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Betet für uns – es fehlt an allen Dingen!

Abouna Gabriel im Gespräch mit der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission über die Lage der Christen in Gaza

Nicht genug Testkapazitäten

Täglich erkranken nach amtlichen Bestätigungen in Gaza um die 300 Personen neu an Corona. Die Dunkelziffer liegt allerdings viel höher, meint der Priester der Gemeinde „Holy Family“, Abouna Gabriel. „Es gibt sehr wenige Tests, daher kann gar nicht genau gesagt werden, wie viele Menschen am Virus überhaupt erkrankt sind.“ Lange hat es gedauert, bis das Virus auch Gaza erreichte. Auf dem kleinen, von Israel abgeriegelten Streifen am Mittelmeer leben rd. zwei Millionen Menschen zusammen. Die Hälft von ihnen ist unter fünfzehn Jahre alt.  
Da fast keiner in das von der Hamas regierte Gebiet einreisen darf, konnte man zu Beginn der Pandemie sehr schnell auf Menschen reagieren, die das Virus in sich trugen. Es waren nur einige wenige, die - streng isoliert - ihrer Krankheit trotzten. Bisher, so erzählt der Pfarrer am 19. Januar am Telefon, sind insgesamt laut amtlichen Tabellen rund 48.500 Menschen aus Gaza an Covid19 erkrankt. „Fühlt sich jemand krank, hat er irgendwelche Symptome, so bleibt er vierzehn Tage lang zu Hause, trinkt viel Orangensaft und therapiert sich mit Multivitaminen.“ Etwa 50 der 1.077 Christen sind am Virus erkrankt. Unter den rund 500 verzeichneten Todesfällen in Gaza befinden sich auch drei Christen. „Sie waren hochbetagt und sind mit Vorerkrankungen am Virus verstorben.“ Die Zahl der belegten Krankenhausbetten in Gaza steigt durch die Pandemie nun an. „Das sind vorwiegend alte Menschen oder aber wirklich schwere Fälle, die ins Krankenhaus kommen“, so der Priester. 

Erschreckend hohe Arbeitslosigkeit

Einen wirtschaftlichen Shutdown könne Gaza sich nicht erlauben, meint der Priester. Die Zahlen sprechen für sich: Inzwischen sind nach Schätzungen des Lateinischem Patriarchats schon rund 75 % der Menschen in Gaza arbeitslos. 45 % waren es „vor Corona“, bei einer Jugendarbeitslosigkeit von rund 60 %.  „Es geht hier allen wirklich nun sehr schlecht!“, sagt Abouna Gabriel. Man sei zur Unterstützung der Christen auf das Lateinische Patriarchat angewiesen. „Es fehlt an allem!“ 

Vorbereitung zu den Sakramenten

Alle drei Tage haben die Schüler im zeitlichen Wechsel Präsenzunterricht. Viele der Eltern allerdings ließen ihre Kinder zu Hause, weil sie befürchteten, dass sie sich in der Schule anstecken oder das Corona-Virus mit nach Hause bringen könnten, erzählt Father Gabriel. So lernen die meisten der Kinder von zu Hause aus mit dem Computer. Die palästinensischen Behörden haben trotz der steigenden Corona-Fallzahlen kleine Treffen erlaubt - so auch in den Gemeinden. Seit ein paar Tagen werden daher in Kleingruppen die Kinder und Jugendlichen auf die Erste Heilige Kommunion oder die Firmung vorbereitet. „Nach fast einem Jahr Stillstand in der Gemeinde ist es so wichtig, dass sich die Menschen wieder treffen können“, erzählt der Priester. So kämen nun auch wieder die Gläubigen zur Ewigen Anbetung; immer nur 10 Kinder oder Jugendliche träfen sich in Gruppen, es werde gesungen und gebetet. „Das ist alles so wichtig und tut gut“, sagt der Priester.  Wie überall in Palästina gibt es freitags und samstags eine Ausgangssperre, ebenso abends ab 20 Uhr bis morgens um 6 Uhr.

„Betet für uns!“, bittet der Priester, und er bedankt sich für die Hilfen der Damen und Ritter der Deutschen Statthalterei.

© Cornelia Kimberger, Vorsitzende der Heilige-Land-Kommission
 

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