Aktuelles aus unserem Orden

Herkunft und Beitrag für den Frieden im Heiligen Land - Ordenstag der Provinz Rhein-Main

(c) Csr. Christina Edelmann, oessh.net

Nach Corona-bedingter Zwangspause im Vorjahr, fand am 30./31. Oktober 2021 endlich wieder ein Ordenstag der Provinz Rhein-Main des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit Übernachtung statt. Das in den vergangenen Jahren stilvoll renovierte und wunderbar inmitten herbstlich gefärbter Wälder und Weinbergen gelegene Kloster Neustadt/Weinstraße, das auf eine 2G-Corona-Prophylaxe setzte, bot dafür den besten Rahmen.  

Bericht und Ausblick der Präsidentin Schulze Dieckhoff 

Die Kapitelsitzung war der traditionelle Auftakt des Provinztages. Im Anschluss an die geistliche Einstimmung konnten alle Teilnehmer ein umfassendes und aktuelles Bild von der Entwicklung in den letzten Monaten und den anstehenden Projekten der Provinz gewinnen. So unterstrich auch die Präsidentin, Csr. Ricarda Schulze Dieckhoff, bei ihrer Begrüßung, wie ungewöhnlich die Zeiten sind: „Wenngleich ich nun schon fast zwei Jahre im Präsidentenamt bin, gibt es immer noch Premieren: Zum ersten Mal können wir auf Provinzebene wieder zwei Tage miteinander verbringen und komtureiübergreifend ins Gespräch kommen, und es ist auch meine erste Kapitelsitzung der Provinz“. Hiernach rief sie einige wesentliche Personalien, die die Arbeit der Provinz in den vergangenen Monaten geprägt hatten, in Erinnerung. So feierte die Provinz am 19. Juni 2021 in Hattersheim die Amtseinführung von Cfr. Dr. Georg Müller als neuem Provinzprior bei herrlichem Sommerwetter mit Gottesdienst und Empfang im Freien in Anwesenheit von Statthalter und Kanzler. Und am 18. September hatte Csr. Edelgard Ceppa-Sitte nach acht Jahren ihr Amt als Leitende Komturdame der Komturei Hrabanus Maurus Fulda an Cfr. Hans-Jürgen Dröge übergeben. In einer Vorabendmesse in der St. Bonifatiuskirche zu Horas in Fulda, zelebriert vom Provinzprior, konnte dieser Amtswechsel feierlich begangen werden. Außerdem wies Präsidentin Schulze Dieckhoff darauf hin, dass am 12. November die Amtseinführung von Cfr. Dr. Joachim Reger als Prior der Komturei Regina Coeli Speyer-Kaiserslautern gefeiert und am 17. November die Wiederernennung der Leitenden Komturdame der Komturei St. Hildegard Mainz Wiesbaden, Csr. Simone Weinmann-Mang, erfolgen werde. Mit der Aufforderung „Beten, Pilgern, Spenden“, kündigte sie zudem an, dass die Ordensmitglieder im Advent über ihre Komtureileitungen wieder ein Adventsschreiben erhalten würden. So werde sie – zeitgleich mit dem Spendenaufruf des Statthalters und der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission – gemeinsam mit dem Provinzprior um ein Opfer für die Sorge der Christen im Heiligen Land bitten. Präsidentin Schulze Dieckhoff beendete ihren Bericht mit einem Ausblick auf die kommenden Provinztermine und rief den bereits gesondert angekündigten Einkehrtag in St. Georgen Frankfurt am 12. März 2022 und den Provinztag am 29./30. Oktober 2022 im Kloster Hünfeld nochmals in Erinnerung.  

Lebendige Komtureien und lebendige Provinz – Ritterorden trotzt Corona 

An den Bericht der Präsidentin schloss sich die Kurzvorstellung der neuen Ordensmitglieder an, die bei den beiden Herbstinvestituren 2020 in Fulda, der Frühjahrsinvestitur 2021 in Speyer und der Herbstinvestitur 2021 in Augsburg in die Gemeinschaft des Ritterordens aufgenommen wurden. Schon die Tatsache, dass all diese Investituren Corona-bedingt Einladungsinvestituren waren, belegte, welche besonderen Herausforderungen die betroffenen Komtureien in Abstimmung mit der Statthalterei zu bewältigen hatten. Doch die Freude über die neu gewonnenen Mitglieder, deren Energie, Humor und Einsatzfreude bei der Kurzvorstellung übersprang, ließ die vielen Mühen der letzten Monate schnell vergessen. Hiernach schloss sich der Bericht der Schatzmeisterin der Provinz, Csr. Armgard Dahmen, an. Die nachfolgenden Berichte aus den Komtureien lieferten ebenfalls ein vielfältiges Zeugnis für das Ordensleben in den örtlichen Gemeinschaften. Insbesondere die vielen, auf Komturei- und Provinzebene oft kurzfristig entwickelten Alternativprogramme, mit denen Corona „getrotzt“ werden konnte, waren beredte Zeugnisse für die kreative Lebendigkeit der Ordensprovinz Rhein-Main. 

