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Die ersten Worte Jesu in den Evangelien - Impuls zum 1. Fastensonntag

Lass es nur zu!

„Lass es nur zu!“ Dies ist der erste Satz, den Jesus im Neuen Testament sagt. Die erste Schrift im NT ist das Matthäus-Evangelium. Dort steht dieser Satz innerhalb der Erzählung von der Taufe Jesu. Johannes der Täufer predigt und tauft am Jordan. Zu den vielen Menschen, die zu ihm kommen, gehört auch Jesus. Er will sich als Zeichen der Solidarität mit allen Menschen von Johannes taufen lassen. Johannes weigert sich zunächst, da er in Jesus den Gesandten Gottes erkennt. Jesus hält aber an seinem Vorhaben fest und sagt zu Johannes: „Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen“. Johannes gibt nach und tauft Jesus.

Die Zeit ist erfüllt...

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. So lauten die ersten Worte Jesu im Markus-Evangelium. Am ersten Fastensonntag werden uns diese Sätze im Evangelium der Eucharistiefeier verkündet. Nach der Taufe im Jordan und der Versuchung in der Wüste ging Jesus nach Galiläa und verkündete das Evangelium. Der Evangelist Markus setzt an den Anfang die Kernaussage von der erfüllten Zeit und der Nähe des Gottesreiches. Diese Botschaft ruft zum Handeln der Menschen: umzukehren und der Frohbotschaft zu vertrauen. Diese ersten Worte Jesu sind gleichsam sein Programm.

Warum habt ihr mich gesucht?

„Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Diese Fragen bilden im Lukas-Evangelium die ersten Worte Jesu. Maria und Josef waren mit dem zwölfjährigen Jesus zum Tempel nach Jerusalem gepilgert. Unbemerkt bleibt Jesus im Tempel, während sich seine Eltern auf den Heimweg machen. Die Eltern Jesu machen sich auf die Suche und finden ihn „nach drei Tagen“ inmitten der Gelehrten im Tempel. Jesus lebt in der Gegenwart seines himmlischen Vaters. Diese Gegenwart ist seine Beheimatung

Was sucht ihr?

„Was sucht ihr?“ Die ersten Worte im Johannes-Evangelium sind wiederum eine Frage. Johannes der Täufer weist zwei seiner Jünger auf Jesus hin: Dieser ist das Lamm Gottes. Als die beiden Jesus nachfolgen, dreht er sich um und fragt: „Was sucht ihr?“ Die Angesprochenen stellen die Frage: „Wo wohnst du?“. Jesus lädt sie ein: „Kommt und seht.“ Die Jünger als Gäste Jesu werden nicht in die jesuanische Wohnung eingeladen. Die Reise mit ihrem Meister geht mitten hinein in das Leben der Menschen, das mit Problemen, Sorgen und Herausforderungen behaftet ist. Im Lebensraum der Menschen ist Jesus Gast und Gastgeber zugleich.

Die ersten Worte Jesu in den Evangelien sind für mich ein Programm für die Vorbereitung auf das Osterfest in der österlichen Bußzeit: 
Gelassen sein – Glauben – Mit Jesus beim Vater sein – Suchen.

Gelassen sein:

„Lass es nur zu!“ Es gibt Situationen in meinem Alltag, da sage ich mir diesen schlichten Satz Jesu selber zu. Ich habe es eilig und will schnell mit dem Bus zu einem Gesprächstermin. Die Fahrt verzögert sich. Da ist eine Baustelle. Es kommt zum Stau. Auch der Bus muss für einen Moment warten, bis es weitergeht. Ich spüre meine Ungeduld. Ich habe das Gefühl, kostbare Zeit zu verlieren – wo ich es doch gerade jetzt so eilig habe. Wie gut, wenn mir dann der Satz Jesu durch den Kopf geht: „Lass es nur zu!“ Die ungeplante Verzögerung wird zu einer geschenkten Zeit: Ich kann das Buch noch länger weiterlesen. Oder ich kann in meinen Gedanken verweilen und mich auf das bevorstehende Gespräch einstellen. Es tut mir gut, in Ruhe zu beobachten, was ich hören und sehen kann. Das Warten bremst die Geschwindigkeit meines Alltags aus. Ein unerwartetes Telefonat, die Bitte: „Können Sie ´mal eben dies noch machen“, die rote Ampel… – alle diese Situationen erlebe ich dann als Chancen. Ich erkenne: Es bricht nicht alles zusammen, nur weil eine Sache anders verläuft als geplant. Ich darf zu mir selber sagen: „Lass es nur zu“.

