Aktuelles aus unserem Orden

Im Gespräch mit Schwester Hildegard aus Emmaus Qubeibeh

Schwester Hildegard (c) Cornelia Kimberger

Der Statthalter der Deutschen Statthalterei, S.E. Dr. Michael Schnieders, und die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Cornelia Kimberger, haben Schwester Hildegard aus Emmaus Qubeibeh online getroffen. Die österreicherische Salvatorianer-Schwester leitet seit 2002 die Hausgemeinschaft „Beit Emmaus“ in Qubeibeh. Dieser gehören auch ihre 10 Mitschwestern, 25 Angestellte sowie Volontärinnen und Volontäre aus Deutschland an. Im Gespräch schilderte die Schwester die Situation vor Ort. 

Emmaus Qubeibeh, das Pflegeheim in Palästina 

Das Dorf Qubeibeh liege nur 12 Kilometer von Jerusalem entfernt, dennoch stelle es jedes Mal ein kleines Abenteuer dar, die Salvatorianerinnen und ihre Hausgemeinschaft zu besuchen. Nicht immer dürften die Besucher auf direktem Weg zurück nach Jerusalem. Sie würden am Checkpoint aufgehalten und müssten viele Kilometer Umweg auf sich nehmen, um nach Israel zurückzugelangen. 

Jesus, der Salvator 

Das Haus Emmaus ist ein Pflegeheim für palästinensische Frauen christlichen und muslimischen Glaubens. Die Frauen bedürfen der Hilfe, weil sie alt oder behindert sind und sich niemand um sie kümmern kann. Seit 1973 sind die Ordensfrauen in Emmaus Qubeibeh tätig. Sie leben in der direkten Nachfolge des Gründers, Pater Franziskus Jordan, und verehren zudem Jesus, den “Salvator” (lat.: Retter). Die Schwestern weltweit und auch hier in Qubeibeh „dienen dem Leben überall und mit allen Mitteln, die die Liebe Christi ihnen eingibt“.  

Wir sind beschenkt 

Schwester Hildegard betonte im Gespräch immer wieder, wie reich sie alle beschenkt würden. „Es ist ein Geschenk hier leben zu dürfen!“, und: „Der Liebe Gott brachte uns immerzu Hilfe und Unterstützung!“ So mache sie sich gar nicht so viele Sorgen, denn „immerzu waren es wunderbare Fügungen, die unserem Haus Emmaus und unserer angeschlossener Krankenpflegeschule weiterhalfen.“ 

Corona in Beit Emmaus 

Zurzeit leben 36 Frauen im Haus, das eigentlich nur 28 Betten hat. „Wir Schwestern haben unsere Zimmer geräumt, damit wir alle unterbekommen, die uns brauchen.“ Während der Pandemiezeit schlossen viele Altenheime, und einige der alten Menschen kamen in Emmaus Qubeibeh unter. Alle Schwestern, sämtliche Betreuer und alle Frauen erkrankten über Weihnachten während der Pandemie an Covid. Aber: „Keine Frau musste ins Krankenhaus. Denn bei uns geht es ihnen besser als dort.“ So wurden alle gepflegt und rund um die Uhr betreut und versorgt. „Die Zahlen der Covid-Erkrankten und -Toten in Palästina, die man in der Presse liest, stimmen hinten und vorne nicht!“, so Sr. Hildegard. „Es wurde einfach nicht getestet, und viele starben, ohne in der Statistik aufzutauchen!“ Sie sei froh, dass alle im Haus geimpft seien. „Das palästinensische Gesundheitsministerium hat uns unterstützt.“ Mittlerweile werde, nachdem es zunächst fast keinen Impfstoff gegeben habe, auch in Palästina geimpft. „Momentan sind alle 50-Jährigen dran“, berichtete die Schwester. Allerdings gebe es in der palästinensischen Gesellschaft viele Impfverweigerer. „Sie glauben alle an die ‚fake news‘, die über die Impfung in den sozialen Medien verbreitet werden!“ 

Krankenpflegeschule 

Schwester Hildegard hat zusammen mit der Bethlehem-Universität 2008 eine Krankenpflegeschule errichtet. Dort werden Frauen und Männer zu qualifizierten Pflegekräften ausgebildet. „Unsere Studenten sind zu 93 % fest angestellt. Die ersten von ihnen sind bereits Dozentinnen oder Dozenten; viele von ihnen arbeiten in gehobenen Stellungen, sogar in Israel. Das ist einzigartig in Palästina.“, erzählt Sr. Hildegard stolz. 

Der neue Aufzug - mitfinanziert durch die Deutsche Statthalterei 

Der alte Aufzug im Haus, in dem die bettlägerigen Frauen jeden Tag in den wunderschönen Garten hinuntergebracht werden, hat vor kurzem seinen Geist aufgegeben. Provisorisch wurde er noch einmal repariert, in der Hoffnung, dass er solange hält, bis der neue Aufzug eingebaut werden kann. „Wir Schwestern, aber auch unsere Volontärinnen, können die Frauen am Arm nicht nach unten bringen. Das schaffen wir kräftemäßig nicht“, erzählte die engagierte Frau. Deshalb wurde der neue Aufzug bestellt - in der Hoffnung, dass sich Spender dafür fänden, wie so oft in den vergangenen Jahren. Und tatsächlich hat Schwester Hildegard wieder viele Sponsoren gefunden, die den 132.500 Euro teuren Aufzug mitbezahlen möchten. Allein das Land Oberösterreich, woher sie ursprünglich stammt, habe 40.000 Euro zugesagt. Unter anderem hat auch die „Heilig Land Stiftung“ des DVHL ihre Unterstützung zugesagt. Schwester Hildegard hat sich sehr gefreut, als der Statthalter und die Kommissionsvorsitzende ihr mitteilen konnten, dass die Deutsche Statthalterei die restlichen 30.000 € übernehmen werde. Damit ist das Bauprojekt gesichert. 

Dank aus Emmaus 

Am Morgen nach der Videokonferenz trafen folgende Worte der Schwester per E-Mail ein: „Einen sehr lieben Gruß sende ich Ihnen aus Emmaus. Danke für das gestrige, wunderbare und ermutigende Gespräch. Das ist Emmaus: Gott ist in Menschen auf den Straßen unseres Lebens unterwegs. Bin sehr dankbar dafür. Im Anhang sende ich Ihnen die Finanzierung – bis jetzt! Vergelt’s Gott, dass Sie uns dabei helfen. Lieben Gruß auch von der ganzen Gemeinschaft, mit der ich die Freude schon beim Frühstück geteilt habe. Dankbar Ihre Sr. Hildegard“ 

Ordenscharisma  

„Wir als Salvatorianerinnen haben mit unserem Beit Emmaus Palästina unser Ordenscharisma eingepflanzt!“, betonte die Schwester im Gespräch. Sie sei froh, dass sie noch mindestens drei Jahre in ihrem Haus bleiben könne. Bald komme Schwester Lia, die in die Fußstapfen von Schwester Hildegard treten werde - dann, wenn der Liebe Gott dies für richtig halte. 

Csr. Cornelia Kimberger, Vorsitzende Heilig-Land-Kommission 

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