Aktuelles aus unserem Orden

Die Kirchenbänke in der Gemeinde Al Jubeiha in Jordanien füllen sich wieder 

Die Vorsitzende der Heilig-Land–Kommission Csr. Cornelia Kimberger im Gespräch mit Abouna Butrus aus der Gemeinde St. Paul.

Abouna Butrus, wie gestaltet sich das Gemeindeleben in der neu erbauten Kirche? 

Ich freue mich, dass in den vergangenen Wochen wieder mehr Gläubige zu den Gottesdiensten gekommen sind. Das liegt zum einen daran, dass die Zahl der Corona-Infizierten und Toten nun endlich in Jordanien abnimmt. Und es hat sich herumgesprochen, dass unsere Kirche groß genug ist, um ein gutes Hygienekonzept anwenden zu können. Allerdings dürfen sich bis jetzt noch keine Jugendgruppen treffen - das erlaubt die Regierung nicht. Zur Vorbereitung auf Ostern kamen viele zum Sakrament der Beichte. 

Was haben die Gemeindemitglieder zu der neuen Kirche gesagt, in der ja bereits das Weihnachtsfest gefeiert wurde? 

Viele der Gläubigen haben mir wunderbare Nachrichten geschickt. Darin wurde ihre Freude, ja Begeisterung, und Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Besonders diejenigen, die aus Angst vor dem Virus nicht mehr zum Gottesdient gekommen sind. Sie waren beeindruckt. Sie kannten die Kirche ja nur von Bildern. Als sie zu den Osterfeierlichkeiten endlich wiederkamen, waren sie, ich würde fast sagen, erstaunt, wie schön unsere Kirche geworden ist. Sie bedankten sich bei unserem HERRN, und einige sagten zu mir: „Wir müssen für diejenigen beten, die uns geholfen haben, unseren Traum von einer eigenen Kirche zu verwirklichen.” 

Wie war das erste Osterfest in der neu gebauten Kirche, das die Lateinischen Katholiken zusammen mit den orthodoxen Glaubensgeschwistern am 2. Mai gefeiert haben? 

Die Heilige Woche war wunderschön. Am Palmsonntag feierte Bischof William Shomali mit uns dieses Hochfest. Bei der Palmsonntagsprozession, die natürlich wegen der behördlichen Auflagen ganz anders war als in den Jahren zuvor, habe ich die Kinder gebeten, zusammen mit dem Bischof, den Zelebranten und den Messdienern in die Kirche einzuziehen. Eine Prozession im Kleinen! Palmsonntag ist das Fest der Kinder! Ich wollte nicht, dass die Kinder ihre Freude an der Kirche, an ihrem Glauben verlieren. Es ist immerhin schon das zweite Jahr, dass die Heilige Woche unter Corona-Bedingungen stattfand. Es wäre für mich einfach zu traurig gewesen, wenn die Kinder diesen Festtag ohne Prozession und Freude feierten. An den Tagen der Karwoche haben sehr viele junge Menschen und Familien an den Gottesdiensten teilgenommen. Wir haben alle mit genügend Abstand zueinander in der Kirche verteilt. Eigentlich passen 770 Gläubige in unsere schöne Kirche. 

Auf den Bildern, die Sie geschickt haben, sind die Kinder am Gründonnerstag der Mittelpunkt. 

Ja, die Kinder sind mir so sehr wichtig. Ihnen habe ich am Gründonnerstag die Füße gewaschen. Dieser Ritus ist im Orient als ein Symbol der Gastfreundschaft zu verstehen. Ich möchte ihnen damit aufzeigen, dass wir für unsere Nächsten, füreinander, Diener sein sollen, so wie es uns Jesus vorgelebt hat.  

Corona bringt viel Not zu den Menschen, Abouna Butrus.  

Ja, auch bei uns in Al Jubeiha. Ich habe versucht die Familien zu besuchen, vor allem die armen Familien. Wir bekamen Unterstützung vom Lateinischen Patriarchat, um Menschen in Not unter die Arme zu greifen. Nun warten wir darauf, dass wir alle geimpft werden. Die erste Impfdosis haben bis Anfang Mai eine halbe Million Menschen (Anm.: bei ca. 9 Millionen Einwohnern) in Jordanien erhalten. 121.000 haben bereits den vollen Impfschutz. Irakische und syrische Flüchtlinge werden zum Glück auch geimpft.   

Gibt es besondere Oster-Traditionen in Jordanien? 

Normalerweise suchen die Kinder auf unserem Gemeinde-Areal bunt gefärbte Hühnereier. Dieses Jahr haben die Eltern aus Angst vor einer Corona-Ansteckung die Ostereier zu Hause versteckt. Mit viel Liebe und Geschick werden zudem Ostereier kunstvoll verziert. An Ostern werden spezielle Plätzchen gebacken, die mit Feigen und Datteln gefüllt sind. Jede Hausfrau hat ihr eigenes geheimes Rezept dafür. Nach 40 Tagen Fasten ohne Fleisch und ohne tierische Produkte schmeckt zudem „Mansaf“ einfach köstlich! Es ist das jordanische Nationalgericht: Lamm mit Reis und Joghurt. Die Familien kommen von weit her zusammen und feiern gemeinsam das Fest der Auferstehung unseres HERRN! 

Lieber Abouna Butrus, vielen Dank für die vielen Bilder, die Sie geschickt haben. Die Damen und Ritter werden ebenso staunen wie die Gläubigen aus Ihrer Gemeinde, wie schön doch St. Paul geworden ist, und sie können sehen, wie Sie zusammen mit den Gläubigen aus St. Paul die Heilige Woche und Ostern gefeiert haben. Wir freuen uns, Sie bei unserer nächsten Reise nach Jordanien zu besuchen! 

Csr. Cornelia Kimberger 

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