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„Herr, nimm auch uns zum Tabor mit“ - Impuls zum 2. Fastensonntag

Tabor – der Berg der Verklärung Jesu

Der Berg Tabor ist ein eigentümlicher Berg. Er erhebt sich am Rande der Jesreel-Ebene. Pilgerinnen und Pilger des Heiligen Landes können von weit her diesen Berg sehen, der für uns Christinnen und Christen als Berg der Verklärung Jesu gilt. Das Evangelium vom 2. Fastensonntag erzählt, dass Jesus mit den Jünger Petrus, Jakobus und Johannes auf diesen Berg geht. Dort wurde Jesus „verwandelt“, seine Kleider wurden strahlend weiß, Elija und Mose erschienen und eine Stimme aus der Wolke sagte zu den Jüngern: „Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“

Tabor wird besungen

In unserem Gotteslob (Nummer 363) ist das Lied abgedruckt: „Herr, nimm auch uns zum Tabor mit“. Peter Gerloff hat im Jahr 2001 den Text geschrieben, da er den Eindruck hatte, dass es zum Fest der Verklärung Jesu und zum 2. Fastensonntag eine Lücke im deutschsprachigen Liedgut gab. Gerloff schrieb ein Gebet, das Jesus Christus anspricht. Der Beter erlebt das Evangelium der Verklärung auf existentielle Weise. Es sind drei Strophen, auf die jeweils ein Kehrvers folgt: „Du wirst auch uns verklären, Herr der Herren“. Diese wenigen Worte beschreiben die eschatologische Hoffnung: Wir sind berufen, die ewige Verklärung zu empfangen.
Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Textes hat Richard Mailänder zu diesem Text eine Melodie komponiert, die die Aussagen des Textes musikalisch interpretiert. 

Zum Berg Tabor aufsteigen

Die erste Strophe bezieht sich auf den Aufstieg: „Herr, nimm auch uns zum Tabor mit, um uns dein Licht zu zeigen. Lass unsre Hoffnung Schritt um Schritt mit dir zu Gott aufsteigen.“ 
Der Wunsch, wie die Jünger Jesus zu sehen, liegt nahe. Aber Christus bitten, uns mitzunehmen, ist anspruchsvoll. Denn wenn wir mit ihm gehen wollen, erklären wir uns bereit, in die Nähe Gottes zu treten und in seiner Nähe betend zu verweilen.

Auf dem Berg Tabor verweilen

Die zweite Strophe nimmt auf die Verklärung Jesu Bezug: „Lass leuchten deine Herrlichkeit, von der die Seher künden! Mach uns für Gottes Reich bereit, wo alle Mühen münden.“ Wenn wir betend mit Jesus auf dem Berg Tabor verweilen, mögen wir uns an das Wort aus der Wolke erinnern: Jesus ist der „geliebte Sohn“. 
Als Getaufte haben wir am Leben Jesu Anteil. Auch uns gilt die Zusage: Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn. Der Hinweis auf das Reich Gottes, „wo alle Mühen münden“, erinnert an die Verheißung aus dem Buch der Offenbarung: „Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“ (Offb 21,4).

Vom Berg Tabor hinabsteigen

Die dritte Strophe beschreibt das Hinuntergehen: „Dann geh mit uns vom Berg hinab ins Tal der Alltagssorgen und sei uns Weg und Wanderstab durchs Kreuz zum Ostermorgen.“ Das Markus-Evangelium erzählt, dass Jesus und die drei Jünger vom Berg hinabsteigen. Angekommen in den Niederungen des Alltags werden sie mit dem Leid der Menschen konfrontiert: Ein Vater bittet um die Heilung seines Sohnes. Jesus nimmt sich des Jungen an und schenkt ihm Heilung. 
Mit Jesus gehen wir vom Berg hinunter in die Alltagssorgen. Wenn ich selber Not und Leid erlebe, darf ich mich von Jesus angenommen wissen. Er sieht meine Not und schenkt eine Perspektive. Wenn ich mit Jesus den Berg hinuntergehe, werde ich feinfühlig für das Leid anderer Menschen, das ich mit der Perspektive Jesu wahrnehmen kann. Ein Kurzbesuch an der Haustür, ein Telefonat, ein freundlicher Brief, ein gutes Wort – Menschen können auch kleine Gesten als hilfreich erfahren. Ich kann dazu beitragen, dass Menschen Hoffnung schöpfen können.

Literaturhinweis: Ansgar Franz, Hermann Kurzke, Christiane Schäfer (Hg.): Die Lieder des Gotteslob. Geschichte – Liturgie – Kultur, Stuttgart 2017, 494 ff.
Cfr. Martin Schomaker
 

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