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Impuls zum Osterfest 

Mit der „Messe vom Letzten Abendmahl“ treten wir in die „drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn“ ein. Denn nach biblischem Verständnis beginnt der neue Tag bereits, wenn die Sonne untergeht; der Abend des Gründonnerstags zählt insofern schon zum Karfreitag. 

In der Liturgie denken wir an das Abschiedsmahl Jesu. Paulus erinnert daran, dass Jesus bei dieser Gelegenheit Brot und Wein gesegnet und den Jüngern als seinen Leib und sein Blut gereicht hat, verbunden mit dem Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1 Kor 11,24 f.). Johannes berichtet, dass Jesus an diesem Abend nach dem Mahl seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, auch wieder verbunden mit einem Auftrag: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,15). 

Kürzer und knapper kann man kaum sagen, wie Christsein konkret wird: Einerseits als Gemeinschaft der Glaubenden zusammenkommen und Eucharistie feiern, andererseits aber auch nicht in der Selbstsorge gefangen sein, sondern auf jene zugehen, die unsere Zuwendung und Hilfe brauchen. 

Freilich haben wir damit das Geheimnis des Abendmahles bei weitem nicht ausgeschöpft. Im Zeichen der Fußwaschung, aber vor allem auch in den Zeichen von Brot und Wein weist Jesus bereits auf seine Hingabe am Kreuz voraus. Das Brot, das gebrochen wird, gibt Anteil an dem Leib, der ans Kreuz geschlagen wird; das Blut des Neuen Bundes, das uns zum Trinken gereicht wird, verweist auf den Tod Jesu als neues Paschalamm. Sein Leib und sein Blut aber können uns nur zur Speise und zum Trank werden, weil Jesus nicht im Tod geblieben, sondern in einem verklärten Leib auferstanden ist.  

Wäre Jesus nicht gestorben, wären die Zeichen beim Abschiedsmahl nicht mehr als katechetische Bilder. Wäre das Grab das Ende gewesen, blieben Jesu Zeichen Appelle eines Menschen, der seine Botschaft mit seinem Leben existentiell bezeugt hat. Weil aber Christus von den Toten auferweckt wurde, wird aus den unscheinbaren Zeichen das wirkmächtige Sakrament der Gegenwart des Herrn, seines Todes und seiner Auferstehung. 

So ist die Messe vom Letzten Abendmahl keine isolierte Feier zur Erinnerung an die Einsetzung der Eucharistie und das Gebot der Nächstenliebe. Sie ist vielmehr ganz eng verbunden mit dem, was wir am Karfreitag und in der Osternacht feiern. Oder anders: Erst unter dem Kreuz und in der Begegnung mit dem Auferstandenen kann den Jüngern damals und heute in der Tiefe aufgehen, was Jesus am Gründonnerstag zeigen wollte und geschenkt hat.  

Pandemiebedingt kann in vielen Kirchen in diesem Jahr am Gründonnerstag nicht gesungen werden. Mancher wird deshalb die klassischen Lieder für diesen Tag vermissen: „Also sprach beim Abendmahle Jesus als sein Testament“ (GL 281) und „Beim letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod“ (GL 282).  

Aus der Not geboren, wird dann vielleicht der Eröffnungsvers der Messe vom Letzten Abendmahl vorgetragen. Der aber spricht nicht vom Abschiedsmahl, nicht von der Eucharistie und nicht vom Auftrag zur tätigen Liebe. Der Eröffnungsvers schlägt vielmehr bereits den Bogen über den Karfreitag zum Ostersonntag und bis in unsere Gegenwart: 

“ (vgl. Gal 6,14). 

Ich wünsche den Christen im Heiligen Land, aber auch uns allen, dass inmitten aller Schwierigkeiten und Sorgen, aller Enttäuschungen und Befürchtungen, die diese Zeit prägen, die Feier der „drei Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn“ unseren Glauben stärkt und wir aus tiefer Hoffnung einstimmen können in diesen Jubelruf des Apostels: 

„Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit“ (vgl. Gal 6,14). 

Prof. Dr. Winfried Haunerland, Geistlicher Zeremoniar der deutschen Statthalterei 

 

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