Aktuelles aus unserem Orden

Im Gespräch mit Patriarchatsvikar Fr. Rafic Nahra und Priester Ibrahim Nino 

Fr. Rafic Nahra (c) Cornelia Kimberger

Priester Ibrahim Nino (c) Cornelia Kimberger

S.E. Statthalter Dr. Michael Schnieders und Cornelia Kimberger, die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission (HLK), haben in den vergangenen Wochen Verantwortliche im Heiligen Land zum Austausch in zwei Video-Konferenzen eingeladen. Consoror Kimberger hat die Inhalte für uns zusammengefasst: 

Viele Arbeitsmigranten haben Israel verlassen 

„Viele Arbeitsmigranten haben in der Corona-Pandemie Israel verlassen“, sagt Fr. Rafic Nahra, Vikar für Migranten, Asylanten und Flüchtlinge, in der ersten Video-Konferenz. Ihre Stellen gab es auf einmal nicht mehr, da sie sehr oft in der Gastronomie und in Hotels gearbeitet hatten, die nun geschlossen waren. Traurig stellt er fest, dass illegalen Asylanten in nächster Zeit die Abschiebung drohe, die von der Regierung eigentlich schon vor der Pandemie beschlossen worden war. Fr. Rafiq beklagt zudem, dass er fast keine Volontäre mehr habe, die in der Babybetreuung in Tel Aviv und Jerusalem von Nöten seien. „Sie haben fast alle Israel verlassen, als der erste Lockdown kam. Normalerweise sind unsere Strukturen darauf ausgerichtet, dass wir sehr viele Volontäre haben“, berichtet der Priester. Er hofft darauf, dass wieder Praktikanten ins Land kommen, nun da sich die Corona-Lage normalisiert hat. 

Babybetreuung in Tel Aviv und Jerusalem 

„Der erste Lockdown war schlimm!“, so der Patriarchatsvikar. „Viele der Migranten verloren ihre Anstellungen“. In der zweiten Coronawelle hatten die Menschen nicht mehr so viel Angst. „Man wusste besser von Seiten der Regierung und auch von Seiten der Arbeitgeber mit der Pandemie umzugehen“, sagt er. In letzter Zeit werden allmählich die Babys wieder in die Kleingruppen nach Tel Aviv und Jerusalem gebracht, da ihre Mütter wieder arbeiten können, denn in Israel sind viele – auch die Arbeitsmigranten und Asylanten – geimpft, und der Inzidenzwert liegt um die 2 %. Sehr am Herzen liegt Fr. Rafic neben der Babybetreuung auch die Betreuung von Schulkindern nach der Schule. Hausaufgaben sollen dort zuverlässig erledigt werden, und ein Spiel- und Freizeitprogramm soll für die Kinder, die oft in sehr ärmlichen Verhältnissen leben, dort ermöglicht werden. Dazu hat er schon viele Ideen, die er zusammen mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem entwickelt. Was die politische Lage in Israel anbelangt, hofft er darauf, dass es kluge, weise Entscheidungen gibt, die endlich ein friedliches, gerechtes Miteinander zwischen Juden und Muslimen im Land ermöglichen. „Aber das braucht viel Zeit“, befürchtet er. 

Checkpoints geöffnet 

Die zweite Video-Konferenz fand mit Abouna Ibrahim Nino statt, der die Pfarrei im kleinen christlichen Dorf Zababdeh betreut, die etwas südlich von Jenin liegt. Er erzählt davon, dass viele Christen an Corona erkrankt waren. Während der Corona-Pandemie war die Schule, deren Rektor er ist, immer wieder vom Bildungsministerium geschlossen worden. Nun besuchen die 1.100 Schüler, in zwei Gruppen aufgeteilt, mit Masken wieder den Unterricht. „Zum Glück sind 40 der 60 Lehrer und Angestellten in der Schule bereits zum ersten Mal geimpft“. Seit eineinhalb Jahren sind die Checkpoints nun wieder geöffnet und die Menschen können ihrer Arbeit in Nazareth, in Afula oder sonstwo in Israel nachgehen, wenn sie geimpft sind. Der israelische Staat ist dabei, die Palästinenser, die in Israel arbeiten, zu impfen.  

Gottesdienste zu Ostern gut besucht 

Ostern, so berichtet er, hat er mit Genehmigung des Patriarchen die Gottesdienste in der Karwoche und Ostern im Freien gefeiert. „1.500 Gottesdienstbesucher waren insgesamt bei den Gottesdiensten!“, stellt er glücklich fest. Er ist von Herzen froh, dass nach ein paar Tagen mit Aufständen im Westjordanland während des Gazakriegs, mittlerweile wieder mehr Ruhe eingekehrt ist. „In Jenin hat es Ausschreitungen gegeben. Israelische Soldaten sind nachts in das Flüchtlingslager gekommen und haben Leute verhaftet“, so erzählt der Priester.  Nun freut er sich in seiner Gemeinde auf die Kommunion und Firmung, zu der der Patriarch erwartet wird. Die drei Rosenkranz-Schwestern in der Gemeinde haben die 23 jungen Menschen auf ihre Sakramente vorbereitet. Und wie geht es dem 36-jährigen Abouna Ibrahim, der in Jordanien geboren ist? „Ich fühle mich hier so sehr gut! Ich darf den Gläubigen in der Gemeinde dienen!“ Und noch ein Geheimnis verrät er zum Schluss: „Im Sommer fahre ich nach Rom. Dort werde ich dann für fünf Jahre an der theologischen Fakultät studieren.“ Ein Nachfolger steht schon in den „Startlöchern“, der vom Lateinischen Patriarchen bestimmt wird. Alles Gute und Gottes Segen, Ihnen, lieber Abouna Ibrahim! 

 

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