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Impuls zum 4. Advent

An diesem vierten Advent werden wir durch das Evangelium nach Nazareth geführt, in und an den Ort, wo sich die frohe Botschaft dieses Advents-Evangeliums zugetragen hat. Das Evangelium berichtet uns von der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria - eine von uns schon oft gehörte und wohl gekannte frohe Botschaft.

In Nazareth nun gibt es zwei Orte, die an die Verkündigung erinnern. Der eine ist in der Stadt in der großen römisch-katholischen Verkündigungsbasilika geborgen - dieser wie eine Lilie aussehenden Kirche, die das Stadtbild von Nazareth prägt.
 
In dieser weithin sichtbaren Basilika findet sich in der Unterkirche der Rest des Hauses, in dem Maria auf die Botschaft des Engels geantwortet, und wo sie dann ihren Sohn vom Heiligen Geist empfangen hat. Es ist sehr beeindruckend, am Mittag um 12.00 Uhr in immer internationaler Gemeinschaft dort den Angelus zu beten und dann die Worte der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes, gemeinsam zu beten und so lebendig werden zu lassen: Das Wort ist HIER Fleisch geworden.
                
Es tut gut, in dieser Kirche zu verweilen und die Größe Gottes zu meditieren, der sich nicht zu groß war, als kleines Kind hier einer von uns zu werden. 
Und dann ist da noch der andere Ort, an dem die orthodoxen Christen der Verkündigung gedenken. Er ist nach dem Verkündigungsengel benannt und heißt Gabrielskirche. Diese Kirche wurde in der Nähe der Marienquelle gebaut, einer der beiden ursprünglichen Quellen, die es bei Nazareth gab. Nach orthodoxer Tradition ist der Engel Gabriel Maria an diesem Brunnen, also außerhalb der damaligen Stadt, begegnet. Durch die Gabrielskirche fließt das Wasser, das wie Jordanwasser gern geschöpft und mitgenommen wird.

Dass sich in Nazareth diese beiden Orte der Verkündigung ausbilden konnten, liegt am Bericht über die Verkündigung des Engels an Maria im Proto-Evangelium des Jakobus. Ein Text, der nicht zu den biblischen Texten gehört, aber in der Volksfrömmigkeit großen Einfluss hatte und hat. Dort wird die aus dem Lukas-Evangelium bekannte und an diesem vierten Adventssonntag wieder verkündete Schriftstelle quasi auf zwei Orte verteilt und das Geschehen der Verkündigung noch weiter ausgefaltet.
Dort heißt es: Maria „nahm den Krug und ging hinaus, um Wasser zu schöpfen. Und siehe, eine Stimme sprach zu ihr: „Sei gegrüßt, du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir. Gesegnet bist du unter den Frauen.“ Und Maria schaute sich nach rechts und links um, woher diese Stimme käme. Sie erbebte, ging in ihr Haus hinein, stellte den Krug ab, nahm den Purpur, setzte sich auf ihren Stuhl und spann den Purpur. Und siehe, ein Engel stand vor ihr und sagte: „Fürchte dich nicht, Maria. Denn du hast Gnade gefunden vor dem Herrscher aller. Du wirst empfangen durch sein Wort.“ Als sie das hörte, dachte sie bei sich nach und sagte: „Ich soll empfangen vom Herrn, dem lebendigen Gott, (und gebären,) wie jede Frau gebiert? Und siehe, der Engel trat zu ihr und sprach: „Nicht so, Maria. Denn die Kraft Gottes wird dich überschatten. Darum wird auch das Kind heilig genannt werden, Sohn des Höchsten. Und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Denn er wird retten sein Volk von seinen Sünden.“ Da sprach Maria: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn vor ihm. Es geschehe mir nach deinem Wort.“ (Proto-Evangelium des Jakobus, 11, 1 - 3).

Die beiden Orte in Nazareth und der proto-evangelische Ursprung können uns einladen, über die Reaktion auf die Ansprache Gottes nachzudenken. Maria braucht Zeit zu verdauen, zu realisieren, dass Gott ihr etwas zu sagen hat. Der Weg von der Quelle zurück in ihr Haus war wie ein Durchatmen nach dem inneren Beben, um dann das Gespräch mit allen Fragen fortsetzen zu können und ihr Ja zu sprechen. Maria brauchte diese Zeit. 

Jeder und jede braucht wohl diese Zeit, wenn er oder sie etwas Großes, Tolles, Wunderbares in seinem oder ihrem Leben verarbeiten muss; bei schlechten und traurigen Erfahrungen ist das ganz unbestritten. Aber auch bei guten Nachrichten kann jeder und jede mal sprachlos sein. Und will sich vielleicht erst einmal still über das Zugesagte freuen. Anhalten. Annehmen. Und dann geht es weiter. Der Advent kann eine solche Einladung an uns sein, uns ausdrücklich zu vergewissern, uns Zeit zu nehmen für alles, was Gott in unserem Leben Großes wirkte, wo wir Ihm begegnet sind, wo Er uns tiefe Freude geschenkt hat. Und dann können wir neu „Ja“ sagen zu dem, was Er weiter mit uns vorhat. Dann können wir neu unseren Wahlspruch leben: „Deus lo vult“.

Cfr. Hermann Hülsmann, Hagen a. T. W.
 

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