Aktuelles aus unserem Orden

Begreife das Wort - Impuls zum 2. Sonntag in der österlichen Zeit

Der Herr ist auferstanden

In den Osterevangelien hören wir: Die Jünger Jesu sehen den auferstandenen Herrn, trauen aber ihren eigenen Augen nicht. Der Evangelist Lukas sagt über die Jünger auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24,16): „Ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten“. Und als der Auferstandene in die Mitte der Jünger tritt, erschraken sie „und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen“ (Lk 24,37). Auch Maria Magdalena (vgl. Joh 20,14) sah Jesus in der Nähe des Grabes stehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.

Der Mut gläubig zu sein

In der Begegnung mit dem Apostel Thomas macht der Auferstandene Mut: „Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Aber das Evangelium berichtet nicht, ob Thomas tatsächlich die Wundmale Jesu berührt hat. Vielmehr bekennt er auf das Wort Jesu hin: „Mein Herr und mein Gott“.

Die Aufforderung das Wort Gottes zu begreifen

Ostern fordert uns auf, Jesus, das Wort Gottes, zu „begreifen“. Es geht dabei nicht nur um den Kopf und um den Verstand, sondern vor allem darum, das Wort Gottes mit dem Herzen zu begreifen. Der Evangelist Johannes will uns zum Glauben an Jesus Christus führen und lockt uns, dass wir bekennen: „Mein Herr und mein Gott“.

Jesus Christus ist das Wort in den vielen Wörtern

Gott hat sich in seinem Sohn Jesus Christus für uns Menschen „begreifbar“ gemacht. Jesus ist das Wort Gottes in den vielen Wörtern, die über ihn geschrieben sind. Es ist eine wichtige Unterscheidung: Das Wort Gottes ist nicht zunächst das geschriebene und gelesene Wort der Bibel. Das Wort Gott ist vielmehr in der Heiligen Schrift enthalten. Die Frohe Botschaft – das Wort Gottes – ist ein Anruf. Dabei ist es eigentlich ein „Notbehelf“, dass das Evangelium aufgeschrieben wurde. Irenäus hat es so gesagt: Jesus Christus ist das Wort in den vielen Wörtern.

Das Verstehen des Wortes Gottes führt zur Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott“

Das Wort der Heiligen Schrift will uns helfen, Jesus Christus – das Wort Gottes – zu begreifen, ihn immer besser kennen und lieben zu lernen. Für alle Christinnen und Christen besteht hier „Chancengleichheit“: Der mittelalterliche Mensch und der Mensch im 21. Jahrhundert mit den vielen Möglichkeiten der neuen Medien, wir hier in Mitteleuropa und die Menschen in anderen Kontinenten, das Kind und der gereifte Mensch, der Intellektuelle und der eher handwerklich begabte Mensch, jede und jeder kann auf die je eigene Weise, in der entsprechenden Zeit und Kultur und in den unterschiedlichen Möglichkeiten das Wort Gottes verstehen. Es ist uns von Gott ein Wort geschenkt, mit dem wir leben, leiden und sterben können. Es geht um ein Verstehen, bei dem vor allem das Herz gefragt ist. Dieses Verstehen möge uns zum Bekenntnis führen: „Mein Herr und mein Gott“.

Der Umgang mit Menschen hilft uns zu begreifen

Um Begreifen zu können, müssen wir „Umgang“ pflegen. Das ist beim Kennenlernen von Menschen ebenso. Wenn ich eine Person „begreifen“ möchte, muss ich mit dieser Person zusammen sein, mit ihr kommunizieren, auf sie hören und zu verstehen suchen. Ähnlich ist es mit dem „Wort Gottes“. Das Wort Gottes ist uns in den Schriften der Bibel gegeben, aber wir müssen ihm immer wieder begegnen und es aufnehmen. Unser biblisches Leitwort für das Jahr 2022 weist uns darauf hin: „Bei Tag und bei Nacht über Gottes Weisung nachsinnen“.

Das Begreifen hat nicht nur eine Definition

Dieses Leitwort kann auf ganz unterschiedliche Weise umgesetzt werden:

  • Ich lasse die Bibel aufgeschlagen auf einem Tisch liegen, so dass mir das Sonntagsevangelium immer wieder vor Augen steht.
  • Ich schreibe ein Schriftwort auf einen kleinen Zettel und lege diesen zum Handy, so dass mir das Schriftwort häufig begegnet. Aus dem Evangelium des zweiten Ostersonntags ist es vielleicht eines dieser Worte: „Friede sei mit euch“, „Die Jünger freuten sich, als sie den Herrn sahen“, „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, „Mein Herr und mein Gott“.
  • Ich suche mir für jede Woche ein Bibelwort aus, das mich herausfordert.

Fazit

Wenn mir das Wort Gottes in meinem konkreten Leben „begegnet“, verbinden sich Glaube und Alltag. Vielleicht ergibt sich sogar die Möglichkeit, dass ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Wort Gottes mit einem anderen Menschen austauschen kann. Thomas jedenfalls hat seine Fragen und Zweifel in den Austausch mit anderen Menschen gebracht. Er ist mit anderen Menschen seinem Ringen um den Glauben auf den Grund gegangen und wurde vom österlichen Glauben erfasst, so dass er bekennt: „Mein Herr und mein Gott“.

 

Confrater Domkapitular Dr. Martin Schomaker, Osnabrück

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