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Das Pontifikat von Papst Franziskus - Professor Dr. theol. Wilhelm Tolksdorf referiert in Bremer Komturei 

Papst Franziskus (Archivbild)

Corona-konform traf sich die Bremer Komturei mit einigen Gästen am 19. September 2020 in der Kirche Sankt Elisabeth, um sich mit dem Pontifikat von Papst Franziskus auseinanderzusetzen. Der Referent, Cfr. Prof. Dr. Tolksdorf, war eigens aus Essen angereist und bot seinen Zuhörern spannende Einblicke in das Wirken des derzeitigen Papstes. Tolksdorf ist Professor für Pastoraltheologie, Homiletik und Gemeindekatechese in Paderborn und studierte u. a. an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

In seinen Ausführungen zeichnete er einen Papst, dessen Wirken sowohl in der jesuitischen Tradition des Suchens und Fragens stehe als auch stark von der argentinischen Befreiungstheologie beeinflusst sei. Typisch für Franziskus sei es, die Gläubigen immer wieder zur „Scheidung der Geister“ anzuhalten, in der sich diese mit kritischem geistlichem Blick der Tradition der Kirche und ihrem Lehramt stellen sollen. Charakteristisch für Papst Franziskus sei es aber vor allem, die Gläubigen einzuladen, in stetem Hören, Fragen und Suchen als wirklich mündige Christinnen und Christen das jeweils Richtige zu tun, das also in ihrem Leben zu verwirklichen, was für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit Frucht bringe.

In einer Zeit, die geprägt sei von Pluralität, neuen Formen kirchlicher Gemeinschaften sowie dem weltweiten Austausch per Internet, suche dieser Papst gemeinsam mit Klerikern und Gläubigen nach neuen Wegen und einer neuen Gemeinde- und Moral-Theologie. Dabei gelte es für das Volk Gottes, Unsicherheit auszuhalten, Krisen durchzustehen und aus Fehlentscheidungen zu lernen.

Prof. Dr. Tolksdorf prognostizierte, dieser Papst werde eine Art Graswurzelbewegung in Gang bringen, die in der römisch-katholischen Kirche noch lange nachwirken werde. Unter Franziskus werde deutlich, dass unsere Kirche „ein bunter Haufen“ sei, der sich gemeinsam in einer großen Suchbewegung befinde. Franziskus sehe die Aufgabe von Christen darin, sich dem Erbarmen und der Größe Gottes zu öffnen und Spuren in die Welt hineinzulegen. Diese Aufforderung zu praktischem Handeln in der Welt vereine sowohl die ignatianischen als auch die befreiungstheologischen Wurzeln des Papstes. 

Zum Ende seines facettenreichen Vortrages zog Tolksdorf Bilanz: Franziskus sei ein reisefreudiger Papst, der nicht nur 32 Länder bereist, sondern auch vier lesenswerte Enzykliken und einige wertvolle apostolische Schreiben veröffentlicht habe. Vor allen Dingen aber habe er das Charisma, mit großen Menschenmengen umzugehen. Er verwies daneben auf „offene Baustellen“, die Franziskus zu bearbeiten habe: 

  • Rücksichtnahme auf seinen noch lebenden Vorgänger Papst Benedikt XVI
  • Unverständnis der Bischöfe der Weltkirche und der römischen Kurie für seine „unentschiedene“ Haltung in vielen Fragen
  • Den Wandel von Amt und Kirche in einer globalisierten Moderne
  • das große Thema „Kirche und Missbrauch“
  • eine Gemeinde- und Moral-Theologie, die in Teilen noch das Lebensgefühl vom Anfang des 20. Jahrhunderts wiederspiegele

Cfr. Tolksdorf zog das Fazit, es handele sich um ein Pontifikat des „unentschiedenen Dazwischen“, das die Scheidung der Geister in einer pluralen Welt verfolge. Er hoffe für den Papst, dass dieser solidarische Wegbegleiter habe und ermutigte seine Zuhörer zum Gebet für Papst Franziskus.

Der Leitende Komtur Cfr. Prof. Dr. Albert Baars dankte dem Referenten herzlich für seine engagierten Ausführungen sowie für die gemeinsame Messfeier, die sich anschloss. Untermalt wurde diese musikalisch nicht nur von Baars selbst an der Orgel, sondern auch von einer Bremer Querflötistin. 
 

Csr. Susanne Schumacher

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