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Sami El Yousef, CEO des Lateinischen Patriarchats, schaut auf das Jahr 2020 im Heiligen Land zurück

Eine Zusammenfassung seiner Betrachtungen von der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission, Csr. Cornelia Kimberger

Eine neue Normalität hat in der gesamten Welt in dem wahrhaft historischen Jahr Einzug gehalten. Das Leben der Menschen hat sich durch die Covid-19-Pandemie grundsätzlich geändert. 2020 war das Jahr der Schließungen. Volkswirtschaften wurden in die Knie gezwungen, Schulen für Hunderte von Millionen Schülern geschlossen, Grenzen und Flughäfen dichtgemacht und die Menschen in ihre eigenen vier Wände verbannt. Virtuelle Zusammenkünfte sind nun an der Tagesordnung - sei es beim Arbeiten, Lehren oder Lernen. Über das Internet werden Geschäfte getätigt und Gottesdienste gefeiert. Die Menschheit musste sich anpassen, und die Bewohner des Heiligen Landes, die schon viele Krisen in ihrer Geschichte durchgemacht hatten, passten sich möglicherweise sogar noch besser an als der Rest der Welt.

Humanitäre Lage

Exponentiell verschlimmert hat sich die Lage im humanitären Bereich. Um Menschen zu erreichen, die unter der Pandemie leiden, bedarf es großer Anstrengungen. Die wichtigsten Unterstützungsprogramme wurden ununterbrochen fortgesetzt, sogar verstärkt. Arzneimittelprogramme, medizinische Notfälle, Bildungsbeihilfen, Sozialhilfen, Unterstützungen von Flüchtlingen und Migranten, die Schaffung von Arbeitsplätzen in Gaza und die Unterstützung der hilfsbedürftigen Christen in Ostjerusalem wurden unermüdlich weiter fortgeführt. Darüber hinaus konnten aufgrund der beispiellosen Großzügigkeit gegenüber den beiden im Mai gestarteten Spendenaufrufen Tausende von Familien mit grundlegenden humanitären Bedürfnissen und Schulgeld-Beihilfen unterstützt werden. Sami El-Yousef bezeichnet diese Hilfen als „herzerwärmend“ und war gerührt zu sehen, wie Hilfe aus allen Teilen der Welt zur Unterstützung der Brüder und Schwestern im Heiligen Land kam, trotz der eigenen pandemiebedingten Herausforderungen der Spender. „Wir waren weiterhin sehr wichtig für viele“, stellt der CEO fest.

Bildung

1.795 Lehrkräfte arbeiteten emsig daran, den Online-Unterricht für die mehr als 20.000 Schülerinnen und Schüler in 44 Schulen in Jordanien, Palästina und Israel „über Nacht“ auf die Beine zu stellen. Anpassung war gefragt, um schnell in den Präsenzunterricht und dann wieder in Hybridunterricht zu wechseln. „Trotz der vielen Infrastrukturmängel, des Defizits an geeigneter Computerausrüstung und Ausbildung unternahmen die Lehrer heldenhafte Anstrengungen, um sich kontinuierlich an ihre Schüler anzupassen.“ Es ist schwierig, auf drei Bildungssystemen mit ihren Vorschriften zu reagieren, „aber mit Gottes Hilfe hat am Ende alles geklappt!“ 

