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Auswirkungen der Covid-19 Pandemie - Lagebericht des lateinischen Patriachats im Juli 2020

Die letzten Monate waren einer der schwersten Zeiträume aufgrund der Covid-19 Pandemie, dem mysteriösen Wesen des Virus und der unbekannten Ausbreitung. Die Wissenschaft, die einige Antworten und Klarheiten liefern sollte, vermittelte indes scheinbar verwirrende und manchmal widersprüchliche Botschaften, die diese Situation nur schlimmer machten. Daher gab es in dem vergangenen Zeitraum viele Veränderungen, die notwendig waren und in vielen Fällen war die Flexibilität ein „muss“. In den folgenden Abschnitten werde ich versuchen, einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse seit dem Beginn der Pandemie zu geben, die vor allem das tägliche Leben am LPJ betreffen.

Die Allgemeine Lage

Die allgemeine Gesundheitslage schien bis vor zwei Wochen unter Kontrolle zu sein, bis ein hoher Anstieg der Fälle in Israel und Palästina zu verzeichnen war.  Die Situation in Jordanien blieb dagegen relativ unter Kontrolle. Die meisten Lockerungen der Beschränkungen sind nun aufgehoben worden und es gibt eine fast vollständige Umkehrung, die zu lokalen Sperren in Gebieten mit der größten Ausbreitung des Virus führt. In Israel beläuft sich die Zahl der Fälle auf fast 31.000 und steigt täglich um mehrere Hundert. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 340, wobei berücksichtig werden muss, dass immer mehr Patienten einen Krankenhausaufenthalt durchlaufen müssen. In Palästina belaufen sich die Fälle nach einer frühen und raschen Reaktion auf 4.500 mit einer Zunahme von mehr als hundert pro Tag und einer vergleichsweise geringen Todesrate von 17. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die Notstandsbefehle für weitere 30 Tage auf den 5. August verlängert. In Jordanien konnte die Ausbreitung strenger kontrolliert werden, so dass es dort etwa 1.180 Fälle gibt, zu denen nur eine geringe Zahl an Neu-Infizierten kommt und die Zahl der Todesopfer bei 10 liegt. In allen drei Ländern bleiben die Grenzen und Flughäfen geschlossen, mit der Ausnahme, dass Flüge zum Rücktransport einheimischer Bürger durchgeführt werden.
In den ersten Tagen der Pandemie, der totalen Abriegelung und der Ausgangssperre waren wir fähig, durch ein „Skelettpersonal“ und durch viele von Zuhause Arbeitende weiter zu arbeiten. Als die Beschränkungen dann gelockert wurden, kehrten wir allmählich zu den normalen Arbeitsbedingungen zurück, wobei die meisten Mitarbeiter an ihrem Standort tätig waren. Für diejenigen, die an einen anderen Ort geschickt wurden, sind die Gesundheitsvorschriften, wie Temperaturmessung, das Tragen von Masken oder das Abstand halten zur neuen Norm geworden. Auch mit diesen Maßnahmen war die frühzeitige Lockerung mit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, dem Öffnen der Schulen, Restaurants, Fitnessstudios und Hochzeitshallen mit einer Kapazität von bis zu 250 Menschen eine schlechte Neuigkeit, die dazu beitrug, dass die strengen Regulierungen, wie etwa die Schließung der Einrichtungen, die Einschränkung des öffentlichen Verkehrs und die Forderung, dass 30 % von Zuhause aus arbeiten muss, wieder eingeführt werden mussten! Glücklicherweise waren wir mit einer starken IT-Unterstützung und dem Online-Banking funktionsfähig- sicherlich unter nicht idealen Bedingungen, aber wir werden es so wieder tun können. Wir sind gezwungen uns weiterhin anzupassen und flexibel zu sein während wir weiter in eine unbekannte Zukunft schauen.
Was sie Arbeitslosenquote angeht, so hat Israel eine Verbesserung in den letzten Tagen erlebt, da das Land zunächst die Wirtschaft wieder in Gang gesetzt und dann normale Aktivitäten, wie zum Beispiel die Wiedereröffnung der Schulen, ermöglicht hat. Es wird berichtet, dass die Arbeitslosenquote von einem Hoch von Rund 27% auf nunmehr 20% gesunken ist. Die von der Regierung großzügig angebotene Arbeitslosenunterstützung wird jedoch Mitte August auslaufen, so dass Hunderttausende ohne große staatliche Unterstützung verbleiben werden. Sowohl in Palästina als auch in Jordanien sind die Volkswirtschaften zu schwach, um sinnvolle Konjunkturprogramme anbieten zu können. Inoffiziellen Berichten zufolge ist dort die Arbeitslosenquote weiterhin sehr hoch bei etwa 40-45%.

