Aktuelles aus unserem Orden

Deutsche Grabesritter und der Deutsche Verein vom Heiligen Land (DVHL) - Grabesritter als Mitbegründer effizient operierender Heilig-Land-Vereine

Historisch bedingt ist die große Mehrheit deutscher Grabesritter gleichzeitig Mitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Land. Die Geschichte der einst viel engeren Vernetzung von DVHL und deutscher Grabesritterschaft beginnt 1855 mit der Gründung des Vereins vom heiligen Grabe mit Sitz in Köln. Allein 6 der 13 unterzeichnenden Gründungsmitglieder waren Kölner Grabesritter. So ist es auch kein Zufall, dass der in den Statuten festgeschriebene, dezidiert universalkatholisch ausgerichtete Kernauftrag des Vereins vom heiligen Grabe und der des Ritterordens vom heiligen Grab, praktisch identisch waren.

Im Zuge der europäischen Nationalisierungsprozesse und internationaler Konflikte verselbstständigte sich 1885 ein Teil der Vereinsfunktionäre mit der Gründung des Palästina-Vereins der Katholiken Deutschlands, der begann, nationale Interessen im Heiligen Land zu verfolgen. Als beide Vereine 1895 beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln, und zum Deutschen Verein vom Heiligen Land fusionierten, einigten sie sich im Sinne eines Interessenausgleichs auf ein nationalpatriotisch grundiertes Konzept, das die Wahrung und Förderung spezifisch deutscher katholischer Interessen im Heiligen Land vorsah.

Grabesritter als Leitungsfunktionäre des DVHL 1895 - 1913 bzw. als Mitgestalter einer nationalpatriotisch grundierten Erfolgsgeschichte

In seiner imperialzeitlichen Hochphase erwarb der Verein Besitzungen und unterstützte ein Netzwerk von Institutionen, dessen Wirkungsbereich sich phasenweise von Ägypten bis in die heutige Türkei erstreckte. Er soll in dieser Zeit 30.000 Mitglieder gehabt haben und veranstaltete zwei bis drei Mal jährlich sogenannte Volkswallfahrten mit 500 oder mehr Teilnehmern. Dies unter der Ägide des damaligen Vizepräsidenten des DVHL, Fürst Alfred zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck, der auch Großkreuzritter des Ritterordens vom Heiligen Grab war.

Wenn Heilig-Land-Pilgerinnen und -Pilger heute Einrichtungen besuchen, in denen mitunter Deutsch gesprochen wird, begegnen sie meist imperialzeitlichem Erbe. Zu ihnen zählen die Dormitio-Abtei auf dem Zion, das Pflegeheim Beit Emmaus, die sogenannte Schmidt-Schule in Jerusalem und zwei Pilgerhäuser in Tabgha und Jerusalem.

Grabesritter als Leitungsfunktionäre des DVHL 1918 - 1949 oder der Ausbau einer „organisch“ gewachsenen Verbindung

Nach der Zäsur des Ersten Weltkrieges gelang es dem DVHL im Großen und Ganzen, seine Besitzstände zu sichern und die wichtigsten seiner Institutionen weiterzubetreiben. Allerdings hatte er mehr als zwei Drittel seiner Mitglieder verloren und kämpfte schwer mit den politischen und wirtschaftlichen Kriegsfolgen im Heiligen Land wie in Deutschland. Als Fürst Alfred zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck 1924 bei einem tragischen Autounfall starb, trat sein Sohn Franz – ebenfalls Grabesritter – an dessen Stelle und führte den Verein in eine kurze Phase des bescheidenen Aufschwungs. Die positive Entwicklung fiel zeitlich mit den Bestrebungen zur Gründung einer deutschen Ordensprovinz des Ritterordens zusammen, die sicher aufgrund der gewachsenen Beziehungen zwischen den grabesritterlichen Vereinsfunktionären und dem Lateinischen Patriarchat in die Hände von Fürst Franz zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck gelegt wurde. Nach der formellen Gründung der Ordensprovinz 1932 übernahm das Generalsekretariat des DVHL offiziell die Aufgaben der Kanzlei der Deutschen Ordensprovinz des Ritterordens vom Heiligen Grab. DVHL und Ritterorden nutzten die dieselben Räumlichkeiten, dasselbe Briefpapier nebst Jerusalemkreuz im Briefkopf, dieselben Kommunikationsorgane und dieselbe Buchhaltung. Aus Sicht der in Doppelfunktion tätigen Spitzenfunktionäre drückte sich darin die „organische“ Verbindung zwischen Verein und Orden aus, die das „Wesen des Katholizismus“ und die „natürliche Einheit“ der katholischen Kirche widerspiegelte.

Ausdifferenzierung als Folge der Ordensreformen von 1949

Mit der Ordensreform von 1949 brach eine neue Ära für die deutsche Ordensprovinz des OESSH an, die nun zur Statthalterei erweitert wurde und langsam aber beständig wuchs. Dies leitete 1955 den (Teil-)Abschied vom „organisch Gewachsenen“ ein, der mit Ende der bis dahin praktizierten Personalunion wichtiger Ämter dazu führte, dass beide Organisationen ein spezifisches Profil entwickelten. Letzteres tat der inhaltlichen Verbundenheit von DVHL und deutschen Grabesrittern keinen Abbruch – angesichts des Fortbestandes der Kerninhalte urchristlicher Sendung, die durch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanums, insbesondere durch das Dokument Nostra Aetate, eine neue Dimension erhielten.

Literatur 

• Vosberg, Barbara: Deutsche Katholiken und das Heilige Land im Spiegel der Publikationen des Deutschen Vereins vom Heiligen Land und der Deutschen Statthalterei des Ritterordens zu Jerusalem 1855 - 1970, Münster 2019

• Vosberg, Barbara: Von friedlichen Kreuzfahrern zu Brückenbauern. Deutsche Katholiken und das „Heilige Land“ 1855 - 1970, in: Henkelmann, Andreas, Kösters, Christoph, Oehmen-Vieregge u. Ruff, Edward (Hgg.): Katholizismus transnational. Beiträge zur Zeitgeschichte und Gegenwart in Westeuropa und den Vereinigten Staaten, 95 - 322

© Consoror Dr. phil. Barbara Vosberg 
 

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