Aktuelles aus unserem Orden

Der neue Patriarchalvikar in Israel und sein Nachfolger

(c) C. Kimberger

Fr. Rafic Nahra ist vom Lateinischen Patriarchen S.Em. Pierbattista Pizzaballa zum neuen Patriarchalvikar für Israel berufen worden. Der deutsche Statthalter, S.E. Dr. Michael Schnieders, und die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Cornelia Kimberger, haben sich mit ihm in einer Videokonferenz unterhalten. 

Gottesdienste in vielen Sprachen 

„Ich bin sehr glücklich, dass mich der Patriarch in dieses wichtige Amt berufen hat“, so Fr. Rafic, der bis 15. August drei Jahre lang dem Vikariat für Migranten, Asylanten und Flüchtlinge (VMAS) und dem St. James Vikariat für die Hebräisch sprechenden Christen in Israel vorgestanden hatte. Das VMAS kümmert sich um Arbeitsmigranten und  
-migrantinnen von den Philippinen, aus Indien, aus Sri Lanka, Korea, Lateinamerika, Afrika und Rumänien. Es feiert mit ihnen Gottesdienste in französischer und englischer Sprache sowie mit unterschiedlichen landestypischen Riten, wie zum Beispiel dem Ge’ez Ritus aus Äthiopien. Um die Babys, Kinder und Jugendlichen der Migranten kümmert man sich im Our Lady Woman of Valor und dem St. Joseph‘s Center in Tel Aviv sowie im St. Rachel Center in Jerusalem.   

Nazareth, ein neues Zuhause 

„Der Patriarch hat mich im Vorfeld gefragt, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könne“, sagt Fr. Rafic. „Es war eine gemeinsame Entscheidung.“ Besonders freue ihn, dass er nun in seinem „neuen Vikariat“ wieder mehr in der Seelsorge tätig sein könne. Im VMAS und im St. James Vikariat habe für ihn stets die administrative Arbeit im Vordergrund gestanden. In seiner Amtszeit dort hat er auf Wunsch des Patriarchen die beiden Vikariate geordnet. Das Ziel war dabei, aus einem früheren Einzelvikariat zwei selbständig agierende Vikariate unter dem Dach des Lateinischen Patriarchats zu machen: das VMAS und das St. James Vikariat. „Ich bin so gerne Seelsorger“, betont Fr. Rafic. Deshalb gehe er nun - nach nur vier Tagen Verschnaufpause im Sommer - voller Elan in sein Vikariat nach Nazareth, sein neues Zuhause.   

Kontakte mit Juden und Muslimen 

Natürlich bringt Fr. Rafic viele Ideen mit nach Nazareth. Vor allem die Familien und die Jugend liegen ihm am Herzen. Besonders wichtig sei ihm auch der Kontakt mit Juden und Muslimen. „Das kann natürlich nicht alles auf einmal geschehen. Wir müssen daran arbeiten, das Ganze muss sich segensreich entwickeln, und es bedarf guter Organisation“,  betont er. Er hoffe sehr, dass es gute Kontakte vor allem mit der jüdischen Bevölkerung geben werde. „Zum Glück haben wir bereits gute Beziehungen zu den Muslimen in Nazareth“, so Fr. Rafic. „Während in Palästina die materielle Not der Christen stärker im Vordergrund steht, sind diese hier in Israel deutlich besser versorgt. Hier geht es unter anderem darum, dass der Glaube wieder neu entdeckt werden muss“, so der neue Vikar von Israel.  

Bibellesen 

Fr. Rafic möchte in den Schulen Projekte für die Jugend entwickeln. Im Theologiecenter in Haifa sollen Lehrer und Laien verstärkt in den Katechismus und das Bibelstudium eingewiesen werden, damit sie den Kindern und Jugendlichen den christlichen Glauben wieder näher bringen können. „Das Bibellesen ist mir eine Herzensangelegenheit! Es ist die Basis eines bereichernden Glaubens. Natürlich benötigen wir einen neu überarbeiteten Katechismus in der ‚Sprache von heute‘“, betont der Patriarchalvikar.  

