Aktuelles aus unserem Orden

Impuls zum Pfingstfest: Vertrauen wir auf den Heiligen Geist! 

Es gibt wohl keine Dame und keinen Ritter unserer deutschen Statthalterei, der in den letzten Tagen nicht mit großer Anteilnahme und Sorge ins Heilige Land geschaut hat. Die Region, der wir uns feierlich verschrieben haben, stand mal wieder in Flammen und viel zu viele unschuldige Menschen auf beiden Seiten des Konflikts haben wieder schrecklich gelitten, mussten furchtbare Zerstörungen ertragen, wurden verwundet oder verloren sogar ihr Leben: und unsere christlichen Glaubensgeschwister wieder mittendrin, auf beiden Seiten, als Opfer. So wurden etwa in Gaza mehrere christliche Häuser durch das Bombardement der israelischen Armee teils schwer beschädigt, darunter auch ein katholischer Kindergarten, während die Christinnen und Christen in Tel Aviv zusammen mit ihren jüdischen und muslimischen Nachbarn in den Schutzbunkern Zuflucht vor dem Raketenterror der Hamas suchten.  

(Meines Erachtens ist es übrigens bezeichnend, dass ein erheblicher Teil der Todesopfer auf israelischer Seite Gastarbeiter aus Thailand gewesen sind, was wiederum zeigt, dass auch in einem solchen Konflikt die vielen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus Asien und Afrika, darunter sehr viele Christinnen und Christen – meist sogar katholisch – der verletzlichste Teil der Bevölkerung in Israel sind. Es freut mich daher sehr, dass die deutsche Statthalterei seit einigen Jahren auch diese Glaubensgeschwister von uns verstärkt im Blick hat!) 

Die häufigste Frage, die mir von Ordensgeschwistern gestellt wird, ist: „Wie können wir konkret helfen?“ Ich erahne, dass das Schlimmste für viele von uns ist, wenn wir erleben, dass uns die Hände gebunden sind. Dass es keine konkrete wirkliche Lösung gibt. Dass auch großzügige Spenden zwar viel Gutes bewirken können, aber leider eben auch nicht der Schlüssel für alles sind.  

Meines Erachtens spiegelt sich diese unsere westliche Mentalität auch in der Weise unseres liturgischen Feierns wider. Während der Priester bei uns etwa mit den Worten tauft: „N.N., ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, so tauft er in den meisten östlichen Liturgien mit den Worten: „Die Dienerin / der Diener Gottes N.N. wird getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ In dieser fürbittenden Art, die Taufe und auch all die anderen Sakramente zu spenden, zeigt sich meines Erachtens ein Wesenszug des östlichen und orientalischen Christentums, von dem wir uns im Westen den Blick weiten lassen können. Diese Mentalität, die auf uns vielleicht manchmal befremdlich-fatalistisch wirkt, ist doch letztlich der Ernstfall des Gottvertrauens. Wir können letztlich nichts aus eigener Kraft, sondern nur wenn der Heilige Geist uns beisteht: Auf ihn kommt es im Letzten an! Die Assyrische Kirche des Ostens, deren Oberhaupt, Katholikos-Patriarch Mar Gewargis III., Papst Franziskus ja erst vor kurzem in Erbil wieder begegnet ist, kennt sogar ein Eucharistisches Hochgebet ohne Einsetzungsworte, da in ihrer Tradition die Epiklese, die Herabrufung des Heiligen Geistes, das eigentlich Entscheidende ist, das auch die Wandlung der Gaben bewirkt.  

Haben wir Mut, neu der Kraft des Gebetes und dem Wirken des Heiligen Geistes zu vertrauen! Ich würde mich freuen, wenn wir in den nächsten Tagen zusammen mit der Kirche von Jerusalem und der Kirche von Rom immer wieder voller Gottvertrauen dieses Stoßgebet unseres Papstes zum Himmel schicken würden: 

Heiliger Geist, gib, dass Israelis und Palästinenser einen Weg des Friedens und der Vergebung finden; gib, dass sie geduldige Baumeister von Frieden und Gerechtigkeit werden, und gib, dass sie sich, Schritt für Schritt, einer gemeinsamen Hoffnung und einem geschwisterlichen Zusammenleben öffnen. Amen.    

Pater Dr. Nikodemus C. Schnabel OSB, Jerusalem / Rom 

 

 
 

 

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