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In der Grabeskirche wird es immer Ostern - Impuls zum 4. Fastensonntag

(c) oessh.net, Pfarrer Hans Hülsmann

Wenn am 4. Fastensonntag, dem Sonntag Laetare, die liturgische Farbe nicht violett, sondern rosa ist, leuchtet mitten in der Fastenzeit schon ein wenig von Ostern auf. Auf ganz eigene Weise kann man diesen Vorgriff auf Ostern auch in der Grabeskirche erfahren, wie Cfr. Hermann Hülsmann, Prior der Komturei St. Wiho – Osnabrück/Vechta, berichtet, der gerade von einer Pilgerfahrt nach Jerusalem zurückgekehrt ist. 

In der Grabeskirche wird es immer Ostern

Wer schon mal in der Grabeskirche in der Ädikula, also dem kleinen Kapellchen über dem Grab Jesu, die Hl. Messe gefeiert hat, weiß, dass dort immer die Hl. Messe von Ostern gefeiert wird. Tag für Tag, halbe Stunde um halbe Stunde, an jedem Morgen wie es der Status quo vorgibt. Eine ganz besondere Ostererfahrung kann zudem in den Nächten vor den Sonntagen der Fastenzeit in der Grabeskirche gemacht werden. Um 23.40 Uhr, oder 0.40 Uhr, wenn die Sommerzeit wieder gilt, beginnen in der Kapelle der Erscheinung die Vigilien, für die es sich durchaus lohnt, frühzeitig da zu sein, um einen Platz in der Kapelle zu ergattern. Zunächst sind diese Vigilien dann nichts anderes als die aus dem Stundengebet vertraute Lesehore, die Priester und Ordensleute täglich beten, nur eben auf Latein. Wenn Invitatorium, Psalmen, die vorgesehene biblische Lesung und die Lesung aus den Texten der Kirchenväter geschafft sind (ein schön gestaltetes Heft lässt die lateinischen Texte gut in Deutsch und anderen Sprachen mitbeten), folgen einige biblische Gesänge, die um die Thematik der Fastenzeit ranken. 

Der Aufbruch in den Morgen der Auferstehung

Und wer dann tief in die Gedanken von Leid und Hingabe Jesu eingestimmt und vielleicht auch etwas müde geworden ist, wird durch einen plötzlichen Aufbruch vermutlich etwas irritiert: Alles erhebt sich und bricht mit dem großen Evangeliar, das vom Kustos getragen und von zwei rückwärtsschreitenden Diakonen feierlich ununterbrochen inzensiert wird, zu einer Prozession auf: raus aus der Kapelle der Erscheinung, hinein in die Grabeskirche zu einer Prozession rund um die Ädikula. Und dabei wird der Lobpreis des Zacharias, der aus dem Morgengebet der Kirche bekannt ist, gesungen, der dabei durchwoben ist mit brausendem Orgelspiel und mit der österlichen Antiphon:

Angelus autem Domini descendit de caelo, et accedens recolvit lapidem, et sedebat super eum, alleluia, alleluia. – Ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Halleluja, Halleluja.

Die Prozession umkreist das Grab und führt dann zurück in die Kapelle, wo der Kustos selbst und nicht, wie es eigentlich zu erwarten wäre, einer der Diakone, eines der Evangelien von Ostern singend verkündet. Mitten in einer Nacht eines Sonntags in der Fastenzeit wird so das Ziel der Fastenzeit schon deutlich, wird feierlich verkündet, wohin der Weg der Fastenzeit führt: nach Ostern, in den Morgen der Auferstehung des Herrn hinein! Und wenn diese Frohe Botschaft verklungen ist, folgen nach Fürbitten und Schlussgebet die Entlassung nach Hause.

Ostern bestimmt in jedem Fall den Weg. Halleluja!

Seit ich diese nächtlichen Vigilien zum ersten Mal erlebt habe, haben sie sich tief in meine Erinnerung eingeprägt. Und als ich jetzt endlich wieder nach Jerusalem pilgern konnte, war für mich klar, dass ich mich zu dieser Feier aufmachen würde. Diese Vigilien mit ihrer Osterprozession und dem fröhlichen Halleluja (von wegen, in der Fastenzeit wird kein Halleluja gesungen!) sind wieder eine tiefe Stärkung auf dem Weg nach Ostern gewesen, für einen Moment waren wir schon am Ziel oder wurde zumindest das Ziel wieder ganz deutlich. Wir leben aus Ostern, auch in aller Drangsal, aller Not, allen Lamentationen und Klagegesängen. Und mit dieser frohen Botschaft im Herzen kann dann jeder und jede aus der Grabeskirche hinaus durch die doch recht kalte, wenn nicht gar regnerische Jerusalemer Nacht seinen und ihren Weg nach Hause antreten – ins derzeitige Pilgerhaus, in die deutsche Heimat und auch ins himmlische Jerusalem. Ostern bestimmt in jedem Fall den Weg. Halleluja!

Cfr. Pfarrer Hermann Hülsmann
Prior der Komturei St. Wiho – Osnabrück/Vechta

 

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