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Ich bin der, Ich bin da - Impuls zum 3. Fastensonntag

Sonneneinstrahlung in der Kuppel der Grabeskirche

Am dritten Fastensonntag „Oculi“ beginnt die Liturgie mit den Worten "Meine Augen schauen stets auf den Herrn" (Ps 25,15). Cfr. Dr. Rothe, Prior der Komturei St. Maximilian Düsseldorf, gibt in seinem Impuls zum 3. Fastensonntag Einblick in die Lesung vom brennenden Dornbusch aus dem Buch Exodus. Der Glaube an unseren Gott gibt uns die Kraft unser Leben zu wagen, ohne hieraus einen Vorteil zu erhoffen.

Wer ist Gott eigentlich? Wie können wir ihn fassen? Hat er einen Namen? Es ist eine der Ursehnsüchte der Menschen, Gott „greifbarer“ zu machen. Dieser Wunsch kommt auch heute in der berühmten Lesung vom brennenden Dornbusch aus dem Buch Exodus zum Ausdruck. Mose fragt Gott nach seinem Namen, um von ihm dem Volk Israel zu erzählen. In der geheimnisvollen Antwort „Ich bin der ‚Ich bin da‘.“ gibt Gott den Menschen eine Zusage, dass er für uns da ist.  

Vorgeschichte zur Lesung vom brennenden Dornbusch aus dem Buch Exodus (EX 3,1-8A.13-15) 

Die Vorgeschichte dieser Begebenheit ist schnell zusammengefasst. Mose wächst als Findelkind im Haus des Pharaos in Ägypten auf und wird zu einem impulsiven jungen Mann. Seine erste Aktion, von der die Heilige Schrift berichtet, ist die Tötung eines anderen Mannes. Danach flieht Mose in die Wüste, wo er dann heranreift zu einem geistlichen Anführer. In der Zeit, in der diese Reifung langsam abgeschlossen ist, ereignet sich die Szene am brennenden Dornbusch: Gott begegnet Mose. 

Der brennende Dornbusch ist sprichwörtlich geworden. Er brennt und verbrennt doch nicht. Es ist ein großartiges Symbol für die Begegnung des Menschen mit Gott. Der Dornbusch brennt und verbrennt doch nicht. Flamme und Rauch sind übliche Bilder der Bibel für Gottes Gegenwart. Der brennende und doch nicht verbrennende Dornbusch ist nicht zuletzt ein Bild dafür, dass gilt: Wenn Du meinst, verstanden zu haben, dann ist es nicht Gott. Gerade wo Gott sich zeigt, verhüllt sich die Wirklichkeit Gottes. In aller Radikalität am Kreuz. 

Die Unfassbarkeit Gottes 

Als Mose dann versucht, dieses Geheimnis zu erkunden, diesem „Schauspiel“ auf den Grund zu gehen, greift Gott ein, indem er Mose befiehlt, nicht näher zu kommen. Hier ist der erste Hinweis auf das, was die Begebenheit Mose damals und uns heute vermitteln will: Dieser Gott ist nicht einfach so untersuchbar. Dieser Gott ist nicht einfach so begreifbar. Dieser Gott ist „un-“fassbar. Diese „Distanziertheit“ Gottes vermittelt dem Mose, dass er diesen Gott nicht einfach untersuchen und prüfen kann, sondern dass dieser Gott ein Geheimnis bleibt. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass Gott dem Mose befiehlt, seine Sandalen auszuziehen. Wenn man Schuhe oder Sandalen an den Füßen trägt, kann man sich sehr frei bewegen. Man kann felsigen oder steinigen, weichen oder harten Boden betreten, ohne dass man sich verletzt. Dieser Schutz, diese Abschottung ist nicht notwendig, wenn wir Gott begegnen wollen. Wir können uns schutzlos vor ihn stellen, um Seine Gegenwart wahrzunehmen. 

Die Unkontrollierbarkeit Gottes 

Als Mose Gott dann nach seinem Namen fragt, spiegelt sich darin wieder der Wunsch des Menschen wider, Gottes habhaft zu werden. Denn wenn ich den Namen eines Menschen kenne, habe ich Kontrolle über ihn. Wenn ich ihn beim Namen rufe, dreht er sich um und antwortet mir. Wenn ich den Namen eines Menschen heute habe, kann ich ihn googeln, kann Biographisches über ihn herausfinden oder kann ihm einfach nur schreiben. Selbst wenn diese Dinge auch positiv sein können, können sie auch Zeichen dafür sein, dass ich der Person habhaft bin, dass ich sie kontrolliere. Dies entspricht freilich dem Wunsch des Menschen, den wir schon aus der Genesis kennen. Adam und Eva wollten auch von Beginn an, Gott in ihre Kontrolle bringen, indem sie sich entschieden, sich nicht an Seine Weisung zu halten. Wie schon in der Genesis, entzieht sich Gott auch bei Mose diesem Anspruch des Menschen. 

Gott kann nicht kategorisiert werden 

Denn er antwortet mit der wunderbaren Aussage „Ich bin der ‚Ich bin da‘“. Das bedeutet zunächst einmal, dass dieser Gott nicht einfach so einen kontrollierbaren Namen hat, sondern ein Mehr ist. Gott kann nicht kategorisiert werden, wir können Ihn nicht in eine Schublade unseres Denkens einsortieren, wie wir das bei anderen Menschen gewohnt sind. Gott ist eben kein Wesen wie jedes andere, sondern er ist der Unfassbare.  

Gefragt nach seinem Namen gibt Gott Antwort. Dabei meint biblisch „Name“ auch das, was wir heute „Wesen“ nennen würden. Gott gibt dem Mose eine Antwort darauf, wie er, Gott, zu begreifen sei. Doch dieser Name entpuppt sich als Nicht-Name. „Ich-bin-da“ ist nur ein Versuch, ein im Hebräischen, der Sprache der Bibel rätselhaftes Wort, ins Deutsche zu heben. Der Name Gottes ist nur dies: seine Gegenwart. Genauer, das macht der ganze Kontext deutlich: Gegenwart für sein Volk. 

Die Barmherzigkeit Gottes ist unermesslich  

Damit wird Mose zu seinem Volk gesandt. Er soll das Volk aus der Sklaverei in Ägypten herausführen. Die Bibel erzählt in den folgenden dramatischen Kapiteln von diesem Gründungsereignis des Volkes Israel. Der Weg hinaus in die Wüste ist nicht verständlich ohne diesen Glauben, dass Gott anwesend-abwesend ist, immer gegenwärtig und ansprechbar, immer sich verhüllend und alle Begreifbarkeit übersteigend. 

Das ist unser Glaube bis heute. Um das eigene Leben zu wagen, auch dort wo es keinen Vorteil verspricht, dort braucht es Glauben, dass wir auf einem solchen Weg nicht allein sind. Mehr haben wir nicht zu bieten. Es gibt Leute, die versprechen dem, der glaubt, Wohlstand oder Erfolg oder Durchsetzungskraft. Das sind zumeist sehr irdische Götter. Der Gott, der sich des Menschen erbarmt und in seiner Barmherzigkeit mit seinem Volk zieht, ist ein anderer Gott, so nah und doch so fern, erfahrbar nur dem, der sich hinaus wagt mit Zittern und Zagen.  

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