Anschließend skizzierte Csr. Christina Edelmann den Stand der von der Provinz geplanten gemeinsamen Wallfahrt in das Heilige Land. Um möglichst auch vielen Familien die Teilnahme an dieser gemeinsamen Wallfahrt zu ermöglichen, korrespondiert der Reisetermin – 20. bis 29. Oktober 2023 – mit den Schulferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.  

Ordensgeschichte und Ordensgeschichten – Rückblick und Ausblick zum Erbe und Auftrag der Gemeinschaft des Ritterordens  

Erfrischt durch eine kurze Kaffeepause, lauschten die Teilnehmer des Provinztags hiernach dem Vortrag von Csr. Ricarda Schulze Dieckhoff zur Herkunft des Ritterordens, der Gründung der Statthalterei in Deutschland und zu aktuellen Kennzahlen des Ordens. Sie erinnerte daran, dass die Anfänge des Ordens im 14. Jahrhundert gefunden werden könnten, als die Kreuzfahrerstaaten bereits zusammengebrochen oder aufgehoben waren und eine wachsende Pilgerbewegung ins Heilige Land ihren Anfang nahm. So war das Heilige Grab das Ziel der zahlreichen Pilger, die in Jerusalem dem Gekreuzigten und Auferstandenen nahe sein wollten. Die europäischen Folgen der Französischen Revolution und die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation hätten – so Schulze Dieckhoff – der sich nach und nach entwickelnden Gemeinschaft nicht geschadet. Die Ritter vom Heiligen Grab hätten vielmehr den Übergang in die Moderne unbeschadet geschafft. Wesentliche Gründe hierfür seien die vereinzelte Lebensform jenseits von Bruderschaften und Klöstern und der fehlende Ordensbesitz. So konnten sie für das Ideal eines neuen geistlichen Rittertums eintreten, das dem Pilgergedanken sowie der Pflege des Heiligen Grabes zu Jerusalem verpflichtet war. Im Rahmen ihres historischen Rückblicks betonte Csr. Schulze Dieckhoff, dass maßgeblicher Wendepunkt für die weitere Verfasstheit der Gemeinschaft der Grabesritter dann das Jahr 1868 war: Es wurde das offizielle Gründungsjahr des Ritterordens vom Heiligen Grab. Papst Pius IX verlieh dieser bis dato nur locker organisierten Gemeinschaft den Status eines direkt dem Papst unterstellten Ordens, und der Patriarch von Jerusalem wurde sein Oberhaupt. Diese Neuorganisation der Ordensgemeinschaft zeigte sich u. a. durch die Einführung der drei Ränge, die Definition von Aufnahmevoraussetzungen, die Benennung von Pflichten der Ritter und die Neubestimmung der Insignien. Ihren historischen Rückblick beendete sie mit den Worten: „Als Mitglieder im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist unser Blick immer auf das Heilige Land gerichtet, verbunden mit unserer Sorge für die dort lebenden Christen.“  

Präsident Gertler sensibilisiert zur Lage der Christen im Heiligen Land im Jahr 2021 

Im Anschluss an diese intensive historische und zeitgeschichtliche Tour d'Horizon kam das Kapitel zum Vortrag von Cfr. Karl Gertler, dem Präsidenten der Provinz Ostdeutschland, zusammen. Er berichtete unter dem Titel „Der Beitrag des Ritterordens für den Frieden im Heiligen Land“.  Neben einer Schilderung des umfangreichen Engagements des Ritterordens für das Lateinische Patriachat von Jerusalem ging Cfr. Gertler auch auf die aktuellen Herausforderungen im Heiligen Land ein: Unter Hinweis auf aktuelle Quellen erläuterte er, wie die Lebenssituation der Christen dort zunehmend zwischen Muslime und Juden gerate, deren Exodus durch deutlich unterschiedliche Rechte und Pflichten befördert werde. Er hielt vor Augen, dass es zudem keine einheitliche Einstellung von Christen und Muslimen zu den Israelis bzw. Juden mehr gebe. So beantragten auch in Jerusalem mehr und mehr Christen arabischer Abkunft den israelischen Pass. Perspektivisch gab Cfr. Gertler zu bedenken, ob die Vielschichtigkeit der Konflikte nicht Anlass für unseren Orden sein müsste, durch gezielte Zuwendungen, beispielsweise für Hebräisch-Unterricht in den lateinischen Schulen oder für eine systematische Friedenserziehung im Religionsunterricht dazu beizutragen, dass die christlichen Jugendlichen ein anderes Bild von den in ihrer Umgebung lebenden israelischen, jüdischen Mitmenschen bekämen. 