Update zu den Schulen 

Das Szenario, das an den 43 Schulen des lateinischen Patriachats (Aufteilung: 5 in Israel, 25 in Jordanien und 13 in Palästina) durchgespielt wurde, folgte einem gemischten Muster, aber alle beendeten das Schuljahr mit einer gewissen Kombination der Betriebsart. In Palästina und Jordanien ermutigte das jeweilige Bildungsministerium dazu, einem Online-Modus zu folgen und das Schuljahr wurde daher ohne eine Rückkehr zum Präsenzunterricht gegen Ende Mai abgeschlossen. Israel schien in dem Punkt mit einer starken Gewerkschaft verwirrt zu sein. Diese akzeptierte die vollständige Mobilisierung der Online-Bildung nicht und verlangte zum Abschluss des Schuljahres eine Rückkehr an die Schulen. Das Problem wurde gelöst, nachdem es den Gerichten vorgelegt wurde. Diese entschlossen eine Rückkehr zum Präsenzunterricht und den pünktlichen Abschluss des Schuljahres ohne jegliche Verlängerung. Es ist erwähnenswert, dass die Rückkehr an die Schulen in Israel nicht gut verlief. Die meisten Eltern zögerten, ihre Kinder zurück zu schicken. Als eine größere Menge an Kindern zurückkehrte, wurden mehr Fälle des Virus entdeckt. Anfang Juni wurden an einem Tag wegen der Entdeckung von Fällen 180 Schulen geschlossen und über 4.000 Personen innerhalb von vier Stunden in Quarantäne gesteckt. 
Trotz der Tatsache, dass viele Kinder Sommercamps und verschieden Aktivitäten benötigen, waren nur sehr wenige der Meinung, dass die Bedingungen für die Durchführung solcher Gruppenaktivitäten gegeben sind- das Risiko für solche sinnvollen Sommeraktivitäten schien zu hoch. Daher wurde beschlossen, dieses Jahr keine großen Gruppenaktivitäten durchzuführen, sondern auf kleinere Varianten zurückzugreifen, bei denen alle Vorschriften des Gesundheitsministeriums in Bezug auf Hygiene und „Social Distancing“ befolgt wurden. 
Was den Beginn des neuen Schuljahres anbelangt, so ist trotz der vielen Pläne und guten Bemühungen nicht klar, wie dieses im Herbst beginnen soll. Palästina und Jordanien kündigten an, dass sie den Unterricht Anfang August wieder aufnehmen wollen. Zunächst soll der Lehrplan des Vorjahres überprüft werden und Anfang September soll dann mit dem Stoff des neuen Schuljahres begonnen werden. Israel plant anscheinend eine Rückkehr zum Unterricht im Klassenverband im Herbst. Lehrer wie Administratoren setzen sich derzeit mit allen Szenarien auseinander, einschließlich der Möglichkeit einer Kombination aus Online- und Präsenzunterricht, bei der die Klassengröße und die physische Präsenz auf engem Raume reduziert werden soll. In allen Fällen ist es jetzt noch zu früh, um konkrete Entscheidungen zu treffen, da die Situation sich ständig ändern kann. 
Ein wichtiger Schwerpunkt, der jetzt aufkommt, ist die Behebung der Defizite, die als Folge des abrupten Wechsels vom Präsenz- zum Onlineunterricht ohne große Planung oder Vorbereitung festgestellt wurden. Themen, wie der Kapazitätsaufbau, die Software-Entwicklung, Hardware-Fragen sowie die Internet-Infrastruktur werden diskutiert und angegangen, um eine bessere Online-Nutzung zu ermöglichen. 

Finanzielle Erwägungen

Wie am Anfang der Pandemie mitgeteilt, bedeutete der Verlust von Arbeitsplätzen, dass viele Familien nicht in der Lage waren, ihre Schulgebühren an unseren verschiedenen Schulen zu begleichen, obwohl gerade im März, April und Mai die größte Sammlung historisch gesehen anfällt. Dieser Zeitraum fiel mit dem Beginn der Pandemie zusammen, so dass der Mangel an der Schulgelderhebung zu einem operativen Defizit von über sieben Millionen US-Dollar in den Schulen in Palästina und Jordanien führte. Es wurde daher der Notstand ausgerufen und ein Notfallausschuss eingesetzt, der planen sollte, wie die Einnahmen verbessert und die Ausgaben gesenkt werden könnten. Dieser Ausschuss trat einmal wöchentlich zusammen, um die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben, die von der Regierung vorgegebenen Vorschriften, die Cashflow-Fragen in allen LPJ-Einheiten und die Personalstärke zu überprüfen. Daraufhin wurden folgende Schritte beschlossen: 

