Aktuelles aus unserem Orden

Meditation zum Hochfest Erscheinung des Herrn 2022 

Der christliche Glaube und Europa 

Das Neue Testament zeigt den Aufbruch des Evangeliums nach Westen. Der christliche Glaube kam – insbesondere durch das Wirken der Apostel Petrus und Paulus – nach Rom, der westlichen Metropole in den ersten Jahrhunderten. Die Mission hat Europa verändert – und Europa hat die Mission verändert.  

Der Glaube an den einen Gott, den die Menschen lieben können, war durch die Jüdinnen und Juden in Europa bereits bekannt geworden. Dank der christlichen Missionare und Missionarinnen kam eine weitere Dimension dazu: Wir sind erlöst durch die Liebe Gottes in Jesus Christus. Wir haben Gemeinschaft mit Gott. Diesen Glauben haben im Laufe der Jahrhunderte viele Menschen in Europa angenommen. 

Europa hat auch den christlichen Glauben geprägt, da die Frohe Botschaft in Kontakt kam mit der Philosophie, die ihrerseits die Gottesfrage stellte und stellt. Die Philosophie zeigte auf, dass der Glaube an den einen Gott vernünftig ist, und dass die Rede von Gott mit dem Handeln der Menschen in Verbindung steht. Die europäische Philosophie hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Glaube begrifflich gefasst werden konnte. 

Der christliche Glaube und der Orient 

Die Erzählung im Matthäus-Evangelium von den Sterndeutern aus dem Osten führt uns von Europa weg in den Orient. Die „Weisen aus dem Morgenland“ sind Wissenschaftler der Antike: Sie betreiben Astronomie. Als „Magier“ hüten und mehren sie Wissen, mit dem sie die Welt und auch Gott erkennen. 

Diese Wissenschaftler sind dem Stern gefolgt, den sie im Orient haben aufgehen sehen, und sind aufgebrochen. Die Schriftgelehrten in Jerusalem, die von König Herodes befragt wurden, haben den Weisen den Weg nach Betlehem gewiesen. Dort finden sie den Sohn Gottes. Die Weisen aus dem Orient sind die ersten, die Jesus anbeten. Diese Perikope des Matthäus-Evangeliums betont: Aufgrund dessen, was Menschen mit ihrer Vernunft erforschen, machen sie sich auf, um Gott zu suchen. Von weit her kommen sie und wagen den Weg zu Gott, den sie in Jesus Christus finden können. 

Der Weg der Weisen führt von Ost nach West und wieder zurück von West nach Ost. So stellt uns das Matthäus-Evangelium vor Augen, dass die Wurzeln Europas auch im Orient liegen. 

Der christliche Glaube ist katholisch 

Wenn ich das Evangelium am Hochfest der Erscheinung des Herrn höre und lese, denke ich an das Heilige Land. Dort leben westliche, orthodoxe, orientalische und altorientalische Kirchen auf engem Raum zusammen. In unterschiedlichen Traditionen und Sprachen verkünden und leben sie die eine Frohe Botschaft: Gott hat uns in Jesus Christus seine Güte und Menschenliebe gezeigt. Der Glaube kann in der Vielzahl der Sprachen und Kulturen ausgedrückt und gelebt werden. Das eine Evangelium Jesu Christi ist uns von vier Evangelisten überliefert, die jeweils eigene Akzente der Botschaft Jesu hervorheben. In der Vielfalt der christlichen Traditionen entdecke ich Reichtümer, die sich gegenseitig auch ergänzen. 

Dieses Evangelium verbindet uns mit allen Menschen, die in der Vielfalt der Religionen Gott aufrichtig suchen. Den Weisen aus dem Morgenland wurde geschenkt, Christus zu finden. Wir erleben heute, dass viele Menschen Gott suchen, dabei aber nicht zum Bekenntnis vorstoßen, dass Jesus von Nazareth Gottes Sohn ist. Mit allen Gottsuchenden weiß ich mich verbunden. Mit einem Gebet von Papst Johannes Paul II (Gotteslob 20,4) bete ich für diese vielen Menschen: 

Herr,  
Gott des Himmels und der Erde,  
Schöpfer der einzigen Menschheitsfamilie, 
wir beten zu dir für die Anhänger aller Religionen. 
Mögen sie im Gebet und reinen Herzens deinen Willen suchen;  
mögen sie dich anbeten und deinen heiligen Namen verherrlichen. 
Hilf ihnen, in dir die Kraft zu finden,  
Ängste und Misstrauen zu überwinden, 
die Freundschaft wachsen zu lassen  
und in Harmonie miteinander zu leben. 

Cfr. Dr. Martin Schomaker, Domkapitular in Osnabrück 

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