Aktuelles

Bericht der Heilig-Land-Kommission zur Lage im Heiligen Land in Pandemie-Zeiten

„Die Christen im Heiligen Land leiden unter der Corona-Pandemie”, betont S.Em. Pierbattista Pizzaballa in einem Interview des Fernsehsenders EWTN in Rom im Palazzo Rovere, dem Sitz des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, kurz vor seiner Ernennung zum Lateinischen Patriarchen. „Die Armut wächst unter den Christen in Palästina“, so der Patriarch, da zum Beispiel viele unter ihnen durch den Einreisestopp nun nicht mehr nach Israel zum Arbeiten gelangen können.

Pizzaballa äußert sich in diesem Interview begeistert und dankbar über den Zuspruch der Grabesritter auf den Hilferuf des Lateinischen Patriarchats in Zeiten der Corona-Pandemie in der ersten Jahreshälfte. Er war schier überwältigt vom Engagements der Damen und Ritter. Das Echo des Spendenaufrufs zum Covid-19-Fonds ging über all seine Erwartungen hinaus. „Wir konnten Tausenden von Familien dank der großherzigen Spenden beistehen“, so Pizzaballa. 

Als die humanitären Auswirkungen der Corona-Pandemie immer heftiger wurden, rief am 11. Mai 2020 der Kardinalgroßmeister des Ritterordens, S.Em. Fernando Kardinal Filoni, auf Bitten des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem (LPJ) den Covid-19-Fonds ins Leben. Die Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem wurden gebeten, ihre christlichen Geschwister, die ihnen im Heiligen Land anvertraut sind, finanziell in dieser Krise zu unterstützen. Fehlte es vor der Pandemie in vielen christlichen Familien schon am Nötigsten, so verschärft das Virus die prekäre Situation nochmals dramatisch. Die wirtschaftliche Lage entwickelt sich vor allem in Jordanien und Palästina zum Negativen. Die Menschen verlieren ihre Arbeit und bekommen staatlicherseits keinerlei Unterstützungen. Von heute auf morgen fehlt es ihnen am Nötigsten. Der Covid-19-Fonds soll dort ansetzten, wo die größte Not herrscht. 

Der CEO des LPJ, Sami El-Yousef, fasst die Maßnahmen und das Erreichte des Sonderhilfsprojekts nun zusammen. Mit insgesamt 2.434.233 $ Spendeneinnahmen aus 41 Statthaltereien konnte mittlerweile Tausenden von Christen in Palästina und Jordanien geholfen werden. Allein bei einem Sonderspendenaufruf im Juli spendeten die Damen und Ritter der deutschen Statthalterei 245.180 € für den Covid-19-Fonds. Anlässlich der Investitur in Fulda gingen bisher 75.670 € auf das Konto der deutschen Statthalterei ein, damit Eltern geholfen werden kann, die Schulgebühren ihrer Kinder zu begleichen. 

Das Lateinische Patriarchat bedankt sich für diese außerordentlichen Zuwendungen herzlich bei unserer Statthalterei. Auch die Leitung der deutschen Statthalterei sowie die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission Csr. Cornelia Kimberger sind für diese beachtenswerte Spendenbereitschaft aufrichtig dankbar. Kardinalgroßmeister Filoni hat sich Mitte Oktober 2020 gesondert an den deutschen Statthalter S.E. Cfr. Dr. Michael Schnieders gewandt, um sich persönlich für die großherzige Spendenleistung zu bedanken. Er verstehe diese als ein Zeichen der tiefen Verbundenheit und Liebe für das Herkunftsland Jesu Christi und die darin heute Lebenden. Filoni schließt seine Zeilen mit dem Hinweis, dass er die Mitglieder der deutschen Statthalterei in seine Gebete einschließe.
Für das neue Schuljahr 2020/2021 zeichnete sich schon bald ab, dass sehr viele Familien in Jordanien und Palästina die Schulgebühren in den 38 Schulen (davon 25 in Jordanien und 13 in Palästina) nicht mehr bezahlen konnten. Die Aufregung in den Familien war groß: Die christlichen Eltern wollten ihre Kinder nicht in die staatlichen, muslimisch geprägten Schulen geben. Das Lateinische Patriarchat wiederum wollte seine Schulen erhalten, und die Gehälter für die Lehrer mussten bezahlt werden. So wurden 70 % der Spendeneinnahmen aus dem Covid-19-Fonds dafür verwendet. Gott sei Dank konnte für 1.180 palästinensische und 1.238 jordanische Schüler das Schulgeld beglichen werden. Der CEO weist allerdings auf die Besorgnis hin, dass bald doppelt so viele Eltern um Schulgeldunterstützung bitten werden und der Spendentopf dann leer sein wird. 

