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Impuls zum 3. Advent (Gaudete)

So kurz vor dem Weihnachtsfest wird uns der Glaube, der uns zusammenführt und verbindet, in den Texten des dritten Adventsonntags auf sehr sympathische Weise vorgestellt. Meist verbinden wir mit dem Glauben ja eher schwere Begriffe wie Sünde, Allmacht, Demut oder Gericht. Hier, an diesem dritten Adventssonntag, ist es ganz eindeutig die Freude, die als Thema über allem steht. Schon im Eingangsvers wird es angesprochen: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“ Dieser Vers gibt diesem Sonntag auch seinen Namen: „Gaudete!“ – „Freut euch!“
Jesaja kündigt nach der ganzen Leidenszeit Israels ein Gnadenjahr des Herrn an und freut sich von Herzen darüber, und Paulus beendet mit der Aufforderung zur Freude seinen Brief an die Gemeinde in Thessaloniki. Es ist gut zu hören, dass am Ende aller Überlegungen, allen Suchens, aller Zweifel auch und mancher Angst die Freude am Glauben steht.

Freude – ein Weg zur Erkenntnis Gottes

Ist das nicht schön? Natürlich können wir es problematisieren und fragen: Haben wir denn immer Anlass zur Freude? Geben wir immer Anlass zur Freude? So sehr solche Fragen manchmal berechtigt sind, so dürfen sie doch nicht Nebelkerzen sein, die das strahlende Licht der biblischen Zusage dieses Sonntags verdunkeln. Es ist eine Freude zu glauben, und wir dürfen uns das auch hier zusagen lassen, unverstellt, ungetrübt und ungebrochen, denn die Freude ist ein Weg zur Erkenntnis Gottes. Wer die Freude nicht kennt, hat Gott nie gesehen, hat vom Glauben keine Ahnung.
Gilt das nur, solange es einem gut geht? Was ist mit denen, die nichts zu lachen haben? In den Ländern, die von Kriegen und Bürgerkriegen heimgesucht sind. Bei den Flüchtlingen. Bei den Menschen in großer Not, die in unserer Umgebung wohnen. Bei denen, die seelisch leiden. Die trauern, Angst haben, den Tod nahe fühlen. Und nicht zuletzt bei den vielen Opfern der Corona-Pandemie. Wie sollen die sich freuen? Ist das nicht Hohn, wenn wir sagen: Die Freude ist ein Weg der Erkenntnis Gottes?
Aber der Grund der Freude, von der Jesaja und Paulus reden, ist nicht, dass es einem gut geht. Es ist nicht die Erfahrung: Es geht mir gut, darum freu’ ich mich! Im Gegenteil, möchte ich sagen. Die Freude an der eigenen Person und ihrem Wohlergehen ist gerade nicht die Freude an Gott. Gerade denen, denen es materiell, körperlich, seelisch oder auch beziehungsmäßig richtig gut geht, fällt es oft viel schwerer, die Freude am Glauben zu entdecken und damit diesen Zugang zu Gott selbst zu finden. 

In der Dunkelheit das Licht Gottes erkennen

Denn was heißt es, wenn Paulus so betont: „Freut euch zu jeder Zeit“? Eben nicht nur zu den Zeiten, wo es mir richtig gut geht. Sondern auch dann, wenn es drückt und schmerzt und weh tut. Und auch Jesaja spricht zu den Armen, Gefangenen und Gefesselten. Denen, die leiden, ist die Freude am Herrn zugesagt. Das ist der Erfahrungshintergrund für diese Zusage der Freude. Erst in der Dunkelheit kann ich das Licht Gottes erkennen, Gott selber sehen, nicht nur mich selbst.
Damit begegnen wir dem typischen Paradox unseres Glaubens: In der Dunkelheit sehen wir das Licht, in der Schwäche erfahren wir Gottes Kraft, in der Sünde seine Vergebung, im Leid Hoffnung und im Kreuz das Heil. Und anders geht es auch nicht, denn sonst würden wir nur uns selbst vertrauen und unserer Kraft und nicht der Kraft Gottes. Darum ist es so, dass die Propheten in den tiefsten Punkten Israel das Heil verheißen haben, in den Zeiten des Erfolgs und der Macht aber zur Umkehr mahnten.

Er ist schon unter uns

So kommt es, dass Johannes der Täufer in der Wüste ruft, dass wir dem Herrn den Weg ebnen sollen. Er ist es auch, der den wahren Grund unserer Freude benennen kann: „Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt.“ Das ist der Grund unserer Freude und unserer Dankbarkeit, dass der Herr schon unter uns ist. Dass Gott da ist, ob wir ihn immer sehen oder nicht. Aber er ist da.
Vielleicht konnte er das so klar sehen, weil ihm bewusst war, dass er nicht selbst das Licht ist, sondern für das Licht Zeugnis ablegt. Aber er sieht, dass dieses Licht bereits unter uns scheint und sichtbar wird. Wenn wir genau hinsehen, können wir es auch entdecken – und uns freuen. Darum mahnt uns Paulus: „Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!“ Dazu mahnt uns Paulus, denn es ist der Geist Jesu, der mitten unter uns ist.

Von Propst Cfr. Dr. Bernhard Stecker, Bremen

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