Aktuelles aus unserem Orden

Impuls für August 2021

Mitte August feiern wir die Aufnahme Marias in den Himmel. Dieses Fest lenkt den Blick auf eine Glaubensüberzeugung, die sich aus dem Glaubenssinn der Kirche entwickelt hat: Maria hat durch Gott ihre Vollendung gefunden – mit Leib und Seele. 

Wenn wir auf Marias Vollendung schauen, blicken wir zugleich darauf, wie alles begonnen hat. Davon erzählt uns das Lukas-Evangelium. Es schildert uns Maria als Frau, die tief in sich eine Hoffnung trägt – Hoffnung auf Leben besonders für diejenigen, die nicht viel gelten, für die Niedrigen und Geringen, die Missachteten und vom Leben Ausgeschlossenen. Mit dieser Hoffnung hält Maria sich Gott hin. In einem besonderen Moment kann sie von einem Engel vernehmen, dass sie ihre Hoffnung austragen soll in einem Kind – in Jesus, ihrem Sohn und Gottes Sohn. Dieser würde das Leben bringen für alle: Gottes Heil. Und Maria antwortet mit ihrem ganzen Gottvertrauen. 

Ihr Gottvertrauen drückt sie in einem bedeutungsvollen Wort aus. Dieses Wort kommt ihr in dem Moment über die Lippen, wo ihr die grenzenlose Lebensperspektive von Gott her eröffnet wird. Als Maria die Botschaft des Engels vernimmt, dass sie den Sohn Gottes gebären soll, antwortet sie nach einem ersten vorsichtigen Zögern und Fragen schließlich: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Ihr Gottvertrauen lässt Maria augenblicklich nach vorne hin einen Weg und ein Ziel erkennen. So gerät Maria in Bewegung. Sie kann ihren Weg gehen, weil sich ihr im Vertrauen auf Gott ein Ziel eröffnet, eine grenzenlose Lebensperspektive: Hoffnung, die alles weitet – vor allem Herz und Gemüt. Damit muss sie irgendwohin. Am besten zu jemandem, der sie versteht. Sie geht zu Elisabeth, ihrer Cousine, die ebenfalls gegen alle Erwartung schwanger geworden ist. 

Und es ist Elisabeth, die Maria für ihr Gottvertrauen preist. Vom Heiligen Geist erfüllt, ruft sie mit lauter Stimme Maria entgegen: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. (…) Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,42.45). 

Elisabeth begegnet Maria mit großem Enthusiasmus. Sogar das Kind in ihrem Leib sendet ein Signal der Freude, die sich auf Elisabeth überträgt. Und diese Freude ist Vorfreude auf das, was da kommen soll: Rettung von Gott her, Hoffnung auf Erfüllung des versprochenen Heils, Hoffnung auf Vollendung. Bei Elisabeth zeigt sich ein feines Gespür für Vollendung und dafür, dass der Weg dorthin das Vertrauen auf Gott ist. 

Trotz dieser vielversprechenden Erlebnisse, ist Marias Leben nicht frei von Fragen, Sorgen und Ängsten geblieben. Maria geriet in Gefahr, als sie einen Sohn gebar, dessen Herkunft menschlich unklar blieb. Sie war dennoch bereit, ihr ungewöhnliches Kind nicht abzuschreiben, sondern wagemutig mit ihm Schritt zu halten. Ihr Leben kannte harte Grenzen, auch die des eigenen Sterbens. Und gerade dieses Leben hat seine Vollendung gefunden. Marias Vertrauen auf Gott, ihre Hingabe an den Willen Gottes auf Erden, ist nicht enttäuscht worden. 

 
 

Das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel stellt uns vor Augen, was auch wir für uns erhoffen dürfen – Gottes Heil, Leben in Fülle, unsere Vollendung. Mit dieser Zielperspektive zeichnet sich dann auch ein Weg für uns ab – ein Lebensweg, der gangbar ist, und den wir mit Schwung nach vorne hin beschreiten können. 

Dabei werden wir ermutigt, wie Maria die Haltung des Gottvertrauens einzunehmen und das eigene persönliche „Mir geschehe“ zu sprechen. Gewiss ist es nicht immer leicht, dieses „Mir geschehe“ zu sagen – besonders in Lebenssituationen, die wir Menschen nicht überblicken können. Das können große Veränderungen sein, die das Gewohnte und Vertraute in Frage stellen, die unsicher machen und ängstlich. Der naheliegende Reflex ist dann meistens, am Alten und Gewohnten festzuhalten. Doch dieser Reflex führt nicht selten zur Verkrampfung, zur Erstarrung, zur Lähmung. Das „Mir geschehe“ aber lässt vertrauensvoll zu, und das Zulassen bringt Entspannung, bringt Lösung, bringt Bewegung. Liebe lässt zu, lässt geschehen. Ohne Vertrauen aber ist dies nicht möglich. 

Den Weg der Hoffnung und des Gottvertrauens beschreiten wir nicht allein, gleichsam nur auf uns fixiert. Wir beschreiten ihn mit allen, die sich nach Leben sehnen, aber nur wenig Perspektiven im Leben haben. Wir im Ritterorden haben dabei besonders die Menschen im Heiligen Land im Blick. Für sie hegen wir unsere Hoffnung und unser Gottvertrauen – gerade für die Gefährdeten mit zu geringen Zukunftschancen oder für die gänzlich Zukurzgekommenen ohne Zukunftsperspektive. 

Unsere Hoffnung auf Vollendung und unser Vertrauen, dass Gott seine Versprechen einhält und seine Verheißungen erfüllt, spornen uns an, uns für die Menschen im Heiligen Land einzusetzen. Zum Beispiel in der Sorge um verarmte christliche Familien oder Flüchtlinge oder im Bemühen um Verständigung und Frieden zwischen den christlichen Konfessionen und anderen Religionen. Die Vollendung Marias durch ihre Aufnahme in den Himmel steht uns dabei vor Augen. 

Cfr. Pfarrer Dirk Meyer, Osnabrück 

 

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