Aktuelles aus unserem Orden

Kriegerische Auseinandersetzung im Heiligen Land

(c) Fr. Gabriel Romanelli

Mit Entsetzen verfolgen die Damen und Ritter der Deutschen Statthalterei die neue Gewaltspirale im Heiligen Land, die sich in den letzten Tagen immer mehr zugespitzt hat. Die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Csr. Cornelia Kimberger, in stetem Kontakt mit Priestern und dem CEO des Lateinischen Patriarchats, fasst die erschütternden Berichte zusammen: 

Ein Teufelskreis der Gewalt 

Sami el-Yousef, der CEO des Lateinischen Patriarchats, sorgt sich seit einigen Tagen sehr um den Frieden in Israel und Palästina: „Es ist wirklich eine sehr schwierige Zeit für uns hier, da es scheint, dass alle Fronten zur gleichen Zeit zu einem Inferno für uns werden… Die Demonstration von Hass und Rassismus auf den Straßen Jerusalems und vieler anderer Städte in Israel, die gefährlichen Luftangriffe der Hamas aus Gaza, die israelisches Territorium treffen, und die israelischen Bomben auf Gaza - all das unnötige Töten, Zerstören und große Leid. Wofür denn eigentlich?“, fragt er. „Ein weiterer Waffenstillstand wird sicherlich früher oder später erklärt werden, und wie bei früheren Auseinandersetzungen wird die eigentliche Ursache all dessen nie benannt. Es ist ein Teufelskreis, der nie endet... Wunder sind notwendig! Die Welt müsste darauf drängen, dass wir alle, als Gottes Geschöpfe, gleichberechtigt sind und – gleich welchen Glaubens – es verdienen, in Würde zu leben! Bis dahin allerdings wird es weder Gerechtigkeit noch Frieden im Heiligen Land geben.“  

„Sie sind an Krieg gewöhnt“ 

Gabriel Romanelli, der Priester der Gemeinde „Heilige Familie“ in Gaza, berichtet von der Schule der Rosenkranzschwestern, die bei den Luftangriffen getroffen wurde: „Ich bin zur Schule gefahren, um die Schäden zu begutachten, und auch, um mit den Schwestern die Morgenmesse zu feiern.“ Nur zehn Minuten dauert die Fahrt mit dem Auto vom Gemeindegelände der Pfarrei dorthin. Acht Stunden hat er dann bei den Schwestern bleiben müssen. Die Schule mit dem Schwesternhaus liegt nahe an den Regierungsgebäuden der Hamas, und diese standen unter Dauerbombardement. Als der Pater dann endlich gut zu Hause angekommen war, riefen ihn die Schwestern an, und berichteten, dass schon wieder Bomben fielen.  

Die kleine katholische Gemeinde in Gaza besteht aus 120 Christen. Unter den gut zwei Millionen muslimischen Palästinensern in Gaza, leben ungefähr 1.100 Christen, Katholiken und Orthodoxe. Viele der Schüler der Rosenkranzschwestern-Schule sind Muslime.‎ In einer Sprachnachricht erzählt der Priester, dass innerhalb weniger Tage viele Toten zu beklagen seien. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza wurden seit Beginn der Eskalation des Konflikts 109 Menschen getötet – darunter mindestens 14 Kinder – und 1.621 weitere Menschen verletzt (Stand 14.05.2021). Mit Telefon und WhatsApp sind er und die Ordensleute in engem Kontakt mit ihren Gemeindemitgliedern. „Sie sind an Krieg gewöhnt", sagt der Priester und erinnert an die Gaza-Kriege 2009, 2012 und 2014. „Wir versuchen unsere Gemeindemitglieder so gut es geht zu trösten. Doch die Bombeneinschläge bringen ein Gefühl der Ohnmacht; noch dazu, weil es keine Luftschutzkeller gibt. Kinder entwickeln Verhaltensstörungen, so Pater Romanelli.‎ "Krieg ist ein Trauma, und Kinder sind zerbrechlich!“ Romanelli verweist auf die Erklärung des Lateinischen Patriarchen am 11. Mai zu dieser neuen Eskalation. „Diese Erklärung ist sehr klar formuliert“, ist sich der Priester sicher.  

