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Die jordanische Gemeinde Al Jubeiha im Corona-Winter

In Jordanien, das bisher viel besser in der Corona-Pandemie „davon gekommen war“, sind nun inzwischen knapp 200.000 Corona-Kranke mit fast 2.500 Toten zu verzeichnen, allerdings bei einer Einwohnerzahl von 9 Mio. Der Inzidenzwert liegt weiter über 300. An allen Feiertagen gilt seit zwei Wochen in Jordanien eine landesweite Ausgangssperre, nicht auszuschließen sind lokale, ganztägige Ausgangssperren. Im Moment darf ab 22 Uhr die Wohnung bis zum Morgen um 6 Uhr nicht verlassen werden. Die Arbeitslosigkeit mit etwas über 40 % hat sich seit dem Beginn der Corona-Pandemie verdoppelt. In Jordanien liegt die Wirtschaft, die schon vor der Pandemie schwach war, am Boden. Es gibt von Seiten der Regierung keine Sozialleistungen. Und man darf nicht vergessen: In Jordanien leben Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, darunter viele Christen.
Die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Csr. Cornelia Kimberger, ist im stetigen Kontakt mit dem jordanischen Priester der Paulusgemeinde in Al Jubeiha, Butrus Hijazeen. In seiner Gemeinde unterstützte die Deutsche Statthalterei den Bau eines dringend benötigten Gotteshauses. Viele christliche Familien ziehen an die Peripherie Ammans und finden dort in der Gemeinde eine neue Heimat.

Die folgenden Fragen stellt Csr. Kimberger:

Fr. Butrus, die zweite Welle der Corona-Pandemie hält Jordanien fest im Würgegriff. Wie geht es den Menschen in Ihrer Gemeinde?

Leider wird die Situation von Tag zu Tag immer schwieriger und leider immer trauriger. Zusammen mit einem Wohltätigkeitskomitee versuche ich mich um die armen Familien in unserer Gemeinde zu kümmern. Wir sammeln Spenden ein für das Nötigste des täglichen Lebens. Nahrung auch für die Babys, Hygieneartikel, Medikamente werden dringend benötigt. Wir können die schnelle Entwicklung der Armut und des Leids in den Familien nicht mehr bewältigen.

Feiern Sie Heilige Messen?

Natürlich feiern wir Heilige Messen. Aber es kommt niemand mehr in die Kirche, weil sie alle Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus haben.

Wie geht es den Kindern, der Jugend in Ihrer Gemeinde?

Die Kinder-und Jugendgruppen finden leider nicht mehr statt. Wir versuchen mit dem Internet Gruppentreffen zu organisieren. Das funktioniert nur zum Teil. Leider hat nicht jeder dafür die technischen Voraussetzungen. 

Gibt es noch Präsenzunterricht an den Schulen?

Die Schulen sind bis zum Jahresende geschlossen, vielleicht – so denke ich- auch weit darüber hinaus, und es findet über das Internet Homeschooling statt. Aber wie gesagt, nicht jeder hat einen Computer…. 

Stichwort Humanitäre Hilfen: Wie schätzen Sie die Lage ein?

Am Anfang der Corona-Krise gab es Hilfen, aber leider nicht genug. Im Moment bekommen wir nichts mehr. Nun hoffen wir auf weitere Unterstützung, vor allem weil immer mehr Menschen arbeitslos geworden sind und die Familien oft kein Geld mehr für das Nötigste haben. Viele Unternehmen haben die Löhne um 60 % reduziert. Viele Arbeitgeber haben Leute entlassen oder aber ihr Unternehmen schließen müssen. Zum Glück helfen Gemeindemitglieder, die noch etwas mehr Geld zur Verfügung haben, den Armen in der Gemeinde. Aber die Anzahl derer, die der Unterstützung bedürfen, wächst von Tag zu Tag. Und auch die Reicheren kommen zunehmend in Schwierigkeiten.

Wie geht es den Flüchtlingen in Ihrer Gemeinde?

Da hat sich in den vergangenen Monaten zumindest in Al Jubeiha einiges verändert. Einige der Flüchtlinge gingen zurück in ihre Heimatländer, andere zogen dorthin, wo sie besser einen Job finden können, um „schwarz“ etwas Geld zu verdienen. Andere begaben sich in die Obhut der UN. Ein paar sind bei uns geblieben, um die wir uns weiter mit kümmern. 

Wie werden Sie, lieber Abouna Butrus, zusammen mit Ihren Gemeindemitgliedern Weihnachten feiern?

Im Moment wissen wir nicht, was uns die nahe Zukunft bringen wird. Immer wieder gibt es neue Bestimmungen, die die Quarantäneauflagen und Schließungen regeln, um der Pandemie in unserem Land Herr zu werden. Jeden Tag gibt es neue Entscheidungen, die alle religiösen Einrichtungen betreffen und vorgeben, wie muslimische und christliche Feiern zu gestalten sind. So müssen wir mit unseren Planungen für die Advents-und Weihnachtszeit warten. Inshallah...

Was möchten Sie den Damen und Rittern der deutschen Statthalterei noch sagen?

Wir alle im Heiligen Land und besonders auch in Al Jubeiha sind dankbar für die Zuneigung und Unterstützung - sei es in den Gemeinden, bei den Projekten, in der Diözese, in den Schulen… Ohne die Hilfen der Ordensritter könnten wir all die vielen Herausforderungen nicht meistern. Von Herzen wünsche ich den Damen und Rittern der deutschen Statthalterei eine gesegnete Adventszeit und bleiben Sie bitte alle gesund.
 

Ein Beitrag von Csr. Cornelia Kimberger, Heilig-Land-Beauftragte der deutschen Statthalterei

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