Glauben

„Die Zeit ist erfüllt“. Mit Jesus ist der Kairos gekommen: Er ist der von Gott Gesandte, der die Frohe Botschaft von der Nähe des Gottesreiches bringt. Dieser Satz führt mich zu der Frage: Wer ist Jesus für mich? Wenn ich dieser und ähnlichen Fragen nachgehe, hilft mir der Blick auf ein Jesusbild. Gerne nehme ich unser Ordensgebetbuch zur Hand und betrachte das erste Bild in diesem Buch. Es zeigt Christus Pantokrator. Dieses Mosaikbild befindet sich in der Golgotha-Kapelle in Jerusalem. „Die Zeit ist erfüllt“: Angesichts der Erfahrung von Verwundbarkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens und der eigenen Hilflosigkeit stärkt dieses Wort Jesu mein Vertrauen. Der Gekreuzigt-Auferstandene öffnet eine Tür zum Leben und schenkt Zukunft. Im Tagesgebet des ersten Fastensonntags beten wir: „Gib uns durch die Feier der heiligen vierzig Tage die Gnade, dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten.“ Dieses Gebet empfinde ich als Ermutigung: Glauben ist ein dynamischer Prozess. Ich bin nicht fertig mit dem Verstehen Jesu und dem Vertrauen. In der österlichen Bußzeit kann mir neu aufgehen: „Die Zeit ist erfüllt“.

Mit Jesus beim Vater sein

„Warum habt ihr mich gesucht?“ Für den zwölfjährigen Jesus ist der Tempel der besondere Ort der Gegenwart seines Vaters. Aus der Nähe zum Vater heraus lebt Jesus. Daher zieht er sich immer wieder zurück und sucht im Gebet diese Verbundenheit. Er lehrt, diesen Vater im Himmel vertrauensvoll anzusprechen. Wenn ich das Vaterunser bete, stelle ich mir vor, dass ich mit Jesus und vielen anderen Gläubigen in der Nähe des Vaters bin und seine Gegenwart genießen darf. Ich vermute, dass ganz viele Menschen ihren besonderen Ort für das Gebet haben, der zur Ruhe kommen lässt, der Abstand vom Alltag ermöglicht, der hilft, ins Gebet zu kommen. Wenn Menschen dann nach mir fragen, denke ich still bei mir: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht…?“

Suchen

„Was sucht ihr?“ oder „Was ersehnt ihr?“, fragt Jesus die Menschen, die ihm folgen. Wenn ich einen Abschnitt in der Heiligen Schrift lese, frage ich mich: Was ersehne ich nun, wenn ich diesen Text lesen werde? Was erbitte ich vom Herrn? Wenn ich dann den Text bedenke, bin ich bei Jesus zu Gast. Er gewährt mir seine Gastfreundschaft. „Was sucht ihr?“, diese Frage der Jünger war die Initialzündung für den Weg mit Jesus zu den Menschen in ihrer Lebenswelt – mit allen Problemen, Sorgen und Nöten, die die Menschen haben. In unserem Ordensgebet beten wir: „Öffne unsere Augen, Ohren und Herzen für die Wunden und Nöte der Menschen unserer Tage, besonders der Christen im Heiligen Land.“ Von Jesus lassen wir uns hinführen zu Menschen in Not – ganz real oder auch im „An-andere-Menschen-Denken“. 

Die ersten Worte Jesu in den Evangelien sind mein „Programm“ für die nächsten Wochen:
Gelassen sein – Glauben – Mit Jesus beim Vater sein – Suchen.

Cfr. Martin Schomaker
 

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