Tote und Verletzte 

Die Kämpfe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen begannen am Abend des 10. Mai kurz vor dem Ende des Ramadans. Die Situation in Jerusalem war sehr angespannt; es gab während des muslimischen Fastenmonats strenge Versammlungsbeschränkungen. Israelische Siedler drohten zudem mit der Vertreibung von Palästinensern aus dem Viertel Scheich Jarrah in Ost-Jerusalem.‎ Die militante palästinensische Gruppe Hamas startete Raketenangriffe auf Jerusalem nach einer Konfrontation auf dem Tempelberg. Der „Jerusalem-Tag“ der Israelis, an dem diese nach dem Krieg von 1967 die Wiedervereinigung der Stadt Jerusalem feiern, fiel in diesem Jahr genau auf das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Für die Palästinenser allerdings ist dieser Tag der Beginn der israelischen Besatzung. Als Reaktion auf die Raketen-Angriffe startete Israel Luftangriffe auf Gaza. Die israelischen Streitkräfte berichteten von mehr als 1.050 Raketen und Mörsergranaten, die seit dem 10. Mai aus dem Gazastreifen abgefeuert wurden. Im Süden Israels und in Tel Aviv starben Menschen, Dutzende wurden verletzt, Häuser wurden zerstört. Die meisten Raketen wurden zum Glück vom israelischen Verteidigungssystem Iron Dome abgefangen.  

„Betet für uns“ 

Der Priester der Gemeinde in Taybeh im Westjordanland, berichtet von Straßenkämpfen zwischen Juden und Palästinensern in Israel. 20 % der Bevölkerung Israels sind Muslime. „Es ist nun eine Art Bürgerkrieg“, schreibt er. „Dort, wo Araber und Israelis zusammenwohnen, wie zum Beispiel in Galiläa, in Jaffa, Akko, Haifa, Jerusalem, dort ist die Situation gefährlich. „Es ist ein Schlachtfeld!“, so Abouna Johnny Abu Khalil. „Wir sind so sehr auf euer aller Gebet angewiesen!“ Abouna Firas aus der Gemeinde Aboud im Westjordanland meint gar, dass die Menschlichkeit Jerusalem verlassen habe: „Wir rufen nach unserem Gott!“ 

Georg Röwekamp vom DVHL, der Leiter des Pilgerhauses Tabgha am See Genezareth, schreibt: „Uns geht es gut – wir fühlen uns sicher. Die drei Raketen, die letzte Nacht (13.05.) im Libanon abgeschossen wurden, landeten im Meer und scheinen keine Vorboten weiterer Angriffe von dort zu sein. Beunruhigender sind die Nachrichten aus den umliegenden Städten und Dörfern. Auch dort gibt es heftige Zusammenstöße zwischen muslimischen und jüdischen Bewohnern, die dafür sorgen, dass manche unserer Mitarbeiter*innen nicht zur Arbeit ins Pilgerhaus kommen. Und das sind vielleicht Schäden, die uns noch lange beschäftigen werden. Zugleich sorgt die ganze Situation für zahlreiche Stornierungen bei uns im Haus.  

Hoffen auf ein Wunder 

Sami El-Yousef bedankt sich in einem Schreiben am Tag „Christi Himmelfahrt“ bei allen Mitgliedern der Deutschen Statthalterei für die fortwährende großzügige Unterstützung, insbesondere für die verschiedenen humanitären Fonds. „Die Nachfrage nach humanitärer Hilfe wird mit dieser neuen Gewaltspirale sicherlich zunehmen, vor allem aus Gaza. Wir sind uns bewusst, dass das Kloster und die Schule der Rosenkranzschwestern einige Schäden erlitten haben, und wir wissen von einer Reihe christlicher Familien, deren Wohnungen zerstört sind. Wir hoffen auf ein Wunder, das dieser sehr gefährlichen Situation ein schnelles Ende bereiten wird. Betet weiter mit und für uns!“, so der CEO des Lateinischen Patriarchats. 

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