Aktuelles aus unserem Orden

Impuls zum 3. Fastensonntag 2021

Zeichnung: Cfr. Norman Gebauer, Berlin

Als Damen und Ritter unseres Ordens können wir uns gut vorstellen, mit welcher Ergriffenheit sich Jerusalempilgernde zu allen Zeiten der Heiligen Stadt genähert haben. Auch Jesus ist von Kind an mit seinen Eltern und Verwandten von Nazareth in Galiläa zu den Festen nach Jerusalem hinaufgepilgert. Wie die übrigen Wallfahrer wird er Pilgerlieder und Wallfahrtspsalmen gesungen haben. So etwa den Psalm 122: „Ich freute mich, als man mir sagte: Zum Haus des Herrn wollen wir gehen. Schon stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.“

Wie groß muss die Freude gewesen sein, wenn die Schar der Pilgernden vom Ölberg aus zum ersten Mal den prachtvollen Tempel sah: „Jerusalem, als Stadt erbaut, die fest in sich gefügt ist“, so hat man bei diesem Anblick gesungen. Wir können dann vielleicht den Zorn Jesu verstehen, all die Verkäufer und Geldwechsler im Vorhof des Tempels zu sehen. Aus seiner Sanftmut wird „heiliger Zorn“: gegen den veräußerlichten Gottesdienst, gegen das Gefeilsche am heiligen Ort, gegen den Tempelkult an sich. Der Künstler, unser Confrater Norman Gebauer, bringt es sehr eindrücklich zum Ausdruck. 

„Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“, ruft Jesus. Die Jünger haben erst später verstanden, dass er über die Auferstehung des Gottessohnes spricht. Jesus beansprucht eine neue Form der Gottesbegegnung: In seiner eigenen Person, in ihm, dem Sohn Gottes, können wir Gott finden. Er selbst ist der Ort der Gegenwart Gottes. Er selbst wird das wahre Opfer sein. Er wird sein Leben hingeben als Lösegeld für viele. Und er will in unserer Mitte wohnen. In unseren Familien und Komtureien, überall dort, wo wir ihn einlassen, gerade auch in dieser belastenden Corona-Zeit. Das Evangelium von der Tempelreinigung bedeutet eine radikale Umkehr der Perspektiven: Weder ein Bauwerk noch altehrwürdige Regeln und Zeremonien garantieren den Zugang zu Gott. Er liegt nicht in Steinen und Vorschriften, er liegt in einer Person. In Jesus selbst. Er ist der andere Tempel, in ihm ist Gott ganz und gar gegenwärtig.

Zu Gott kommen, erhält eine völlig neue Qualität. Es ist die Qualität eines persönlichen Du. Nicht wir stimmen Gott gnädig durch Opfer und Tempelsteuer. Gott selbst erweist sich als barmherzig, indem er sich in Jesus radikal verschenkt. Vor aller Leistung und trotz aller Schuld geht er immer den ersten Schritt auf uns zu. So sind wir selbst in diesem Evangelium angesprochen, nicht die anderen, die Verkäufer und Geldwechsler. Die stehen an allen Wallfahrtsorten dieser Welt am nächsten Tag wieder da und machen ihre Geschäfte. Wir selbst und unsere persönliche Beziehung zu Gott sind gemeint, unser Leben in der Nachfolge Christi und unser Bemühen, auch unser Ordensleben aus dem Glauben an ihn zu gestalten. 

Cfr. Msgr. Dr. Hansjörg Günther
Provinzprior der Ordensprovinz Ostdeutschland

 

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