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Impuls zum 5. Fastensonntag 2021

Ich habe meine Weisungen in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. (Jer 31,33)

Sich etwas zu Herzen nehmen, ist eine menschliche Eigenschaft, die in die Tiefe unseres eigenen Menschseins geht. Da tue ich etwas, was mir wichtig und bedeutsam ist. Da bin ich mit meinen Gefühlen und meinem Verstand ganz dabei. Menschen, die sich von ganzem Herzen lieben, sieht man die Zuneigung und die Zuwendung deutlich an. Ihr Miteinander und Füreinander ist von Herzlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitigem Dasein geprägt. Menschen, die sich eine gemeinsame Angelegenheit zu Herzen genommen haben, finden sich als Gemeinschaft zusammen, um für diese Sache zu kämpfen; und nach einem guten Gelingen ist die gemeinsame Freude sehr groß. Was aus dem Herzen kommt, ist nachhaltig und prägend.
In der ersten Lesung zum 5. Fastensonntag berichtet der Prophet Jeremia über die Absicht Gottes, sein Wort auf das Herz seines Volkes zu schreiben. Damit verbunden ist die Erneuerung seines Bundes. Gott selbst spricht davon, den alten Bund zu einem neuen Bund machen zu wollen. 

Das Herz hat in der Heiligen Schrift eine zentrale Bedeutung. Nicht das Gehirn des Menschen ist das Zentrum von Entscheidungen, Denken, Planen und Wollen, sondern das Herz. Von hier aus – so die Überlieferung – richtet der Mensch sein ganzes Leben aus.

Gottes Erfahrungen mit dem Volk Israel, das er aus Ägypten herausgeführt hat, waren nicht selten geprägt von Misstrauen, Abwendungen und Verlassenwerden durch das Volk Israel. Immer wieder hat Gott das Volk an den geschlossenen Bund erinnert. Immer wieder hat Gott einen neuen Anfang mit ihnen gemacht. Für diesen Gott waren das Wohlergehen und die Fürsorge für sein auserwähltes Volk ein Herzensanliegen. Dieses Volk Israel hat er geliebt und es vor allem Schaden bewahren wollen.

Mit den Propheten sandte er den Israeliten Menschen aus den eigenen Reihen, die sie nochmals und immer wieder an diesen gemeinsamen Bund erinnern sollten.
Mit Jeremia bietet Gott seinem Volk nochmals einen neuen Bund an. Nicht, dass er den alten Bund ersetzen oder austauschen möchte, sondern er bezeugt darin seine beherzte Liebe. Mit den Worten des Propheten klingt bei mir eine Verzweiflung Gottes an, der nach Wegen und Zugang zu den Menschen sucht. Gott möchte mit diesem Bund, dass seine Gebote und Worte auf die Herzen der Menschen geschrieben stehen, die diese von ganzem Herzen befolgen: freiwillig, ohne Hintergedanken, ohne Zögern, aus Liebe und Treue zu Gott. 

Nach Gottes Weisung zu leben, bedeutet, das Gute tun, den Nächsten lieben, seine Gebote achten, für die Armen sorgen, die Schöpfung bewahren und vieles mehr. Und das mit ganzem Herzen.
Dieser Bund Gottes ist ein offener Bund und keineswegs dem Volk Israel vorbehalten. Die Erneuerung seines Bundes ist zugleich eine Notwendigkeit wie auch eine beherzte Zusage Gottes an jede Generation, die an Gott glaubt und sich nach seiner Liebe und Zuwendung sehnt. Unser Gott weiß um die Schwächen und Stärken der Menschen. Deshalb ist es ihm ja ein Anliegen, seine Worte auf das Herz seines Volkes zu schreiben. Wohin sonst, damit wir es in uns tragen.

Mit dem Volk Israel sind auch wir eingeladen, uns diese Worte im Heute und Jetzt zu Herzen zu nehmen und uns immer wieder in unserer Schwachheit an diesen Bund Gottes zu erinnern: in der Gottes- und Nächstenliebe, in der Bewahrung unserer Schöpfung und in der Nachfolge Christi.

Christus selbst hat diesen Bund erneuert und ruft uns immer wieder zu beherzter Nachfolge auf. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, Gott unser Herz zu öffnen, es beschreiben zu lassen und seinen Bund unsererseits zu erneuern. Lassen Sie sich inspirieren von seinem Wort und schauen Sie auf Ihr Herz und wofür es in unserer Ordensgemeinschaft schlägt. Es wird Ihnen sagen, was Sie persönlich dafür tun können. Der Blick auf Ostern zeigt, was uns Gutes erwartet.

Domkapitular Berthold Bonekamp, Hamburg

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