  • Gespräche mit dem Generalgouverneur und über ihn mit dem Großmeister; das Großmagisterium und verschiedene Leutnants führten dazu, dass der Großmeister sich für einen humanitären Appell aufgrund von Covid-19 zur Unterstützung der LPJ einsetzte.
  • Es wurde ein Aufruf mit verschiedenen katholischen Diözesen und katholischen Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt gestartet.
  • Unter den Priestern wurde ein Aufruf gestartet, in dem die überwiegende Mehrheit von ihnen einen Teil (oder in einigen Fällen alles) ihres monatlichen Lebensunterhaltszuschusses an den Schulfond spenden.
  • Während des Monats Juni spendeten alle Verwaltungsangestellten des LPJ, etwa 150 Mitarbeiter, 20% ihres Gehalts an den Schulfond.
  • Die meisten Betriebsausgaben wurden seit dem Beginn der Pandemie überwacht und reduziert.
  • Eltern, die nicht von Covid-19 betroffen waren, sollten durch Schulleiter und Buchhalter ermutigt werden, ihre ausstehenden Zahlungen zu begleichen. 

Diese Maßnahmen werden es dem LPJ ermöglichen, den finanziellen Verpflichtungen gegenüber 1.850 Angestellten und etwa 150 Ordensleuten bis zum Ende des Steuer- und Studienjahres im August nachzukommen. Da man davon ausgeht, dass die Pandemie bis ins nächste Jahr andauern wird, wurden die Schulen in Jordanien und Palästina (wo das größte Defizit besteht) aufgefordert, kurzfristige Rationalisierungspläne mit in Betracht kommenden Kostensenkungsmaßnahmen sowie längerfristige strategische Pläne möglicherweise für die nächsten drei bis fünf Jahre vorzulegen. Dies soll eine bessere Positionierung der LPJ-Schulen in den Gebieten, in denen sie tätig sind, ermöglichen. Es wird erwartet, dass solche Pläne bald für Entscheidungen und Maßnahmen vorgelegt werden.  
Angesichts des fehlenden Cashflows, der sich aus den fehlenden Studiengebühreneinnahmen ergab, mussten in den letzten Monaten einige Maßnahmen ergriffen werden, darunter die Folgenden:

  • Im Laufe des Monats April wurde allen 508 Lehrern und Mitarbeitern der 13 Schulen in Palästina nur 50% ihres Gehaltes ausgezahlt, mit dem Versprechen, den Restbetrag bei Vorliegen von Bargeld zu begleichen.
  • Im Monat Mai wurde nur 75% der Gehälter an alle 1.390 Lehrer und Mitarbeiter der Schulen in Jordanien und Palästina ausgezahlt, mit dem Versprechen, den Restbetrag zu zahlen, wenn Bargeld verfügbar ist. 
  • Im Monat Juni wurde 20% der Gehälter aller 150 Verwaltungsangestellten einbehalten. Dieser Betrag wird nicht zurückerstattet.
  • Die Gehaltserhöhung, die den Lehrern in Jordanien zugesagt wurde und im September 2020 in Kraft treten sollte, wird verschoben, bis eine weitere Evaluierung mit dem Großmagisterium stattgefunden hat. 
  • Während des Monats Juli und den Sommerferien werden die Mitarbeiter folgender Einrichtungen 20% ihres Gehaltes spenden: Seminar Beit Jala, Buchhandlung Christ the King und das Zentrum Our Lady of Peace. Davon sind etwa 60 Mitarbeiter dann betroffen.

Die Situation wird kontinuierlich vom Notfallausschuss überwacht, der monatlich Empfehlungen an den Apostolischen Administrator und den Rat der Konsultoren gibt. 
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um festzustellen, ob in den folgenden Monaten drastischere Maßnahmen erforderlich sind, insbesondere nach der Auswertung der Studiengebührenerhebung, der Ergebnisse der Berufungsverfahren und der Maßnahmen zur Kostensenkung.

