Aktuelles aus unserem Orden

Corona und Weihnachten in Gaza

(c) C. Kimberger

(c) C. Kimberger

Nun hat das Corona-Virus auch in Gaza Einzug gehalten. Lange war Gaza „Corona-frei“. Nur ein paar vereinzelte Fälle, durch Arbeitsmigranten eingeschleppt, gab es im Frühjahr. Diese konnten sehr schnell unter Kontrolle gebracht werden. Dadurch, dass Gaza von Israel hermetisch abgeriegelt ist, tat sich das Virus schwer, dort Fuß zu fassen. Waren in Israel, Palästina und Jordanien Kontaktbeschränkungen und Ausgehverbote an der Tagesordnung, konnten immerhin die stets heiß ersehnten Sommerlager für die Kinder und Jugendlichen stattfinden. Wie wird nun das Virus weiter wüten in einer Stadt, die noch immer unter den beträchtlichen, verheerenden Auswirkungen der Bombardements der vergangenen Jahre leidet?

2 Millionen Menschen auf einem Fleckchen Erde 

Gaza ist das Zuhause von rund 2 Millionen Palästinensern und gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebiet weltweit. Die humanitäre und wirtschaftliche Lage ist sehr, sehr schlecht. Die finanziellen Hilfen der UN haben sich durch das Aussetzen amerikanischer UN-Unterstützung bedenklich reduziert. Die Arbeitslosigkeit ist mit 60 % sehr hoch und betrifft auch die Christen. Genaue Zahlen dazu gibt es allerdings nicht. Die Armut ist allgegenwärtig und auch die Jugendarbeitslosigkeit ist mit weit über 70 % zu nennen! 1 Mio. Kinder und Jugendliche sind unter 15 Jahre. Es gibt kein sauberes Wasser; die Kläranlagen funktionieren seit langem nicht mehr, da der Strom nur stundenweise zur Verfügung steht. 

Christen erkrankt

Der Priester der Gemeinde Holy Family, Abouna Gabriel, schrieb am Nikolaustag, dass nun ungefähr 30 Christen an dem Virus erkrankt seien und es keine gute Versorgung für die Kranken in Gaza gebe. Er sei ständig unterwegs bei seinen Gemeindemitgliedern, gerade auch jetzt vor Weihnachten, um die Christen durch die Adventszeit zu begleiten, um für sie da zu sein. Er berichtet, dass die Schulen nun bis auf ganz wenige Ausnahmen geschlossen seien.

Der Glaube ist Hoffnung und Halt

Gerade einmal 1.070 Christen leben noch in Gaza, davon sind rund 120 römisch-katholisch. Für einen Christen ist es wahrlich nicht leicht, in der muslimisch geprägten Gesellschaft zu leben und zu überleben. Trotz Corona kommen römisch-katholische und melkitische Christen in Abouna Gabriels Kirche. Die Religion, der christliche Glaube, sei für seine Gemeindemitglieder ein Halt, eine Hoffnung und Stütze - und das schon immer. Sei vor Corona das Leben schon schwer genug gewesen, so habe sich die Lage nun weiter verschärft. Gottesdienste könnten zum Glück unter entsprechenden Hygienemaßnahmen gefeiert werden. Wie in der ersten „Corona-Welle“ gingen er und Kaplan Fr. Yousef in die Häuser zur Krankensalbung, zur Beichte und zur Hl. Kommunion. Schade finde er, dass die Kinder- und Jugendgruppen nun nur noch sporadisch stattfinden könnten.

Job Creation

Pfarrer Gabriel beklagt, dass sehr viele Christen ohne Arbeit seien. Zum Glück gebe es das Job-Creation-Programm, das zumindest 40 jungen, gut ausgebildeten Christen für ein paar Monate die Möglichkeit biete, ihre Fähigkeiten im Berufsleben einzusetzen und zum ersten Mal überhaupt etwas zu verdienen. Der Deutschen Statthalterei liegt seit gut zwei Jahren dieses Programms sehr am Herzen.

Nahrung für die Armen

Ein wenig Unterstützung für humanitäre Hilfen und Medikamente komme vom Lateinischen Patriarchat, doch die seien bis Ende des Monats aufgebraucht. Es fehle weiterhin am Nötigsten, denn auch viele Arme, die rund um die Pfarrei Holy Family anklopften, benötigten Nahrung auch für die Babys, benötigten seine Unterstützung. Aber der Pfarrer stehe mit leeren Händen da und könne nicht helfen. 

Besuch des neuen Patriarchen

Sehnlichst erwartet Fr. Gabriel den alljährlich stattfindenden Besuch des Patriarchen. Es ist allerdings fraglich, ob der neue Patriarch, S.S. Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, wegen der Pandemie überhaupt kommen kann. Diese Besuche sind für die Christen in Gaza eine Ermutigung, ein Zuspruch und das Wissen, dass sie nicht vergessen sind in einem Umfeld, wo Christsein keine Selbstverständlichkeit ist. Unglücklich ist der Priester auch darüber, dass Israel caritativen Orden die Visa nicht verlängere. Der Grund, so meint der Priester, sei wiederum die Pandemie. Dies betreffe zum Beispiel die Mutter-Theresa-Schwestern, die sich in einem Haus auf dem Gemeindegelände um schwerbehinderte Kinder kümmerten, oder die drei Schwestern des Ordens „Verbum Incarnatum“, die sich der Kinder im Kindergarten und der Schule annähmen. 

Die Heilige Familie

Ungewiss ist am Nikolaustag immer noch, wie Fr. Gabriel zusammen mit Fr. Yousef und der Gemeinde Holy Family überhaupt Weihnachten feiern kann. Die Kirche „Zur Heiligen Familie“ steht vielleicht genau an der Stelle, wo die Hl. Familie auf ihrer Flucht - vor den Kindermördern des König Herodes - nach Ägypten eine Rast von den Strapazen eingelegt hat. Ausgerechnet dort soll nun kein Gottesdienst stattfinden können? Fr. Gabriel denkt darüber nach, wenn gar nichts mehr geht, wenn die Türen von Holy Family geschlossen bleiben müssen, wenigstens im Internet zum Gottesdienst und zu einem Weihnachtsliedersingen einzuladen. Und eines steht jedenfalls am Nikolaustag schon fest: Kein Christ aus Gaza wird in diesem Jahr in Bethlehem Weihnachten feiern können. Die israelischen Behörden verbieten die Einreise, die sonst wenigstens vereinzelten Christen erlaubt war.

Fr. Gabriel wünscht den Damen und Rittern von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest und bedankt sich für die Unterstützung der Dt. Statthalterei.

ein Bericht der Heilig-Land-Beauftragten Csr. Connie Kimberger 

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