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Unsere Liebe Frau von Guadalupe - Impuls zum 3. Advent

Für unsere Schwestern und Brüder mit amerikanischem Hintergrund ist der 12. Dezember ein ganz besonderer Tag: Es ist der Festtag „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“, oder spanisch ausgedrückt: Virgem de Guadalupe. Vor der Corona-Zeit strömten die Gläubigen in Scharen zu diesem meistbesuchten Pilgerort der Welt in der Nähe von Mexiko City. 

Die Bedeutung dieses Ortes erschließt sich, wenn wir auf die Geschichte schauen: Die Christianisierung Amerikas begann mit Feuer, Schwert, Tod und Verzweiflung, da die ersten Priester gemeinsam mit den Eroberern reisten und mit ihnen zusammen im Land ankamen. Den Menschen vor Ort erschien die Kirche als Vertreterin der Besatzungsmacht. Selbstkritisch müssen wir bekennen: In Teilen war sie es tatsächlich. Nur wenige Menschen aus Europa hatten zu jener Zeit Respekt vor der Hochkultur und der Religion der Einwohnerinnen und Einwohner. Konnte in einer solchen Atmosphäre die Botschaft vom menschenfreundlichen Gott deutlich werden? 

Zehn Jahre, nachdem die ersten Europäer im Gebiet des heutigen Mexiko angekommen waren, geschah etwas Besonderes: Vom 9. bis 12. Dezember 1531 erschien einem jungen Mann mit Namen Cuauhtlatoatzin auf dem Hügel Tepeyac viermal die Gottesmutter Maria. Der Seher war am Ende des 15. Jahrhunderts geboren worden und als Sohn armer Indigener im heutigen Mexiko aufgewachsen. Als Kind hatte er vom christlichen Glauben sicher noch nichts gehört, denn erst 1521 kamen die ersten Missionare in seine Gegend. Als Erwachsener aber hatte ihn die christliche Botschaft so fasziniert, dass er sich im Jahr 1524 taufen ließ; dabei erhielt er den Namen Juan Diego. 

Sieben Jahre später, am 9. Dezember 1531, befand sich Juan Diego auf dem Weg zu einem Franziskanerkloster, um an der Frühmesse teilzunehmen. Von Vogelstimmen angelockt, stieg er auf den Hügel Tepeyac. In seiner Muttersprache fühlte er sich angesprochen und sah eine junge Frau mit dem dunkelhäutigen Gesicht einer Indigena, gekleidet wie eine aztekische Frau. Von ihren Augen sah er sich liebevoll angesehen. Die Frau stellte sich ihm als Mutter Jesu vor und bat ihn, an genau jener Stelle ihrer Begegnung eine Kirche bauen zu lassen. Juan Diego ging mit diesem Auftrag zum Bischof, der ihm zunächst nicht glaubte. Juan Diego aber ließ nicht locker: Am vierten Tag der Erscheinung sammelte er in seinem Mantel eine Fülle herrlicher Rosen auf dem Tepeyac-Hügel, auf dem sonst eigentlich nur Kakteen wuchsen. Juan ging schnell zum Bischof, öffnete seinen Mantel und zeigte dem Bischof die Rosen. In diesem Augenblick – so die Überlieferung – geschah etwas Sonderbares: In den Mantel prägte sich das Bild der von Juan Diego geschauten Erscheinung ein. Der Bischof wurde durch das Rosenwunder überzeugt. Er ließ am Ort der Erscheinungen eine Kapelle bauen. Zu diesem Ort kamen im Laufe der Jahre so viele Menschen, dass bereits wenige Jahrzehnte später eine große Kirche errichtet werden musste.  

Das Gnadenbild mit der aztekischen Symbolsprache existiert noch heute. Es befindet sich in der Basilika von Guadalupe. Die Menschen spüren an diesem Ort: Maria, die Jesus geboren hat, ist eine von ihnen und den kleinen Leuten zugewandt – den Armen, den Unbeachteten, den Vergessenen. Die oft einfachen Menschen können an diesem Ort neue Kraft finden für ihr Leben, für ihre Sorgen um die Kinder und die Alten, für ihren Einsatz für Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und für Frieden.  

Unsere Liebe Frau von Guadalupe galt zunächst als Patronin der indigenen Bevölkerung, wurde dann aber zur Patronin für ganz Lateinamerika. Papst Johannes Paul II. stellte Nord- und Südamerika unter den Schutz der Gottesmutter. Im Jahr 2002 erhob der Papst den 12. Dezember zum Gedenktag für die ganze Kirche. 

Dieser Gedenktag verbindet uns mit den amerikanischen Schwestern und Brüdern; er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die unbeachteten und vergessenen Menschen; er lässt uns die Weite der Katholizität erspüren: Unser Glaube kann in allen Sprachen verkündet und in allen Kulturen gelebt werden.  

Juan Diego ist mir sehr sympathisch: Er hat sich eingesetzt für das, was er als richtig erkannt hat. Selbst als er auf Widerstand stieß, ließ er nicht locker. Auf seine Weise wurde er so zum „Wegbereiter“ für den Herrn. Er ist damit eine zutiefst adventliche Gestalt. 

Cfr. Dr. Martin Schomaker, Domkapitular in Osnabrück 

 

 

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