Humanitäre Unterstützung 

Wie erwartet und angesichts des starken Anstiegs der Arbeitslosenzahlen und der mangelnden staatlichen Unterstützung vor allem in Palästina und Jordanien kam es zu einem starken Anstieg der eingegangenen Anträge auf humanitäre Unterstützung. Wie mit dem Orden vereinbart, wird der Appell von Covid-19 zweigleisig genutzt. Der erste Schritt wäre die Unterstützung von verzweifelten Familien in Not, um Essen auf den Tisch zu bringen, Hygieneartikel zu kaufen, Kinder mit Milch und Windeln zu versorgen, Medikamente zu kaufen oder Rechnungen von Versorgungsunternehmen zu begleichen, einschließlich des Aufladens der Stromzählerkarten. So legten die Pfarrer ihre Bedarfslisten auf der Grundlage einer Umfrage unter den Gemeindemitgliedern vor, insbesondere von denjenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und am stärksten von der Pandemie betroffen sind. Die Mehrzahl der Leutnants war sehr großzügig und hat bereits spezielle Spenden für humanitäre Unterstützung im Zusammenhang mit Covid-19 geschickt. Bisher wurden fast 20 Gemeinden in Jordanien und Palästina unterstützt. Die Hilfe erreichte 800 Haushalte und kam Tausenden zugute. 
Die zweite Schiene der humanitären Gelder wird dazu verwendet werden, bedürftige Familien zu unterstützen, die ihre Arbeit verloren haben, um ihren finanziellen Verpflichtungen für den Unterricht ihrer Kinder an LPJ-Schulen zu erfüllen. Dieses Programm ist noch nicht angelaufen, da wir versuchen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen zunächst das Schulgeld einzusammeln, bevor Mittel ausgegeben werden. Es wird erwartet, dass Tausende von Familien mit diesem Fond unterstützt werden, der das Schulbudget unterfüttert und es uns ermöglicht, unsere eigenen finanziellen Verpflichtungen durch die fortgesetzte Beschäftigung der 1.390 (meist christlichen) Lehrer und Mitarbeiter an den Schulen in Jordanien und Palästina nachzukommen. 

Verwaltung der Projekte 

Bis Mitte März und den damit erfolgten Schließungen und Abriegelungen kamen alle Projektarbeiten zum Stillstand. Da Sperrungen nun nachließen, werden etwa 12 Projekte in verschieden Phasen vorbereitet. Einige haben bereits ein Ausschreibungsverfahren durchlaufen, so dass Aufträge vergeben und Arbeiten begonnen haben, andere befinden sich im Planungs- und Vorbereitungsmodus und die Angebote sollen demnächst eingeholt werden. Was den Bau der Jubeiha-Kirche anbelangt, so konnten wir trotz der Ausgangssperre und der Abriegelungsbedingungen in Jordanien eine Sondergenehmigung für die Wiederaufnahme der Arbeiten erhalten und tatsächlich wurden die Arbeiten Anfang Juni wieder aufgenommen. Man hofft nun (obwohl ich mit dieser Einschätzung sehr vorsichtig sein sollte!), dass die Kirche vielleicht bis Ende September fertig gestellt werden kann, Inshallah!

Dankbarkeit

Dies ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte, dass das Leiden in anderen Teilen der Welt größer war als im Heiligen Land. Betrachtet man die Zahl der Fälle und Todesfälle in den Vereinigten Staaten oder Brasilien und die große Zahl der Todesfälle in einer Reihe von europäischen Ländern in der Anfangsphase der Pandemie, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Bedingungen und den hohen Arbeitslosenquoten rund um den Globus, so fühlen wir uns hier im Heiligen Land wirklich gesegnet. Die unglaubliche Darbietung der Sorge, der Gebete und der finanziellen Unterstützung, die Ihren Schwestern und Brüdern zu Teil wurde, war ein großartiger Hauch von frischer Luft inmitten all der Negativität und der Schwierigkeiten, die die Welt seit Beginn der Pandemie gekennzeichnet haben. Wir sind wirklich gesegnet, den Orden vom Heiligen Grab von Jerusalem hinter uns zu haben. Ein großer Dank gilt dem Großmeister, seiner Eminenz Kardinal Filoni; dem Generalgouverneur, seiner Exzellenz Leonardo Visconti; den Mitgliedern des Großmagisteriums; den Mitgliedern der Kommission für das Heilige Land; den Leutnants und allen Mitgliedern für ihre Großzügigkeit. Obwohl die Zukunft noch immer unklar ist, sind wir zuversichtlich, dass wir mit Ihrer Unterstützung in der Lage sein werden, unseren Auftrag in der Seelsorge, im Bildungswesen und in der humanitären Hilfe weiterhin zu erfüllen und unsere christliche Gemeinschaft im Heiligen Land weiterhin nach besten Kräften zu unterstützen. 


Sami El-Yousef
7 July 2020

Übersetzung: A. Schnieders

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