Aktuelles aus unserem Orden

„Bei Tag und bei Nacht über Gottes Weisung nachsinnen.“

Geistliches Wort für den Monat August

Dieses Leitwort unserer Ordensgemeinschaft für das Jahr 2022 ist dem Psalm 1 entnommen. Dieser Psalm – und insbesondere der Gedanke unseres Leitwortes – hat in der Frömmigkeitsgeschichte eine große Wirkung entfaltet. Personen, die das Wort Gottes bei Tag und bei Nacht murmelnd auf den Lippen haben, besitzen – so die Tradition – eine ständig neu zufließende Lebensquelle.

Die junge Kirche hat den Kreuzestod Jesu und die Herausforderungen der Nachfolge Jesu zu bewältigen versucht, indem sie die Heiligen Schriften zur Hand nahm, die Texte betrachtete und betend ihre Erfahrungen vor Gott brachten. Das Leben mit allen Fragen und Herausforderungen, die Heilige Schrift und das Gebet gehören für die jungen Christinnen und Christen eng zusammen.

Die Kirchenväter empfehlen, das Beten und das beharrliche Lesen der Heiligen Schrift miteinander zu verbinden. Origenes schreibt seinem Schüler Gregor: „Widme dich der ´lectio` der göttlichen Schriften; bemühe dich mit Beharrlichkeit darum. (…) Suche redlich und mit unerschütterlichem Gottvertrauen den Sinn der göttlichen Schriften, der sich in ihnen in reicher Fülle verbirgt. Du darfst dich jedoch nicht damit zufriedengeben, anzuklopfen und zu suchen: Um die Dinge Gottes zu verstehen bedarfst du unbedingt der ´oratio` (des Gebetes)“.

Im 12. Jahrhundert kommt es zur Ausfaltung der „Lectio Divina“. Diese umfasst vier Schritte: das Lesen, das Nachdenken, das Beten und das betrachtende Schauen. Das Zweite Vatikanische Konzil ermutigt zum betenden Betrachten der Heiligen Schrift: Alle an Christus Glaubenden mögen bedenken, „dass das Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muss, damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch“ (DV 25).

Der lateinische Ausdruck „Lectio Divina“ heißt übersetzt: Göttliche Lesung. Es geht darum, die Schriften der Bibel intensiv zu lesen, d. h. das Gelesene zu wiederholen, mehrfach Bibelstellen zu bedenken, Texte im Zusammenhang zu lesen … - In diesem Betrachten der Bibel will Gott uns berühren, uns den Sinn der Schrift erschließen, uns verwandeln.

Unser Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ gibt im ersten Kapitel wichtige Impulse: Gottes Wort hören – Umgang mit der Heiligen Schrift. Es geht um das Hören der Bibel im Gottesdienst, um die persönliche Schriftlesung und um das Bibellesen in Gemeinschaft (vgl. GL 1,1-1,4). Die Impulse im Gotteslob sind kurz und praktisch formuliert, so dass einzelne Personen und Gemeinschaften diese Hinweise leicht umsetzen können.

Das Katholische Bibelwerk e.V. gibt sehr viele Informationen und Hilfen zur „Lectio Divina“: vgl. www.lectiodivina.de.

Hier noch eine konkrete Anregung für eine Pilgerreise ins Heilige Land: Vor einigen Jahren hat die Komturei Bischof Willehad in Bremen eine Pilgerreise ins Heilige Land so gestaltet, dass am vorletzten Tag ein „Geistlicher Tag“ eingeplant war. Die Gruppe hatte viele Orte der Bibel besucht, aus der Bibel gelesen und gehört, an vielen bedeutenden Orten miteinander Gottesdienste gefeiert und Gebetszeiten gehalten, Gemeinden und Gemeinschaften besucht … Der vorletzte Tag war ohne Besuchsprogramm, ohne gemeinsames Unterwegssein, ohne „organisierte“ Begegnungen. Wir hatten uns vorgenommen, das gesamte Markusevangelium zu lesen. Jede und jeder hat im je eigenem Tempo den gesamten Text des Markusevangeliums im Laufe des Tages gelesen. Im Reflexionsgespräch am Abend konnten wir viel zusammentragen: Manchen sind Zusammenhänge der biblischen Texte aufgegangen, Erinnerungen an die Besuche und Begegnungen an den biblischen Stätten wurden beim Lesen des Evangelientextes wieder lebendig, manche konnten anhand des Bibeltextes gut ins Gebet finden … - Und immer wieder hörten wir voneinander: Es ist gut, ein Buch der Heiligen Schrift komplett und in Ruhe zu lesen. Diese Erfahrung können wir auch zuhause oder im Urlaub machen: „Bei Tag und bei Nacht über Gottes Weisung nachsinnen“.

Confrater Dr. Martin Schomaker, Domkapitular in Osnabrück

 

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