Die pastoralen Aktivitäten 

Die pastoralen Aktivitäten wurden auf verschiedenen Ebenen fortgesetzt - abhängig von den staatlichen Vorschriften, die in Israel strenger schienen als in den Nachbarländern Palästina und Jordanien, wo eine „Halbnormalität“ herrschte. Aktivitäten, an denen eine große Anzahl von Menschen beteiligt war, wurden sämtlich eingeschränkt; darunter Sommerlager-Aktivitäten, große Kirchenfeste, Hochzeiten und Beerdigungen. Der Kontakt zwischen den Priestern und den Gläubigen wurde aufrechterhalten. Viele Online-Aktivitäten wurden organisiert, einschließlich des Streamings der Heiligen Messen. Daher war Flexibilität im Laufe des Jahres gefragt und Anpassung gefordert. Was sehr traurig war, waren die leeren Straßen der Jerusalemer Altstadt während der Karwoche und der Osterfeierlichkeiten. In der Vorweihnachtszeit sind nun virtuelle Baumbeleuchtungen in Mode. Es scheint, dass die traditionelle Prozession nach Bethlehem, die Mitternachtsmesse dort und alle anderen Gottesdienste begrenzt sein werden. Sami El-Yousef überlegt, ob diese Beschränkungen vielleicht nicht eine Gelegenheit für die Menschen sind, sich auf die wahre Symbolik der Geburt Jesu Christi zu konzentrieren und den kommerziellen Aspekt sowie die Gemeinschaftsfeiern außen vor zu lassen.

Neuer Patriarch

Glücklich sind die Christen im Heiligen Land über die Entscheidung Seiner Heiligkeit Papst Franziskus, S.S. Erzbischof Pierbattista Pizzaballa zum 10. Lateinischen Patriarchen von Jerusalem seit der Wiederherstellung des Lateinischen Patriarchats im Jahr 1847 zu ernennen. Eine historische Entscheidung, welche die Erfolge anerkennt, die er in den letzten vier Jahren als Apostolischer Administrator hatte, als er die administrative und finanzielle Umstrukturierung des Lateinischen Patriarchats leitete und das enorme angefallene Defizit reduzierte. Seine Ernennung stellt somit sicher, dass die viele harte Arbeit der vergangenen vier Jahre ohne Verzögerung fortgesetzt werden kann. Pizzaballa hat dem Lateinischen Patriarchat eine solide Grundlage geschaffen, um die vielen noch verbleibenden Herausforderungen in finanzieller und administrativer Hinsicht erfolgreich anzugehen. Seine Prioritäten werden sich nun mehr auf die pastoralen Aktivitäten und die Glaubensbildung verlagern. „Für die Kirche des Heiligen Landes beginnt eine neue Ära, und wir alle sind privilegiert und geehrt, ein Teil davon zu sein“, schreibt der CEO. 

Arbeit für das Reich Gottes

In seiner Predigt während der ersten Päpstlichen Messe im Heiligen Grab vor einigen Tagen, hat der neue Patriarch die Christen im Heiligen Land in den Mittelpunkt gestellt, als er sagte: "Wir wollen gemeinsam reisen. Niemand, keine Gruppe, keine Institution hat alles, was sie braucht, um der Kirche zu dienen. Aber gleichzeitig ist jeder notwendig. Nur gemeinsam können wir uns gegenseitig unterstützen. Jeder hat seine eigene Arbeit, seine eigene Funktion, seinen eigenen Dienst, seine eigene Identität ... aber alle arbeiten für das Reich Gottes zusammen". „Das sind schöne Worte unseres neuen demütigen und weisen Patriarchen“, so Sami El-Yousef.

Dank und Weihnachtsgrüße 

Sami El-Yousef, Chief Executive Officer des Lateinischen Patriarchats: „Gestatten Sie mir abschließend, unseren großzügigen Spendern aus der ganzen Welt und auf ganz konkrete Weise all jenen zu danken, die uns außerordentlich durch die beiden Spendenaufrufe zum „Covid-19-Hilfsfonds“ großzügig, moralisch und finanziell unterstützt haben, ohne die unsere Arbeit unmöglich gewesen wäre. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen und Ihren Familien und Freunden ein frohes Weihnachtsfest mit unseren besten Wünschen für das neue Jahr zu übermitteln. Im Mai 2021 ist die Pandemie und das weltweite Leid, das sie zugefügt hat, hoffentlich überwunden. Behaltet uns in euren Gebeten.“ 
Cornelia Kimberger, 21.12.2020 

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