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Corona und die Mutation in Taybeh

(c) Fr. Johnny Abu Khalil

(c) Fr. Johnny Abu Khalil

Fr. Johnny Abu Khalil aus dem christlichen Ort Taybeh im Westjordanland im Kontakt mit der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission

Die britische Mutation des Coronavirus hat nun auch das Westjordanland erreicht: „Fast in jeder Familie gibt es jetzt Corona-Erkrankte“, berichtet Fr. Johnny Abu Khalil, der Gemeindepriester in dem christlichen Städtchen Taybeh, das zum Verwaltungsbezirk Ramallah gehört. 139 registrierte COVID-19 Fälle sind bekannt. Bis vor wenigen Tagen war der Ort abgeriegelt. Straßenblockaden der Polizei sollten sicherstellen, dass niemand nach Taybeh hineinkam und keiner den Ort verließ. Strenge Hygieneregeln und Kontaktauflagen wurden von der Bürgermeisterin Ramallahs, Dr. Laila Ghannam, verfügt. 1.300 Christen – davon 800 Lateinische – leben in Taybeh, das inmitten von muslimischen Dörfern, israelischen Siedlungen und Olivenhainen liegt. Die christliche Geschichte des Ortes reicht zurück bis in die byzantinische Zeit. Davon zeugen die Ruinen der St. Georgskirche aus dem 5. Jahrhundert. 

Hotspot Bet Afram

23 Christen liegen mittlerweile schwer erkrankt an der Corona-Mutation B.1.1.7 in Ramallah im Krankenhaus. Auch das Altenheim Bet Afram, um das sich die Deutsche Statthalterei seit vielen Jahren kümmert, ist nicht vom Corona-Virus verschont geblieben: 17 der 19 alten Menschen haben sich mit dem Virus infiziert. „Fünf von ihnen sind gestorben“, erzählt der Gemeindepriester. Zwei der drei Schwestern vom Orden Verbum Incarnatum, der seit dem Himmelfahrtstag Mariens 2020 die Bewohner des Heims betreut, sind ebenso erkrankt wie fünf Angestellte und zwei Volontäre des Hauses. Zum Glück konnten zwei Aushilfen einspringen und die Betreuung der alten Menschen übernehmen. Fr. Johnny hatte in den benachbarten Kirchengemeinden dazu einen Aufruf gestartet, woraufhin sich sich mehr als genug Bewerber gemeldet haben. Auch der Orden Verbum Incarnatum entsandte zwei Schwestern zur Mithilfe. 

Betreuung im Haus

Als das Virus das Haus heimsuchte, entschieden sich die Schwestern, die alten Menschen nicht in das Krankenhaus nach Ramallah zu bringen, das 10 Kilometer entfernt liegt. Vielmehr sollte sie vor Ort in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden. Das palästinensische Gesundheitsamt, die Stadt Ramallah und das Lateinische Patriarchat unterstützten diese Entscheidung und halfen bei der Umsetzung. Fr. Johnny betont, dies sei nur möglich gewesen, weil großzügige Spenden seitens der Regierung, palästinensischer NGOs, von Einwohnern Taybehs, Unterstützern des Hauses und der Gemeinde sowie des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem die Kosten dafür abdeckten. 

Medikamente und Nahrung

Die Oberin des Altenheims, Sr. Maria Pia, ist dankbar für all die Unterstützung, die das Haus erfahren hat. Medikamente und Nahrung waren vonnöten. „Aber auch ein Anruf, ein tröstendes Wort waren uns eine große Hilfe!“, betont die Schwester.
Der Lockdown wurde inzwischen erleichtert. „Wir können ja nicht alles andauernd schließen!“, so der Priester Fr. Johnny. Die Schulen bleiben allerdings noch für die nächsten drei Wochen geschlossen.

Wintereinbruch in Taybeh

Nun droht neues Ungemach: Starke Schneefälle und Kälte sind angekündigt, erzählt der Priester. Dafür wurden in der Schule zwei Notfallräume mit elektrischen Generatoren eingerichtet. „Es gibt in den Häusern keine vernünftigen Heizungen. Die Menschen werden frieren“ – davon ist Fr. Johnny überzeugt. Taybeh, das biblische Ephraim, liegt im Gebirge. Auch im Sommer ist es dort immer etwas kühler. Die Häuser sind, wie überall im Heiligen Land, nicht gedämmt und haben nur dünne Wände.

Im Altenheim muss niemand frieren

Zum Glück werden die Bewohner des Altenheim Bet Afram nicht frieren müssen. Sie haben seit einigen Jahren eine Heizung, die mit ausgepressten Olivenrückständen befeuert wird. Damals hat sich die Deutsche Statthalterei dafür eingesetzt, dass die bereits vorhandene Heizung, die eine italienische Gemeinde dem Haus geschenkt hatte, endlich eingebaut wurde. Zwei Winter lang mussten die alten Leute nämlich frieren und in Decken eingehüllt darauf warten, dass der Winter endlich zu Ende ging. 

Fr. Johnny Abu Khalil bittet die Deutschen Damen und Ritter, die Menschen in Taybeh und Palästina nicht zu vergessen und für sie zu beten.

Csr. C. Kimberger
Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission

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