Warten auf Dr. Nikodemus Schnabel 

Fr. Rafic freut sich, dass der Patriarch den Benediktinermönch Pater Dr. Nikodemus Schnabel zu seinem Nachfolger berufen hat. Fr. Rafic wartete zum Zeitpunkt des Video Calls schon sehnlichst auf ihn, um ihn in sein breites Aufgabengebiet einzuführen und dann endlich sein neues Amt in Nazareth anzutreten. Die Einreiseformalitäten für Israel gestalten sich derzeit aufgrund der Coronapandemie allerdings sehr komplex und zeitaufwendig. 

Pater Nikodemus wird dann zukünftig unterstützt von Fr. Piotr Zelazko, der im St. James Vikariat, in Beer Sheba und Tiberias tätig sein wird. Fr. Rafic sieht noch Verbesserungsbedarf in der Nachmittagsbetreuung der Migrantenkinder: „Im Moment haben wir durch die Coronapandemie großen Personalmangel im Vikariat für Migranten und Asylanten. Immerhin gilt es 28 Babys in Jerusalem und 63 in Tel Aviv gut zu betreuen. Die Volontäre durften nicht ins Land!“ Er freue sich, dass nun drei Volontäre hätten einreisen können. „Wir brauchen unbedingt für das Vikariat auch Einheimische, die sich am Nachmittag um die Schulkinder kümmern!“  

Kinder und Corona 

Angesprochen auf die Corona-Politik Israels sagt er: „Mit Corona müssen wir leben lernen“. Bereits über 1 Mio. Israelis hätten die dritte Schutzimpfung erhalten, darunter auch viele Kinder. „Durch Schulschließungen erreichen wir nur, dass die Kinder vor dem Fernseher oder Computer sitzen“. Er weist darauf hin, dass Kinder hinaus in die Natur müssten und Kontakte zu Gleichaltrigen benötigten, um mit ihnen zu spielen.  

Musical „Ruth“ 

In seinen Augen war das Musical „Ruth“, das die Jugendgruppe des St. James Vikariat am 01.09.2021 im Notre Dame Center aufführte, ein großer Erfolg. Dieses Projekt wurde von der Erasmus-Stiftung und der Europäischen Union unterstützt. Daher hat er den Damen und Rittern der Dt. Statthalterei von der Aufführung einen Link geschickt, damit diese sich einen Eindruck machen können, was im Vikariat so alles geleistet wird:  https://youtu.be/Gla8yra0w1w (Dauer: 1:17 min). 

Das Musical beruht auf dem Buch „Ruth“ – einer biblischen Geschichte, in der es um den Glauben, um Loyalität und Zugehörigkeit geht. Alle Rechte an diesem Musical gehören „Kisi – God's Singing Kids“. 

Erster Gottesdienst in Tel Aviv 

Mittlerweile ist Dr. Nikodemus Schnabel vor Ort, und er berichtet am Telefon: „Ich bin sehr glücklich wieder in Jerusalem zu sein und die Aufgabe im VMAS übernehmen zu dürfen!“ Fr. Rafic habe ihm bereits sein neues Aufgabenfeld zeigen können. „Am Samstag hatte ich meinen ersten Gottesdienst in Tel Aviv im Our Lady of Valour Center. Bestuhlt war für 1.000 Gläubige der indischen Gemeinde. Aber ich glaube, es waren viel, viel mehr gekommen, um Mariens Geburt zu feiern.“ Er hielt den Gottesdienst in englischer Sprache. Zur Begrüßung habe er jedoch ein paar Worte in Konkani gesprochen, und die Gläubigen seien darüber sehr glücklich gewesen. „Ich habe ihnen versprochen, dass ich bis zum nächsten Gottesdienst noch mehr Worte ihrer Sprache lernen werde.“ Nun wird er nach und nach seine beiden Vikariate kennenlernen und freut sich schon auf die Aufgaben, die auf ihn warten.  

Cornelia Kimberger, Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission 

Cookie-Einstellungen

Wir verwenden auf www.oessh.net Cookies (z. B. Tracking- und Analytische Cookies), mit denen eine Analyse und Messung von Nutzerdaten möglich ist. Weitere Informationen finden Sie hier: