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Im Gespräch mit dem neuen Patriarchatsvikar Jordaniens

(c) Jamel Khader, oessh.net

Seit Herbst dieses Jahres ist Fr. Jamal Khader Daibes Patriarchatsvikar in Amman. In dieser Funktion löst er Bischof William Shomali ab, der nun wieder für die Christen in Jerusalem und Palästina zuständig ist, für die er bereits früher eine Zeitlang zuständig gewesen war. 

Fr. Jamal Khader Daibes ist Palästinenser und war einige Jahre lang Rektor des Priesterseminars in Beit Jala. Zuletzt leitete er die große Gemeinde „Holy Family“ in Ramallah. Palästina vermisse er nicht so sehr, erzählt der ambitionierte Priester in einer Videokonferenz am 29. November mit dem Deutschen Statthalter, S. E. Dr. Michael Schnieders, und der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission, Cornelia Kimberger. Seine betagte, in Palästina zurückgebliebene Mutter, vermisse ihn allerdings sehr. „Es ist die Aufgabe der Priester des Lateinischen Patriarchats, immerzu für neue Aufgaben zur Verfügung zu stehen“, stellt er fest. 

Jordanische Gemeinden kennenlernen 

Im Moment sei er dabei, alle Pfarreien und Schulen in Jordanien kennenzulernen. „Die Priester kenne ich alle!“, erklärt er stolz und lacht. „Sie waren entweder bei mir als Schüler im Priesterseminar oder sind seit Jahren meine Priesterkollegen.“ Für ihn sei wichtig zu verstehen, wie die Gemeinden arbeiteten, was die Nöte der Priester seien, wie es den jungen Menschen und Familien in seinem Vikariat gehe. Auch die 25 Schulen in Jordanien benötigten seine Aufmerksamkeit. Es gelte, neue Strategien zu entwickeln. Manche Schulen müssten renoviert werden, aber das Hauptaugenmerk richte sich zurzeit auf die Digitalisierung des Schulbetriebs - eine echte Notwendigkeit, wie sich in Coronazeiten sehr deutlich herausgestellt habe. Von großer Wichtigkeit sei zudem, dass die Lehrkräfte in dieser Richtung hin ausgebildet würden.  

„Smakieh“ - ein Spendenprojekt der Deutschen Statthalterei 

Mit Freude vernahm Fr. Jamal , dass die Deutsche Statthalterei anlässlich ihrer Frühjahrs-Investitur in Speyer mit 60.000 € die Kosten für die Renovierung der Kirche der südjordanischen Gemeinde St. Michael in Smakieh übernommen habe. Natürlich gibt es noch andere Bauprojekte, die der Patriarchatsvikar zu organisieren und zu betreuen hat: den Konvent der Rosenkranzschwestern in Salt (nördlich von Amman) und die Kirche am Jordan, an der Taufstelle Jesu: „Seit über 11 Jahren wird daran schon gearbeitet“. 

Den Pilgerort Mukawer attraktiver machen 

Ein weiteres Projekt liegt ihm sehr am Herzen: der christliche Pilgerort bei der Ruine der Festung Machaerus (arab.: Mukawer). Der römische Geschichtsschreiber Josephus Flavius benennt diese Festung als den Ort der Gefangenschaft und Hinrichtung Johannes des Täufers. Unterhalb der Erhebung besitzt das Lateinische Patriarchat Land. Dem Patriarchatsvikar schwebt vor, dort eine Stätte zu schaffen, die Pilgernden die Möglichkeit gibt, betend, lesend oder meditierend zu verweilen. So biete es sich etwa an, vor Ort in der Bibel von der Hinrichtung des Johannes zu lesen oder abends den herrlichen Sonnenuntergang zu genießen. Wer Mukawer kennt, weiß, dass dieser Ort aus dem Alten Testament bislang noch keine geeignete Möglichkeit bietet, um dort auf solche Weise zu verweilen.   

Das „kleine“ Seminar findet nicht mehr statt 

In den nächsten Tagen falle in seinem Vikariat die Entscheidung, wie es mit dem sog. „kleinen“ Priesterseminar weitergehen werde. Seit Beginn der Corona-Pandemie verweigere der israelische Staat - bedingt durch neue Regularien - den Schülern des Seminars, die aus Jordanien kommen, die Einreise nach Palästina, um im altehrwürdigen Priesterseminar in Beit Jala zur Schule zu gehen, das 1857 gegründet wurde. Im „kleinen“ Seminar werden die Schüler bis zum Abitur ausgebildet und können ihrer Berufung zum Priester nachspüren. Die jungen Männer bis 18 Jahre besuchen nun übergangsweise in Jordanien oder in Palästina die Patriarchatsschulen ihrer Gemeinden und werden von Priestern bei ihren Studien nebenher betreut. Nur 2002, in Zeiten der 1. Intifada, war die Schule für ein Jahr geschlossen. Allerdings geht es auch anderen Seminarschulen ähnlich, wie zum Beispiel dem Priesterseminar der Armenier in Jerusalem. Der Staat Israel möchte keine Ausländer im Land haben. Volontäre in kirchlichen Einrichtungen in Palästina zum Beispiel werden als Touristen betrachtet und bekommen keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. Das „große Seminar“, das junge Männer zu Priestern ausbildet, findet weiterhin in Beit Jala statt. Viele der jungen Männer im „kleinen“ Seminar stammen aus Jordanien. So liegt es nahe, dass in Jordanien eine Möglichkeit geschaffen wird, dort das „kleine“ Seminar zu etablieren. Noch dazu, weil Jordanien keine Einreisebeschränkungen für Schüler aus Palästina machen würde. Bisher sei allerdings noch nicht geklärt, wo die Schule für die jungen Seminaristen eingerichtet werden könne.  

