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Judica me, Deus (Richte mich, o Gott, Ps 43,1) - Impuls zum 5. Fastensonntag

Confrater Kaplan Dr. Oliver Rothe, Prior der Komturei St. Maximilian Düsseldorf weist in seinem Impuls zum Passionssonntag darauf hin, dass Gott uns Menschen auch in schwierigen Situationen immer wieder aufrichtet.

Gott schützt uns, denn Gott ist unsere Gegenwart und unsere Zukunft.

Die Todesstrafe ist keine Lösung

Wie geht Gott mit einem Menschen um, der offensichtlich schwer schuldig geworden ist? Und wie möchte Gott, dass wir mit solchen Menschen umgehen? Das ist das Thema des Evangeliums vom Passionssonntag.
Die Sachlage ist ganz eindeutig: Da war eine Frau auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden. Da gab es nichts mehr zu beschönigen, die Sachlage war eindeutig. Und genau so eindeutig war, was für diesen Fall im Alten Testament, im Wort Gottes, als Strafe vorgesehen war. Wenn eine Frau auf fri-scher Tat beim Ehebruch ertappt wird, so lautet die Strafe: Tod durch Steinigung. So soll das Böse in Israel ausgerottet werden. Aber Jesus Christus löst das anders:

Der Mensch steht im Vordergrund

Vorrang hat für Gott der Mensch und nicht der Buchstabe des Gesetzes. Gott ist nicht ein Paragra-phenreiter, der nur darauf wartet: „Wann habe ich den Menschen endlich einmal erwischt?“ Gott hat doch im Gegenteil die Gebote gegeben, damit das Leben der Menschen und das Zusammenleben der Menschen gelingen kann. Der Mensch steht im Vordergrund und nicht das Gebot. 
Wenn Gott in den Zehn Geboten gesagt hat: „Du sollst nicht die Ehe brechen“, dann hat er dieses Ge-bot doch nicht gegeben, um uns Menschen den Spaß zu verderben. Er will vielmehr die Ehe schützen, da das eheliche Zusammenleben trotz aller Liebe auch große Herausforderungen mit sich bringt. In etwaigen Situationen des Fallens und des Scheiterns geht es für Gott darum, den Menschen wieder aufzurichten, und nicht, um ihn zu zerstören und zu verurteilen. 
Ich denke, dass wir allen Grund haben, hier in uns zu gehen. Verfahren wir mit Menschen, die in Schuld gefallen sind, nur nach dem Buchstaben des Gesetzes? Was sagen wir z.B. zu Menschen, deren Ehe gescheitert ist? Die dann wieder geheiratet haben und die jetzt darum bitten, zu den Sakramen-ten zugelassen zu werden? 
Natürlich kann man dann das kirchliche Gesetzbuch nehmen, Paragraph für Paragraph durchgehen, und dann ist die Sache erledigt. Aber vielleicht ist dann der betroffene Mensch auch erledigt. Ich weiß nicht, ob nicht Jesus in einem solchen Fall den Menschen sehen würde, dem geholfen werden muss. Ob wir das genug tun in unserer Kirche? 

Gott verurteilt Sünde, aber er verurteilt nicht den Sünder. Das ist ein Unterschied. Gott wird mit aller Macht gegen Sünde vorgehen, weil Sünde den Menschen zerstört. Das sieht man auf den ersten Blick vielleicht nicht, aber es ist so. Sünde zerstört das Verhältnis des Menschen zu Gott, Sünde zerstört das Verhältnis der Menschen untereinander, und Sünde zerstört den Frieden im eigenen Herzen. 
Darum wird Gott niemals zulassen, dass Du Sünde in Deinem Leben tolerierst, dass Du Dich an Sün-de gewöhnst. Er wird immer seinen Finger auf diesen wunden Punkt legen. Er wird Dir vielleicht schlaflose Nächte bereiten, er wird Dir ein schlechtes Gewissen machen, ich weiß es nicht. Aber er wird niemals zulassen, dass Du Sünde in deinem Leben tolerierst. Sünde ist nicht eine Bagatelle, wie man heute oft sagt. 
Gott verurteilt die Sünde. Aber auf der anderen Seite gilt: Gott verurteilt nie einen Sünder. Es gibt keinen einzigen Fall im Neuen Testament, wo Jesus einen Sünder, der gefallen war, verurteilt hätte. Da kann eine Hure, eine Dirne, zu ihm kommen, und kann sich an seinen Füßen ausweinen, so dass die ganzen Frommen, die Pharisäer, mit dem Finger darauf zeigen. Aber Jesus sieht die Not dieser Frau, und er gibt ihr eine neue Würde. Er lässt nicht zu, dass die anderen, die Frommen, über diese Frau die Nase rümpfen.
Das bedeutet Erlösung: Jesus verurteilt nicht den Sünder, mit ihm hat er Erbarmen. Und er geht je-dem gefallenen Sünder nach wie dem verlorenen Schaf, bis er es findet. 

Gott ist unsere Gegenwart und unsere Zukunft

Die Pharisäer, die die Frau zu Jesus gebracht haben, wollten mit ihrer Vergangenheit abrechnen, mit ihrem Ehebruch. Aber Gott fragt nicht, wo Du gestern gewesen bist. Gott sieht Dich heute, und er blickt mit dir zusammen in die Zukunft. 
Jesus sagt dieser Frau am Ende: „Hat dich keiner verurteilt? Ich verurteile dich auch nicht!“ Und jetzt kommt der entscheidende Satz: „Geh hin, und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Ja, Sünde wird Sünde genannt, aber dann heißt es: „von jetzt an“. Da wird der Blick in die Zukunft gerichtet; es wird ihr eine neue Chance gegeben, eine neue Perspektive für das Leben in Zukunft: „von jetzt an ...“ 
Jeder von uns ist Sünder, so schwer es uns auch fällt, das zu akzeptieren. Und wie schwer tun wir uns heute mit dem Sakrament der Sündenvergebung, mit der Beichte! Wie schwer tun wir uns heute, obwohl jeder weiß, dass er Sünder ist, Gott in unser Herz hinein schauen zu lassen und unser Herz einmal vor Gott offen zu legen. 
Könnte es daran liegen, dass wir ein falsches Gottesbild haben? Wir messen Gott an der Art, wie man in unserer Gesellschaft, und oft auch in der Kirche, mit Sündern umgeht. Dann lass Dir heute von diesem Evangelium her ein neues Bild von Gott in Dein Herz malen: 
Das Bild eines Gottes, dem der Mensch wichtiger ist als der Buchstabe des Gesetzes. 
Das Bild eines Gottes, der nicht den Sünder verurteilt, sondern die Sünde; der mit dem Sünder Er-barmen hat. 
Und das Bild eines Gottes, der nicht abrechnet mit Deiner Vergangenheit, sondern der Dir eine neue Zukunftsperspektive eröffnet. 
 

 

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