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Geistliches Wort zu Pfingsten 2022

In seinem geistlichen Wort zu Pfingsten erläutert S.E. Cfr. Weihbischof Wilfried Bernhard Theising, Komturei St. Wiho Osnabrück / Vechta am Beispiel der Frucht des Kirschbaumes, dass die Kirsche die Voraussetzung für einen neuen Kirschbaum ist. Charakter und Lebensstil prägen uns und mit dem Heiligen Geist hat Gott einen Samen in unser Leben gelegt, die Sehnsucht danach, ein Leben zu führen, dass gute Früchte trägt, denn wir sollen Segen sein für unseren Nächsten.

Die Frucht des Kirschbaumes

Auf die Frage: Was ist die Frucht eines Kirschbaumes?, antworten wir unweigerlich: Eine Kirsche. Das ist richtig. Aber auch nicht ganz. Die Kirsche trägt die Samen des Baumes und aus diesem entsteht dann die eigentliche Frucht: ein neuer Kirschbaum. Übertragen bedeutet dies: Nicht, was ich hervorbringe, wie ich aussehe oder was ich erreiche, ist die eigentliche Frucht meines Lebens. Fruchtbar ist ein Leben, welches nicht bei sich selbst stehen bleibt, sondern ausstrahlt auf andere Menschen. Fruchtbar ist ein Leben, das Vorbild ist, Auswirkungen hat und andere Menschen bewegt. Die Frucht bin ich also nie selbst, sie zeigt sich an den Mitmenschen.

Lebensstil und Frucht bedingen einander

Und doch: ohne Kirschen kein neuer Kirschbaum. Ohne einen glaubwürdigen, in Wort und Tat übereinstimmenden Charakter wird mein Leben kaum positive Auswirkungen auf andere haben. Lebensstil und Frucht bedingen einander. Wie ein solcher Charakter aussehen kann, der dann auf andere Menschen ausstrahlt und Früchte trägt, hat der Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater formuliert: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“ (Gal 5,22f).

Wer kann seinen Lebensstil so beschreiben? Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit – einen solchen Charakter hätte ich gern. Mich beeindrucken Menschen, die diese Werte authentisch leben und die entsprechende Ausstrahlung haben. Menschen, die freundlich sind, weil sie den anderen so akzeptieren, wie er ist, und nicht, weil sie hinterrücks Absichten haben. Menschen, die sanftmütig sind, weil sie um die eigenen Fehler wissen, und nicht, weil sie keinen Schneid haben, auch mal nein zu sagen. Halt Menschen mit Profil und Rückgrat.

Der Charakter prägt uns

Was bildet einen solchen Charakter, wie wird man ein solcher Mensch? Dazu eine kleine Geschichte: Eine alte Indianerin saß mit ihrer Enkelin am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden, das Feuer knackte, die Flammen züngelten zum Himmel. Die Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: „Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere ist liebevoll, sanft und mitfühlend.“ „Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“, fragte das Mädchen. Bedächtig antwortete die Alte: „Der, den ich füttere.“

Der Charakter kann aktiv mitgeprägt werden

Meinen Charakter kann ich also aktiv mitprägen und ausbilden, indem ich z. B. wähle, welche Bücher ich lese, welche Filme ich sehe, welchen Umgang ich pflege. Ich kann meine freien Zeiten gestalten, kann genussvoll leben und Zeiten des Verzichts üben. Und ich kann mich prägen lassen, indem ich die Nähe von Menschen suche, die eine überzeugende Persönlichkeit sind. Früchte kann man nicht selber hervorbringen. Aber es lassen sich eben gute Bedingungen schaffen.

Die Frucht des Geistes

Paulus nennt in seinem Brief an die Galater noch eine weitere Instanz, die uns prägt. Er spricht von Früchten des „Geistes“. Gemeint ist der Heilige Geist Gottes, den wir jetzt an Pfingsten in besonderer Weise feiern.

Jesus unser Vorbild

Was bedeutet das? Christen glauben, dass Gott immer in dieser Welt da ist. In Jesus Christus ist er Mensch geworden. Jesus hat uns ein gutes, fruchtbares und selbstloses Leben vorgelebt. Sein Leben ist ein überzeugendes Beispiel für ein Leben, das Früchte trägt. Christen glauben, dass Gott nach dem Tod Jesu und dessen Auferweckung der Welt den Heiligen Geist geschenkt hat, damit er in uns das Wirken Jesu fortsetzt. Mit dem Heiligen Geist hat Gott einen Samen in unser Leben gelegt, die Sehnsucht danach, ein Leben zu führen, dass gute Früchte trägt.

Die eigentliche Frucht ist Segen zu sein für unseren Nächsten

Eine Kirsche ist die Voraussetzung für einen neuen Kirschbaum. Und die eigentliche Frucht, die der Heilige Geist durch unseren Charakter und Lebensstil wirken will, ist Segen zu sein für unseren Nächsten. Pflegen und nähren wir also die guten Seiten und die Sehnsucht in uns, damit der Heilige Geist durch uns gute Früchte wirkt, wo es nötig und in Gottes Sinne ist. Frohe Pfingsten!

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