Religionsunterricht in Jordanien 

Ein großes Thema seien auch weiterhin die Schulgebühren in Jordanien. Wie im Spendenaufruf für diesen Advent beschrieben, können die Eltern die Gebühren nicht bezahlen, denn die Corona-Pandemie hat viele von ihnen arbeitslos gemacht. Dem Lateinischen Patriarchat liegen die Schulen und damit die christliche Ausbildung der jungen Menschen im Heiligen Land sehr am Herzen. Obwohl der Schulbeitrag reduziert wurde, wechselten Hunderte von Schülern in öffentliche Schulen. Im Gegensatz zu Palästina gibt es in öffentlichen jordanischen Schulen keinen christlichen Religionsunterricht. Die Priester der LPJ-Gemeinden versuchen nun, die Kinder und Jugendlichen, von denen bekannt ist, dass sie öffentliche Schulen besuchen, in die Gemeinden zu einem Religionsunterricht einzuladen. Das gelinge gut in kleinen Gemeinden, wie zum Beispiel in Fuheis bei Amman. „Der Priester der Gemeinde, Fr. Imad Twal, kennt jede Familie und hat alles im Griff“, erzählt Fr. Jamal. In Gemeinden, die in der Großstadt Amman beheimatet seien, gelinge dies jedoch fast nicht. „Wir erreichen diese jungen Menschen nur sehr schwer.“ Bisher sei das Lateinische Patriarchat bemüht, alle Lehrer zu behalten, obwohl die Schulgebühren ausblieben. „Niemand wird entlassen!“, so der Patriarchatsvikar.  

Syrische christliche Kinder besuchen jordanische Schulen 

Seit dem 29.11.2021 gibt es eine weitere Vereinbarung zwischen dem jordanischen Vikariat und der Caritas Jordan, in der es um die Betreuung christlicher Flüchtlinge geht. In sieben Patriarchatsgemeinden werden 1.040 Schüler aus den Reihen der syrischen Flüchtlinge, vorwiegend Christen, am Nachmittag wieder in den Schulen betreut. „Natürlich können wir nicht die gesamte Erziehung der Kinder und Jugend übernehmen. Aber wir haben die Möglichkeit, Unterricht anzubieten, damit, beginnend vom Kindergarten bis ins Jugendalter, Schulunterricht in etwas abgespeckter Form angeboten werden kann. Die Kinder bekommen eine warme Mahlzeit und werden mit Schulbussen zu uns gebracht und wieder nach Hause gefahren“, berichtet Fr. Jamal. Die Caritas Jordan übernehme dabei die Finanzierung des Projekts und der Lehrkräfte. „Wir kümmern uns um die syrischen Flüchtlinge, denn diese bleiben in unserem Land, bis sie wieder zurück in ihre Heimat können. Die christlichen Iraker bei uns in Jordanien warten alle auf ein Visum für das Ausland. Viele möchten nach Australien.“ Dies könne Fr. Jamal nicht verstehen. 

Die Kirche in Al Jubeiha, Amman 

Fr. Jamal bedankt sich bei der Deutschen Statthalterei für ihr zurückliegendes Engagement beim Bau der Kirche St. Paul in Al Jubeiha bei Amman. „Es ist eine sehr schöne Kirche geworden!“, so der Patriarchatsvikar. Drei Gottesdienste fänden am Wochenende statt, die immer gut besucht seien. Vor allem junge Gemeindemitglieder und Familien kämen zu den Gottesdiensten. Begeistert weiß er zu berichten, dass in der Gemeinde über 100 Kinder und Jugendliche in Pfadfindergruppen organisiert seien - neben anderen Jugendgruppen und Gruppen für Familien und Frauen. „Der Gemeindepriester Fr. Samer Madanat kümmert sich zusammen mit Sozialarbeitern um bedürftige Menschen und um die christlichen Flüchtlinge in seiner Gemeinde.“ 

Jordanienreise der Deutschen Statthalterei Ostern 2022 

Der Patriarchatsvikar freut sich auf den Besuch der Pilgergruppe der Deutschen Statthalterei, die ab Ostermontag 2022 eine Woche lang jordanische Gemeinden, Hilfsprojekte und auch ihn besuchen möchte. „Ich wünsche Ihnen, euch allen, zunächst aber eine gesegnete Adventszeit“, so Fr. Jamal, und meint damit alle Damen und Ritter der Deutschen Statthalterei.   

 Csr. Cornelia Kimberger, Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission 

  

 

 

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