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Ein Blick nach Taybeh ins Westjordanland


Ein Bericht von der  Vorsitzenden der Heilig Land Kommission, Cornelia Kimberger über Taybeh und das dort befindliche Altenheim Bet Afram in Taybeh, das die Dt. Statthalterei vor kurzem unterstützt hat, damit Feuerschutz und Sicherheitseinrichtungen auf einen guten Standard ausgebaut werden konnten.

Seit 2012 schon kümmert sich die Dt. Statthalterei um die alten Menschen im Altenheim Bet Afram im Westjordanland. Taybeh ist ein christliches Dorf mit ungefähr 1.300 Einwohner (800 lateinische und 500 melkitische Christen) und liegt 30 Kilometer nördlich von Jerusalem und ca. 10 Kilometer östlich von Ramallah. Es liegt zwischen dem biblischen Samarien und Judäa. Taybeh gehört zu den ältesten Orten Palästinas  Seine Geschichte geht zurück bis in die Bronzezeit. Das Dorf, gilt als das biblische Ephraim. Dort verweilte Jesus mit seinen Jüngern bevor er nach Jerusalem ging, um die letzten Tage vor seiner Kreuzigung und Auferstehung zu verbringen. 

Bis zum Himmelfahrtstag Mariens lag die Verantwortung des Altenheims, das zum Lateinischen Patriarchat gehört und 2005 gegründet wurde, für neun Jahre bei der Kongregation „Filhos de Maria“ aus Brasilien. Schwester Daniela bedauert, dass ihr Orden diese Aufgabe nicht mehr übernehmen kann. „Unser Orden ist sehr klein. Wir haben leider nicht genügend Schwestern.“  Davor war das Altenheim unter der Obhut der Vinzentinerinnen, die auch für das Altenheim in Abu Dis verantwortlich sind. Bei vielen Besuchen dort habe ich beobachten dürfen, dass mit großer Fürsorge liebevoll die siebzehn alten Menschen von den vier Schwestern und einigen Volontären versorgt wurden. Auch in der palästinensischen Gesellschaft, die sehr familienverbunden ist, werden Altenheime immer mehr benötigt. Die jungen Menschen zieht es in größere Städte zum Arbeiten oder emigrieren wegen der politischen Situation. Die alten Menschen  bleiben zurück und bedürfen der Betreuung. 

Am 15. August 2020 übernahm nun der Schwesternorden „Verbum Incarnatum“ die Verantwortung für das Altenheim. Erzbischof Pizzaballa feierte daher am Himmelfahrtstag zusammen mit den Schwestern, dem Gemeindepriester aus Taybeh, Abouna Johnny Abu Khalil, und anderen Priestern aus dem Heiligen Land eine Heilige Messe. Bereits am 2. August kamen die neuen Schwestern, Oberin Sr. Maria Pia und Sr. Maria Alma, ins Altenheim, um sich seitdem in ihr neues Aufgabenfeld einzuarbeiten.

Abouna Johnny berichtet, dass das Leben in Taybeh in Coronazeiten ziemlich schwierig geworden ist. Er dankt Gott, dass dort bisher niemand am Virus erkrankt ist. Das Dorf wurde von der Jugend abgeriegelt, so dass niemand hineinkommen konnte. „Das war eine Art von Schutz, der uns half, dass niemand erkrankte an einem Virus, der die ganze Welt verändert“, schreibt der Priester. Das wirklich größte Problem sei wirtschaftlicher Art gewesen, so Fr. Johnny. Die Menschen aus dem Dorf und auch viele andere aus Palästina, konnten während des zweimonatigen Lockdowns nicht nach Israel zum Arbeiten und sind seitdem arbeitslos. „In den ersten zwei Monaten der Pandemie war das Leben in Palästina wie paralysiert“, schreibt er. Die Messen waren nur online. „Wir konnten nicht einmal zusammen mit den Schwestern und den Alten aus Bet Afram die Eucharistie feiern“, so der Priester. Die Kirchen sind nun wieder voll. „Meine Gemeindemitglieder sind nun, nachdem sie so lange nicht Messe feiern konnten‚ ´richtig durstig‘ nach einem Gottesdienst“. Sie tragen alle einen Mundschutz und halten sich nach den Vorgaben der Gesundheitsbehörden. Leider sind sehr viele abhängig von humanitären Hilfen. Das Lateinische Patriarchat unterstützt sie aus dem Covid-19-Fond. Familienangehörige aus dem Ausland schicken außerdem Geld, damit man das Nötigste kaufen kann. „Aber wie lange noch?“, fragt der Priester. Wenn das Virus nicht verschwindet, gibt es keine Arbeit und das Geld wird überall knapp. Das Schuljahr hat auch in Taybeh begonnen, und die Schüler tragen alle seit Schulstart Masken. „Wie sich wohl alles entwickeln wird?“, fragt er sich. Im Moment ist er froh, dass alle in die Schule gehen können und der Kindergarten auch bald geöffnet wird.

Nun besucht Abouna Johnny wieder regelmäßig seine Gemeindemitglieder in den Häusern- und nicht draußen auf der Straße- zu Gesprächen und einer Tasse Tee. Wichtig ist ihm zu erfahren, womit er ihnen helfen kann. Und er feiert wieder regelmäßig Gottesdienst im Altenheim zusammen mit den Schwestern des Ordens „Verbum Incarnatum“ und den alten Menschen.

Csr Cornelia Kimberger
Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission

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