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Palmsonntag: Den Esel im Blick - Geistliches Wort zum Palmsonntag

Mosaik in der griechisch orthodoxen Saint George Kirche in Madaba (Jordanien)

Dominica in palmis de Passione Domini (Palmsonntag), geht auf das Sakramentar von Papst Gelasius I aus dem 5. Jahrhundert zurück und stellt den Beginn der Heiligen Woche dar. Confrater Dekan Karl Jung, Prior der Komturei St. Bernhard von Clairvaux stellt in seinem Impuls zum Palmsonntag den Esel in den Mittelpunkt. Das Tier auf dem Jesus in Jerusalem einzog und zu jedem Zeitpunkt ein treuer Weggefährte war.

Den Esel im Blick

Es gibt nicht viele Feste im kirchlichen Jahreszyklus, die den Blick auf Tiere lenken. Am Palmsonntag gedenken wir, wie Jesus auf einem Esel reitend in Jerusalem einzieht. Das lädt dazu ein, einmal auf den Esel zu schauen.
An Weihnachten stehen Ochs und Esel an der Krippe. Die Künstler nehmen dabei Bezug auf eine Stelle beim Propheten Jesaia: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht“ (Jes 1,3). Der Esel ist hier eher ein kluges Tier, das „die Krippe seines Herrn“ kennt. Der Esel weiß, wo es Futter gibt und wo man es gut mit ihm meint.

Der Esel als Begleiter

Am Palmsonntag ist der Esel allein der Begleiter Jesu. Der Esel scheint allgemein das Tier zu sein, das ihm irgendwie am nächsten steht. Es ist ein Esel, der Josef und Maria nach Ägypten bringt. Die Familie muss fliehen, weil König Herodes das Kind umbringen will. Der Esel bringt Jesus und seine Eltern aus der Gefahrenzone heraus.

Der Esel – ein Einzug mit Folgen

Bei seinem letzten Besuch in Jerusalem zieht Jesus auf einem Esel in die Stadt ein. Die Jerusalemer huldigen ihm und sie hoffen, dass er als neuer König das Reich des König Davids wieder herstelle. Das Volk glaubt, in Jesus einen Helden gefunden zu haben, der ein Paradies schaffen kann. Doch kurze Zeit später ist es vorbei mit der Begeisterung. Dann rufen die gleichen, die ihm jetzt huldigen: „Ans Kreuz mit ihm!“

Der Esel als Zeichen der Demut

Zwischen der Huldigung und der Kreuzigung steht ein fundamentales Missverständnis, das gerade der Esel etwas aufklären könnte. Das Volk wollte einfach Heil und Frieden. Jesus aber geht es um jenen Frieden, der auf Gerechtigkeit gründet. Mit seinem Einzug auf einem Esel erfüllt er, was schon der Prophet Sacharja über die Herrschaft des neuen Jerusalem sagt: „Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel.“ (Sach 9,9)

Der Esel – ein zuverlässiger und genügsamer Begleiter

Ein Blick auf die Eigenschaften des Esels, den sich Jesus zum Begleiter macht, verdeutlicht, worum es Jesus geht. Der Esel ist, im Gegensatz zum Pferd, kein Fluchttier. Bei Gefahr flieht der Esel nicht, sondern er „bockt“. Er geht nicht weg, mitunter verteilt er empfindliche Tritte, aber er ist zuverlässig, genügsam und höchst belastbar.

Der Esel stellt sich seiner Bestimmung

Darin ist der Esel durchaus vergleichbar mit Jesus. Auch Jesus bleibt in Jerusalem und flieht nicht, obwohl sich die Stimmung gegen ihn entwickelt. Er sagt Unbequemes: Er spricht von der Wachsamkeit und von der Verantwortung der Menschen, treibt die Händler aus dem Tempel, nennt die Pharisäer Heuchler, weil sie den Menschen das Leben unnötig schwer machen. Er will die Menschen dazu bringen, weniger von außen oder oben einen zu erwarten, der das alles richtet, was eigentlich die Sache aller Menschen, also unsere Aufgabe wäre: gerecht zu leben. 

Der Esel als treuer Wegbegleiter

Jesus verändert und erlöst die Welt, aber er tut dies mit Menschen, die sich von ihm ansprechen lassen, sich von ihm verändern lassen. Solche, die das Gute und das Heil hauptsächlich von anderen erwarten und die in Kauf nehmen, dass es ihnen auf Kosten anderer gut geht, sind nicht seine Freunde.
Bei all dem ist der Esel ein treuer Gefährte Jesu. Der biblische Blick am Palmsonntag auf den Esel macht eines deutlich, dass die Rede vom „dummen Esel“ gar nicht so intelligent ist.
Ich wünsche allen Consorores und Confratres, dass wir uns von Jesus ansprechen und verändern lassen und in Freude auf das Fest der Auferstehung zugehen!

Karl Jung, Dekan und Prior der Komturei St. Bernhard von Clairvaux
 

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