Aktuelles aus unserem Orden

Die Botschaft soll hilflos und wehrlos verkündet werden

Niklaus von Flüe (c) Museum Bruder Klaus Sachseln

In seinem Impuls zum 14ten Sonntag im Jahreskreis (Lesekreis C), befasst sich der Prior der Ordensprovinz Ostdeutschland, Cfr. Msgr. Dr. Hansjörg Günther damit, dass Gott dem Menschen nahe sein will und mitten unter den Menschen leben will. Die Botschaft des Herrn soll hilflos und wehrlos verkündet werden. Zudem greift der Impuls aber auch den so unerlässlichen persönlichen Kontakt auf und dass das einfache Wort „Friede“ in Wahrheit doch nicht so einfach ist, denn es lässt viele Deutungen zu.

Die Botschaft soll hilflos und wehrlos verkündet werden

Bei einer Revolution oder einem Putsch wird immer zuerst versucht, die Radio- und Fernsehstationen zu besetzen. Wer schnell Einfluss gewinnen will, wer sich lautstark durchsetzen will, legt sich Lautsprecher zu.

Vor diesem Hintergrund wirkt es geradezu harmlos, was wir im Evangelium des heutigen Sonntags hören (Lk 10, 1–12.17–20). Die wichtigste Botschaft der Welt, dass Gott dem Menschen nahe sein will und mitten unter den Menschen leben will, soll hilflos und wehrlos verkündet werden.

Da gibt es keine groß angelegte Werbekampagne und keinen politischen Einfluss. Nein, wehrlos und ungeschützt wird gesagt: Gott liebt die Menschen und er will, dass sein Friede bei uns wohnt. Jesus war nicht der von Teilen des Volkes erhoffte Revolutionär, der die bestehenden Verhältnisse mit Gewalt verändern würde.

Gewalt vs. Gewaltlosigkeit

Heute stehen wir angesichts des Kriegs gegen die Ukraine vor der wichtigen friedensethischen Entscheidung: Folgen wir der Position einer radikalen Gewaltlosigkeit oder ist die Anwendung von Gewalt unter bestimmten Bedingungen legitim?

Die großen Kirchen betonen, dass im Verteidigungsfall die Lieferung und der Einsatz von Waffen zu rechtfertigen sind. Gleichzeitig ist die Kirche in ihrer Lehre und in ihrem Handeln der Gewaltlosigkeit Jesu verpflichtet. Beide Positionen sind richtig, letztere verhindert, in eine unsägliche Spirale der Gewalt zu geraten, und hilft, alles für deren Beendigung zu tun.

Der Weg der Einfachheit und Wehrlosigkeit

Was aber ist der tiefere Grund für diese Einfachheit, diese Wehrlosigkeit, die Jesus von seinen Jüngern verlangt?

Jesus hat von Anfang an in seinem Leben auf machtvolle Demonstrationen verzichtet. Sein Weg von der Krippe bis zum Kreuz war ein Weg der Einfachheit und Wehrlosigkeit im Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater. So wollte der liebende Gott den Menschen begegnen. So wollte Gott die Freiheit des Menschen achten und so will er es immer noch. Niemand soll sich überfahren, bevormundet oder bedroht fühlen. Gott will Menschen gewinnen, die innerlich zustimmen und nicht überredet werden.

Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen

Aber Menschen gewinnt man auch heute nicht mit Medienkampagnen, sondern im persönlichen Kontakt, im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Man könnte sagen, dass diese gute Botschaft von Gott personenintensiv ist. Da kann es nicht genug Arbeiter geben, die sich aus Überzeugung auf den Weg schicken lassen. Das Problem der Arbeitslosigkeit scheint es hier nicht zu geben. Es muss sogar ständig um Mitarbeiter für die Erntearbeit Gottes gebetet werden – kein Wunder, wenn man die Arbeitsbedingungen hört, die so gar nichts an weltlicher Sicherheit beinhalten. Wer möchte schon ohne finanzielle Mittel zu völlig fremden Leuten kommen und auf deren Hilfe angewiesen sein. Aber Jesus schickt seine Jünger auf den Weg mit dem Hinweis, dass er auch dorthin kommen wird, wo sie mit den Leuten Kontakt aufgenommen haben. Und er erweckt nicht den Eindruck, dass seine Jünger in ihrer Bedürftigkeit anderen zur Last werden könnten. Minderwertigkeitskomplexe sind nicht angebracht. Die Jünger sollen den Menschen das bringen, was jedem Haus gut tut. Das ist zuerst der Friede. Und dieser Friedenswunsch ist nicht nur so eine daher gesagte Grußformel.

Friede – ein großes Wort voller unterschiedlicher Deutungen

Wo im Namen Jesu der Friede gewünscht wird, da kommt er auch wirklich zu den Menschen. Mit dem hebräischen Wort Shalom, das in der Heiligen Schrift für Frieden Verwendung findet, ist nicht bloß „kein Krieg“ gemeint, sondern im umfassenden Sinn das Heilsein und das Ganzsein eines Einzelnen oder einer Gemeinschaft. Es geht in der Heiligen Schrift etwa bei Jeremia um eine gute Freundschaftsbeziehung und die Gesundheit (Jer 20,10; Ps 38,4), um das Wohlergehen einer Stadt (Jer 38,4), um die intakte Solidarität einer Gesellschaft (Jer 6,14). Shalom umschließt den gesellschaftlichen Bereich, z.B. soziale Gerechtigkeit, aber auch die Natur im Sinne des Gedeihens und der Fruchtbarkeit (vgl. Ps 72,3 ff). Dieser Friede kann durch Unrecht, Streit und Bosheit gefährdet werden (vgl. Jes 59,8; Jer 9,2 ff), er kann aber auch durch das Schlichten von Streit und das Tun des Guten (Ps 34,15) wiederhergestellt werden. Der biblische Mensch ist fest davon überzeugt, dass Friede nicht machbar ist, auch wenn der Mensch ihm stets „nachjagen“ muss. (Vgl. Mt 5,9) Darum hat der Friede – seine Stiftung und Bewahrung – ganz eng mit Gott zu tun. Er trägt sogar den Namen „Gott des Friedens“ (Röm 15,33). Man kann sich nur im Blick auf Förderung des Friedens und Friedensbereitschaft auf Gott beziehen. Niemals darf man sich auf ihn berufen bei Anwendung von Gewalt.

Die Verheißung des Friedens

„Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt!“ heißt es in der ersten Lesung des heutigen Sonntags (Jes 66, 10–14c). Der Prophet Jesaja spricht von der Verheißung des Friedens in dem schönen Bild vom Strom, der zu allen Menschen kommt. Er richtet keinen Schaden an, sondern macht die Felder fruchtbar und lässt die Menschen aufblühen. So soll auch die Botschaft wirken, die die Jünger verkünden. Sie beginnen mit dem Gruß des Friedens und bringen die Menschen mit Gott in Kontakt, so dass sie Frieden untereinander und Frieden mit Gott erleben.

Cfr. Msgr. Dr. Hansjörg Günther

Cookie-Einstellungen

Wir verwenden auf www.oessh.net Cookies (z. B. Tracking- und Analytische Cookies), mit denen eine Analyse und Messung von Nutzerdaten möglich ist. Weitere Informationen finden Sie hier: