Aktuelles aus unserem Orden

Jesus Christus sorgt für uns Menschen - Impuls zum 4. Ostersonntag

In seinem Impuls zum 4ten Sonntag der österlichen Zeit 2022 stellt der Vorsitzende der Kommission Spiritualität, Confrater Domkapitular Dr. Martin Schomaker, Komturei St. Wiho Osnabrück / Vechta, den Hirten in den Mittelpunkt. Weil wir Menschen Gott am Herzen liegen, führt uns Gott und sorgt für uns. In den von Krisen geprägten Herausforderungen unserer Zeit ist es tröstlich zu wissen, dass Jesus Christus der gute Hirte ist.

Im Heiligen Land unterwegs 

Wer durch das Heilige Land pilgert, erlebt sie: die Schafherden mit ihren Hirten. Auf kargem Land mit wenig Grün und mit wenig Wasserstellen sind sie unterwegs. Die Hirten sind umsichtig und tatkräftig. Sie passen auf, damit es zwischen den Tieren nicht zu Rangeleien kommt, damit auch die schwächeren Tiere Futter bekommen und damit alle Tiere Zugang zum Wasser haben. Besondere Aufmerksamkeit bekommen die trächtigen Schafe und die Muttertiere mit ihren Lämmern. Die Hirten kümmern sich um verletzte Tiere, suchen die verirrten Schafe und sorgen für Ruhestellen. Eine besondere Herausforderung für die Hirten sind Raubtiere. Die Hirten hatten und haben eine verantwortungsvolle Aufgabe.  

David der schützende Hirte 

Im ersten Buch Samuel (1 Sam 17,34f) können wir nachlesen, was einen guten Hirten ausmacht. David bietet sich für den Kampf gegen die Philister an und verweist in diesem Zusammenhang auf seine Hirtenerfahrung: „Wenn ein Löwe oder ein Bär kam und ein Lamm aus der Herde wegschleppte, lief ich hinter ihm her, schlug auf ihn ein und riss das Tier aus seinem Maul. Und wenn er sich dann gegen mich aufrichtete, packte ich ihn an der Mähne und schlug ihn tot.“ Das macht, so das Alte Testament, einen guten Hirten aus: Er setzt sich kraftvoll für seine Herde ein, verteidigt das Leben unter Einsatz seines eigenen Lebens, hat einen Blick für die Schwachen. 

Gott selbst kümmert sich um sein Volk 

Die Bezeichnung „Hirte“ bekam im Orient eine spirituelle und eine politische Bedeutung. Wer politische Verantwortung hat, hat die Fürsorgepflicht, die Aufsichtspflicht und die Verteidigungspflicht. Er hat die Aufgabe für Gerechtigkeit und Recht zu sorgen. Der Prophet Ezechiel geht scharf ins Gericht mit denen, die schlechte Hirten sind: Sie haben nur an sich gedacht und nicht für die Herde gesorgt. Deshalb verheißt der Prophet: Gott selbst wird sich als Hirte um sein Volk kümmern (vgl. Ez 34). 

Der Hirtenpsalm 

Das geistliche Leitwort für unsere Ordensgemeinschaft ist in diesem Jahr ein Vers aus dem Buch der Psalmen, der uns ermutigt, die Psalmen zu bedenken und zu beten: „Bei Tag und bei Nacht über Gottes Weisung nachsinnen“ (vgl. Ps 1,2). Daher lenke ich unseren Blick auf Psalm 23. Denn Psalm 23 beschreibt mit poetischen Worten, was Gott als guten Hirten ausmacht, und lautet nach der revidierten Einheitsübersetzung von 2016: 

Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.  

Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. 

Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. 

Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil;  

denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. 

Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. 

Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher. 

Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn für lange Zeiten. 

Psalm 23 macht deutlich: Wir Menschen liegen Gott am Herzen. Gott führt uns, sorgt für uns, beschenkt uns mit Nähe, Güte und Huld. In den Herausforderungen unserer Zeit (Friedenskrise, Kirchenkrise und Coronakrise) ist der Psalm Vers „Der Herr ist mein Hirte“ (Ps 23,1) eine Kurzformel unseres Glaubens.  

Jesus Christus, der gute Hirte 

Was es bedeutet, dass Jesus Christus der gute Hirte ist, wird auf dem Hintergrund des alttestamentlichen Zeugnisses deutlich. Jesus hebt sich von den schlechten und verantwortungslosen Hirten seiner Zeit ab, die sich nicht um die Belange des Volkes Gottes kümmern. Gemeint sind wohl die von der römischen Besatzungsmacht eingesetzten Könige und Statthalter und die religiösen Führer. 

„Ich bin der gute Hirt“. Mit diesem Anspruch bezieht sich Jesus auf die Verheißung aus dem Prophetenbuch Ezechiel, in der es heißt: „Ich (Gott) werde über sie einen einzigen Hirten einsetzen, der sie weiden wird, meinen Knecht David. Er ist es, der sie weiden wird. Er ist es, der für sie Hirt sein wird“ (Ez 34,23). Der einzige von Gott beauftragte Hirte ist Jesus aus Nazareth. Ihm ist das Volk Gottes anvertraut. Bei Jesus sind wir Menschen sicher: Wir werden nicht zugrunde gehen; niemand kann uns der Hand Jesu entreißen (vgl. Joh 10, 28). Jesus gibt uns ewiges Leben. Seine Sorge für uns macht an der Todesgrenze nicht halt. 

Zu Jesus Christus beten und singen wir (Gotteslob 487,4+5): 

„Du guter Hirt, Herr Jesus Christ, steh deiner Kirche bei, dass über allem, was da ist, ein Herr, ein Glaube sei. 

Herr, mache uns im Glauben treu und in der Wahrheit frei, dass unsre Liebe immer neu der Einheit Zeugnis sei.“ 

 

Confrater Dr. Martin Schomaker, Domkapitular in Osnabrück 

 

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