethlehem vor über 2000 Jahren. 

Richtig populär wurden die Weihnachtskrippen allerdings erst durch einen Mann, der sich sehr wohl von der Armut seiner eigenen Zeit hat anrühren lassen: Franz von Assisi. An Weihnachten des Jahres 1223 soll er in Greccio für die armen Bauern und Hirten der Umgebung eine Krippe in einer Höhle aufgebaut haben – mit echten Menschen und echten Tieren. Beim Hochamt, das über der Krippe gefeiert wurde, sang Franziskus nach Thomas von Celano „mit volltönender Stimme das heilige Evangelium … dann predigt er für das ringsum stehende Volk, und er spricht honigfließende Worte über die Geburt des armen Königs und über Bethlehem, die kleine Stadt.“ Franziskus hat die Menschen, die armen Bauern und Hirten, die Taglöhner, die Bettler und Krüppel, kurzum: die Armen seiner Zeit dort abgeholt, wo sie standen: draußen! Arm und ohne Platz, so wie das Kind, von dem im Lukas-Evangelium die Rede ist. Da ging’s um einen der ihren, also um sie selbst und nicht um die vermeintlich Wichtigen und Reichen. 

Seitdem haben die Weihnachtkrippen ihren „Siegeszug“ angetreten durch Kirchen und Klöster, hinein in die ärmlichen Behausungen der Außenseiter genauso wie in die bürgerlichen Wohnstuben bis in unsere Zeit. Sie rühren uns an, wecken Kindheitserinnerungen. Es gibt sie in jeder Form und Art: einfach oder aufwändig, orientalisch oder alpenländisch, mediterran oder afrikanisch. Die Grenze zwischen Kunst und Kitsch verläuft mitten durch die Weihnachtskrippe. Man findet alles. 

Die Wirkung, welche die Krippe des Franziskus im mittelalterlichen Greccio auf die Menschen damals hatte, war sicher anders als die Wirkung, die heutige Krippendarstellungen auf uns haben. Und doch ist jede Krippe, die uns in der Weihnachtszeit begegnet, eine Herausforderung. 

Deswegen findet Weihnachten auch in jedem Dorf, in jeder Stadt, in jedem Milieu statt. Jesus wird bei uns Mensch, hier und heute, im Jahr 2021. Wer an Weihnachten an die Krippe tritt und in sie schaut, sollte nicht wegschauen, wenn der Menschenbruder oder die Menschenschwester unserer Tage draußen steht, weil angeblich „kein Platz“ da ist. Das Jesuskind strandet heute vor den Grenzen von Ländern, es fällt durch die sozialen Netzwerke europäischer Staaten, weil es „verwaltet“ und nicht geliebt wird. 

Die Botschaft der Weihnacht fordert heraus. Sie braucht Menschen, die sie weitererzählen und weitertragen. Sie gilt allen Menschen guten Willens.  

Ein Licht strahlt auf in der Dunkelheit – Fürchtet euch nicht! Euch allen ist heute der Heiland geboren, der Retter, der Immanuel, der Gott mit uns. Wer sich dem Licht dieser Weihnachtsbotschaft stellt, trotzt den dunklen Schatten der Gegenwart und wird zum Hoffnungsträger für andere. Keine dunkle Macht kann das Licht von Bethlehem, das Licht der Weihnacht, auslöschen. 

Gehen Sie an diesen weihnachtlichen Tagen mit Ihren Familien an die Krippe, treten Sie vor das Christus-Kind und bringen Sie ihm alles, was Sie freut oder auch belastet!  

Wir denken gerade an diesen Tagen an die kranken, alten und einsamen Menschen und auch an die, die einen geliebten Menschen verloren haben, auch in unserer Gemeinschaft. 

Als Ordensgemeinschaft wissen wir uns gerade an diesen weihnachtlichen Tagen auch mit den Menschen im Heiligen Land besonders verbunden. Sie brauchen auch weiterhin unser Gebet und unsere materielle Unterstützung. 

Liebe Ordensfamilie, 

an diesen weihnachtlichen Tagen vertrauen wir uns dem göttlichen Kind an, damit all das Belastende des vergangenen Jahres weicht und sich im neuen Jahre zum Segen für alle verwandeln kann. 

Bleiben wir miteinander im Gebet verbunden, stärken wir uns gegenseitig und lassen auch andere teilhaben an der weihnachtlichen Hoffnung und dem Glauben, der uns alle erfüllt. 

Frohe und gesegnete Weihnachten! 

Cfr. Pfarrer Andreas Klee, Prior der Komturei Maximilian Kolbe, Frankfurt  

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