Andacht, an die man lange denkt: Cfr. Dr. Joachim Reger zeigt befreiende Paradoxien des Christseins auf 

Dieser intensive Tag, der vom gemeinsamen Blick auf die aktuelle und geschichtliche Entwicklung des Ordens und die aktuelle Situation und Herausforderungen im Heiligen Land geprägt war, fand seinen inhaltlichen Abschluss in der Feier einer Abendandacht. Dieser Andacht stand Cfr. Dr. Joachim Reger vor, der Prior der Komturei Regina Coeli Speyer/Kaiserslautern. Ihm gelang es in seiner Predigt, allen Teilnehmern, die vor Eintritt in die Klosterkirche des Klosters Neustadt noch mit dem Einordnen und „geistlichen Verarbeiten“ der vielen Impulse beschäftigt waren, wieder das Spezifische der christlichen Botschaft, die Basis der Gemeinschaft des Ritterordens ist, vor Augen zu führen. Ausgangspunkt war der Text der Lesung, in der geschildert wurde, wie die Jünger nicht um den besten Weg der Nachfolge Christi, sondern um ihren Rang und ihre Wichtigkeit in der Jesus-Bewegung stritten. Cfr. Dr. Reger rief in Erinnerung, dass es ein Alleinstellungsmerkmal und maßgebliches Charakteristikum der Nachfolge Christi sei, die klassischen weltlichen (Wert-)Maßstäbe in Frage stellen zu können: Nur wer sich klein mache, könne dem menschgewordenen Gott nachfolgen. Nicht Stärke, Kraft oder Resilienz seien maßgeblich. Echtes Christsein komme daher nicht ohne eine – mit Blick auf die Welt – spannungsgeladene Paradoxie aus: Gerade aus der Kleinheit und Schutzlosigkeit der Krippe und der vollumfänglichen Selbsthingabe Jesu am Kreuz erwachse das Große. Dieses Geheimnis des Christus-Glaubens nochmal so packend und prägnant aufgezeigt zu bekommen, empfanden alle im Gebet versammelten Teilnehmer des Provinztags als enorm stärkend. Und so griff auch beim „Pfälzer Abend“ in den Kellern des Kloster Neustadts noch so manches Gespräch diese „christliche Paradoxie“ auf.  

Der zweite Tag des Provinztages begann mit einer geistlichen Einstimmung durch Cfr. Dr. Georg Müller, der – ausgehend vom Tagesevangelium – das spannungserfüllte Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe als Fix- und Orientierungspunkt eines gelingenden christlichen Lebens entfaltete. Cfr. Dr. Georg Müller verwies darauf, wie sehr diese Worte Jesu ganz im Sinne des jüdischen Gesetzes stünden und auch uns daher für die besondere Heilsgeschichte Gottes mit dem alten Bund sensibilisieren sollten.   

„Duc in altum“ – von den geistlichen, menschlichen und politischen Weiten des Heiligen Landes 

Nach dieser geistlichen Einstimmung kamen die Teilnehmer des Provinztages zum Vortrag von Cfr. Hermann Hülsmann, dem Prior der Komturei Osnabrück/Vechta, zusammen. Unter dem Titel „Duc in altum“ nahm er – illustriert mit großartigen Bildern aus dem Heiligen Land – die Mitglieder des Kapitels mit auf eine inspirierende Reise nach Jerusalem. Allen anwesenden Ordensmitgliedern war schon zuvor – oft auch aus eigener Anschauung – bewusst, welche besondere humanitäre und interreligiöse Bedeutung das „French Hospital“ hat, das in Jerusalem direkt vor den Mauern der Jerusalemer Altstadt, gegenüber dem Neuen Tor, steht. 

Cfr. Hülsmann schilderte unterhaltsam, aber sehr eindrücklich, wie arbeitsintensiv die Pflege vieler Patienten im „French Hospital“ St. Louis ist. Dies sei nur dank der Hilfe von vielen, aus allen Teilen der Erde anreisenden Freiwilligen möglich; nur dann könne dem Einzelnen sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als es den festangestellten Krankenschwestern und Krankenpflegern allein möglich wäre, so Hülsmann. 

Nach der sich anschließenden Feier der Heiligen Messe und dem gemeinsamen Mittagessen traten die gut 50 Teilnehmer die Rückreise an. Alle waren dankbar für die inspirierenden Gespräche und die weiterbringenden Impulse. Alle waren sich einig: Wie gut, dass wir im Kloster Neustadt zusammengekommen sind. Wie gut, dass wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht haben.  

Cfr. Dr. Christopher Wolf, Leitender Komtur Regina Coeli, Speyer  

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