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Geistlicher Impuls zum Palmsonntag 2021

„Christus Jesus wurde wie ein Sklave“ (vgl. Phil 2,7).

Menschen, die Jesus begegnet sind, haben seine dienende Haltung erleben können. Jesus hat Kinder in den Mittelpunkt gestellt und sie gesegnet. Er hat kranke Menschen wahr- und angenommen. Liebevoll und barmherzig hat er Menschen angesehen, die schuldig geworden waren. Jesus hat sich als dienender Bruder – als Sklave – der Menschen erwiesen. Eindrucksvoll haben dies alle beim Einzug in die Stadt Jerusalem gespürt: Jesus saß nicht hoch zu Ross. Er ritt auf dem Lastentier der armen Leute, auf einem Esel, in die Stadt ein. Er, der auf einem Esel ritt, war mit den Fußgängerinnen und Fußgängern auf Augenhöhe. Alle, die erkannt haben: Jesus bringt das Leben, jubelten ihm zu und breiteten Büschel, die sie von Feldern abgerissen hatten, auf dem Weg aus (vgl. Mk 11,8). Die Büschel sind Zeichen des Lebens.

„Christus Jesus wurde wie ein Sklave“.

Dieses Bekenntnis bekommt im Leiden Jesu eine dramatische Dimension. Er, der völlig unschuldig war, geriet in die Mühle ungerechter Gewalt. Fassungslos und ratlos müssen die Jünger Jesu erleben, wie er, auf den sie ihre Hoffnung gesetzt hatten, „unter die Räder kommt“. Die Stimmung schaukelt sich immer mehr hoch – bis Jesus zum Tod verurteilt und hingerichtet wird. Jesu Liebe zu Gott, seinem Vater, und zu uns Menschen war so groß, dass er sich hingegeben hat. „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (vgl. Phil 2,8). Sterbend betet Jesus den Psalmvers: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (vgl. Mk 15,34). Auch in der Situation der ungerechten Verfolgung und der Verurteilung, auch in der Stunde der Verlassenheit und im Tod bleibt Jesus seiner Grundhaltung treu.

„Christus Jesus wurde wie ein Sklave (…) Gott hat ihn über alle erhöht“.

Wir hören die Leidensgeschichte Jesu „mit österlichen Ohren“. Der römische Hauptmann unter dem Kreuz spricht es stellvertretend für uns aus: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (vgl. Mk 15,39). Der „Sklavendienst“ Jesu geht über das Sterben hinaus. Er eröffnet uns die Fülle des Lebens in seiner Auferstehung. Das heißt für uns: Auch heute ist er unter uns als einer, der dient. Den Kranken schenkt er seine Nähe, den Zukurzgekommenen spricht er Würde zu, den sterbenden Menschen ist er Begleiter durch den Tod hindurch, den Trauernden ist er Trost. Der Dienst Jesu an den Menschen ist mit der Passion nicht beendet. Als Gekreuzigt-Auferstandener erweist er sich als „Sklave“, als Diener der Menschen. 

„Christus Jesus wurde wie ein Sklave“.

Der Philipper-Hymnus wird eingeleitet mit den Worten des Apostels Paulus: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“. Wenn ich Jesus nachfolge, kann ich mich nicht auf ein hohes Ross setzen. Wer auf Jesus blickt, übernimmt die Haltung des Dienens für sein Leben. 

Vor einigen Tagen haben wir in einem kleinen Kreis in unserer Gemeinde eine Kreuzweg-Andacht gehalten. Zum Abschluss erhielten jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin des Gottesdienstes ein ganz kleines Kreuz aus Olivenholz, das Christinnen und Christen im Heiligen Land hergestellt hatten. Drei Personen kamen und baten um ein weiteres Holzkreuz: „Ich besuche morgen einen Herrn, der wegen der Corona-Pandemie nicht zu unseren Gottesdiensten kommt. Ihm ist die Verbindung zur Gemeinde sehr wichtig“, und: „In diesen Tagen besuche ich – wie jede Woche – meine Mutter im Altenheim. Darf ich ihr ein Holzkreuz mitbringen?“ Und schließlich: „Meine Schwester kann aufgrund ihrer Altersbeschwerden nicht mehr zur Kirche gehen – über ein solches Kreuz würde sie sich sehr freuen.“ Das Kreuz erinnert an Christus Jesus, der wie ein Sklave wurde. Und Menschen orientieren sich an Jesus: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.“

„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2, 6 - 11)

Cfr. Dr. Martin Schomaker, Osnabrück
 

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