Die humanitäre Lage der Christen spitzt sich immer mehr zu: Die zweite „Corona-Welle“ fegt durch das Heilige Land und fordert immer mehr Todesopfer auch unter den Christen. Im Moment ist Jordanien sehr betroffen mit über 3.000 Neuinfektionen täglich bei ca. 9 Mio. Einwohnern. Mit den restlichen 30 % des Covid-19-Fonds konnte 1.478 christlichen Familien (ungefähr 7.380 Personen) geholfen werden. Auch hier zeichnet sich ab, dass jordanische Familien (insgesamt 1.022) mehr Unterstützung benötigen als palästinensische. Der Grund dafür ist, dass Palästina schon immer mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von ausländischen Hilfsorganisationen und Spendern erfahren hat als Jordanien. Dringend benötigt werden Lebensmittel. Manche der Christen litten sogar an Hunger. Daher wurden Nahrungscoupons verteilt, die im Supermarkt einzulösen waren. Mit Babynahrung, Medikamenten und Hygieneartikeln konnte geholfen werden, Stromrechnungen wurden beglichen. Die Priester und Pfarrgemeinderäte arbeiteten eng mit zivilen und wohltätigen Institutionen zusammen, damit die Hilfen wirklich dort ankamen, wo sie am dringendsten benötigt wurden. Sorgfältig wurde darauf geachtet, dass jede Familie nicht von verschiedener Seite mehrfach Unterstützung einforderte. Zusätzlich konnten in acht Service Centern insgesamt 620 alte Menschen und Kinder liebevoll unterstützen werden. Dort erhielten sie auch den dringend benötigten Mundschutz und Einmalhandschuhe, die zum Beispiel beim Einkaufen zu tragen sind.

Sami El-Yousef ist fest davon überzeugt, dass die humanitäre Unterstützung aus dem Covid-19-Fonds eine wunderbare, allerdings zeitlich begrenzte Maßnahme war, die vielen geholfen hat, aber auf Dauer nicht ausreicht. Der CEO überlegt, wie man Familien helfen kann, dass sie wieder auf eigenen Beinen stehen können, wie sie sichere Anstellungen bekommen oder gar eigene Unternehmungen gründen könnten. Er denkt an Trainingsprogramme und Ausbildungsmaßnahmen, die in den nächsten Monaten entwickelt werden sollen.

Leider, so stellt El-Yousef fest, zeigt sich, dass neben dem Covid-19-Fonds auch die Gelder, die für humanitäre Hilfen im Budget des LPJ eingeplant waren, ausgeschöpft sind, da die Nachfrage nach Hilfen kontinuierlich steigt. Dieses Budget enthält unter anderem auch Hilfen für chronisch Kranke und Zahlungen für Krankenkassenbeiträge, Schulgeldunterstützung, Medikamente, medizinische Unterstützung, Nahrungsmittel und vieles mehr. Die schon ins Leben gerufenen Hilfsprojekte, wie zum Beispiel für die irakischen, christlichen Flüchtlingsfamilien, für das „ Job Creation Program“ in Gaza oder für die christlichen Familien in Ost-Jerusalem gilt es auch weiterhin zu unterstützen. 

Der Patriarch ist gewiss, dass die Damen und Ritter ihre Pilgerfahrten zu den Christen ins Heilige Land wieder aufnehmen werden, sobald es die Lage zulässt. Im EWTN-Interview sagt er: „Es geht vor allem darum, der Bevölkerung das Vertrauen wieder zurückzugeben, vor allem unter den Christen.“ Das Vertrauen sei das wichtigste Element, so Pizzaballa, um alle anderen Aktivitäten auch wieder in Gang zu bringen. Er weiß um das intensive Gebet der Mitglieder des Ritterordens für die Christen im Heiligen Land.
 

Csr. Connie Kimberger, Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission

Cookie-Einstellungen

Wir verwenden auf www.oessh.net Cookies (z. B. Tracking- und Analytische Cookies), mit denen eine Analyse und Messung von Nutzerdaten möglich ist. Weitere Informationen finden Sie hier: