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Guiseppe Verdi und das Evangelium der Osternacht

Guiseppe Verdi komponiert Nabucco

Es war vor 180 Jahren: Am 9. März 1842 wurde in der Mailänder Scala die Oper „Nabucco“ uraufgeführt. Der Komponist Guiseppe Verdi (1813–1901) wurde zum Star. Dabei hatte er Jahre zuvor für sich beschlossen: „Ich schreibe nie mehr eine Note.“

Guiseppe Verdi und seine ersten Erfolge

Die musikalische Begabung von Guiseppe Verdi zeigte sich sehr früh. Der Organist seines Geburtsortes übernimmt die musikalische Grundausbildung, ein reicher Kaufmann finanziert die Schulausbildung. Als Verdi 26 Jahre alt ist, wird seine erste Oper uraufgeführt. Diese Oper war ein Riesenerfolg, so dass weitere Aufträge folgten.

Die persönliche Tragödie des Guiseppe Verdi

Dann vollzieht sich aber eine furchtbare Tragödie: Seine beiden Kinder und seine Frau sterben. Hinzu kam noch, dass das Publikum an seinen neuen Werken keinen Gefallen hatte. Das Leben des 27 Jahre alten Verdi liegt in Trümmern. Er beschließt für sich: „Ich schreibe nie mehr eine Note.“

Die Wende im Leben des Guiseppe Verdi

Es kam aber anders. Der Direktor der Mailänder Scala drängt Verdi eine weitere Oper zu komponieren. Das Libretto war schon fertig. Der entsprechende Dichter orientierte sich am Buch Daniel aus dem Alten Testament. Die Titelfigur ist der babylonische König Nebukadnezar, der den Tempel in Jerusalem zerstörte und das Volk Gottes in die Gefangenschaft führte. Er selbst verstand sich als Gott. Am Ende aber bekannte er sich doch zu Jahwe.

Nabucco – die Oper die alles zum Guten hin veränderte

Verdi wollte keine Oper mehr schreiben. Er warf das Textbuch mit dem Libretto achtlos auf den Tisch. Dabei fiel das Buch so, dass es geöffnet war. Und auf der Seite, die nun oben lag, las Verdi: „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“. Diese kurze Aufforderung ließ ihn aufmerken. Schließlich liest er den gesamten Text und komponiert die Oper Nabucco. Mit der Zeile, die er eher zufällig gelesen hatte „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“ beginnt der berühmte „Gefangenenchor“: Darin besingen die verschleppten Gläubigen ihre ferne Heimat und bitten Gott um Hilfe.

Das Publikum war bei der Uraufführung hingerissen. Verdi entschließt sich, nun doch wieder zu komponieren. Er wurde 87 Jahre alt – er hat in den 60 Jahre nach seinem Satz „Ich schreibe keine Note mehr“ eine große Fülle von Werken geschrieben.

Was verbindet Guiseppe Verdi mit dem Evangelium der Osternacht?

Diese kurzen biographischen Bemerkungen über Verdi sind wie eine Interpretation des Evangeliums der Osternacht:

Jesus stirbt am Kreuz

Am Karfreitag wurde es Nacht um die Jünger Jesu. Trostlosigkeit und Verzweiflung hatte sie gepackt. Kann es denn sein, dass Gott, den Jesus als den lieben, barmherzigen und treuen Vater verkündet hatte, ihn im Stich gelassen hat? Hatte nicht schon der Prophet Jesaja verheißen: Gott werde den Tod für immer verschlingen? Und Jesus bezeugte: Gott ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten. Und dann geschah das für sie Unvorstellbare: Jesus starb am Kreuz.

Die Auferstehung Jesu

Maria von Magdala, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, machten sich mit wohlriechenden Salben nach dem Sabbat auf den Weg zum Grab Jesu. Damit hatten sie nicht gerechnet: Der große Stein war weggewälzt, Männer in leuchtenden Gewändern sprachen mit ihnen und verkündeten ihnen die Auferstehung Jesu. Mit dieser Botschaft gingen sie zu den elf Aposteln und erzählten, was sie erlebt hatten. Die Apostel konnten das Erzählte nicht glauben und hielten es für Geschwätz.

Hoffnung keimt auf und Zuversicht macht sich breit

Petrus aber ließ sich in Bewegung bringen – heraus aus der Trostlosigkeit. Er ging zum Grab, schaute genau und war „voll Verwunderung über das, was geschehen war“.

Hoffnung begann in ihm aufzukeimen, die Zuversicht wuchs, die Dunkelheit in seinem Herzen begann zu weichen – davon erzählen die Evangelisten.

Ein Schicksalsschlag braucht Zeit

Ein Schicksalsschlag, die Konfrontation mit dem Tod können Menschen aus der Bahn werfen – wie den Apostel Petrus im Evangelium oder Guiseppe Verdi vor 180 Jahren. Wir Menschen brauchen dann Zeit – und auch andere Menschen.

Petrus traf die drei Frauen, die ihm bezeugten, was sie im Grab Jesu erlebt hatten. Verdi traf den Direktor der Mailänder Scala, der zu ihm hielt und ihn ermutigte weiterzumachen.

Menschen brauchen Hoffnung

Wir Menschen brauchen offensichtlich unseren persönlichen Zugang zur österlichen Hoffnung. Eine Begegnung, ein gutes Wort oder eine unverhoffte Aufforderung wie „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“ können weiterhelfen.

Petrus der Botschafter des Osterglaubens

Wie großartig, wenn Menschen dann wieder ins Leben finden: Wie Petrus, der selber zum Botschafter des Osterglaubens wurde, oder wie Verdi, der faszinierende Musik schrieb und auf diese Weise den Glauben bezeugte.

Die Botschaft an unseren Orden

Als Damen und Ritter im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem leben wir in einer Hoffnungsgemeinschaft. Schicksalsschläge, Trostlosigkeit und Verzweiflung bleiben wohl niemandem von uns erspart. Es ist gut, wenn wir im lebendigen Austausch miteinander stehen, wenn wir von der Hoffnung Zeugnis geben, die uns erfüllt, wenn wir bei Schicksalsschlägen einander beistehen, wenn uns das Engagement für die Menschen im Heiligen Land mit dem Ort verbindet, an dem die Männer in leuchtenden Gewändern zu den suchenden Fragen gesagt haben: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“

Gesegnete Ostern!

Confrater Domkapitular Dr. Martin Schomaker, Osnabrück

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