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Auch Jordanien im Corona Krisenmodus - Interview mit Abouna Butrus

Ein Gespräch mit Abouna Butrus aus der Gemeinde St. Paul in Al Jubeiha/Amman vom 24.3.2020 mit der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission, Csr. Cornelia Kimberger
Abouna Butrus, wie geht es Ihnen Ihnen?
Zum Glück bin ich gesund. Aber ich mache mir sehr große Sorgen um meine Gemeinde! Die Christen sind sehr besorgt wegen des Corona-Virus. Keiner weiß, wann diese schreckliche Zeit endlich zu Ende geht. Es gibt bereits viele Erkrankte, auch Christen. Aber offizielle Zahlen der Erkrankungen, der Toten, gibt es nicht mehr. Am Anfang haben wir regelmäßig die Zahlen erfahren. Auch ob Christen unter den Toten sind, weiß ich nicht. Das trägt sehr zur Verunsicherung bei. 

Gibt es in Jordanien Beschränkungen des öffentlichen Lebens?
Seit dem 21.3. gibt eine strikte Ausgangssperre. Strenge Strafen gelten bei Verletzung dieser behördlichen Anordnung. Die Läden sind seitdem alle geschlossen. Vor der Ausgangssperre konnten wenigstens noch Ärzte, Apotheken und Lebensmittelgeschäfte aufgesucht werden. Die Schulen sind geschlossen. Niemand geht mehr zur Arbeit. Der König von Jordanien hat ein Gesetz zum nationalen Notstand erlassen. Zum Beispiel darf man nicht mehr innerhalb des Landes reisen. Die Stadt Amman ist vollständig abgeriegelt. Allerdings gibt es bei uns in Jordanien die ganze Zeit schon Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. Das Militär kümmert sich um die Ordnung.
Heute, am 24.3., sollte die Ausgangssperre aufgehoben werden, damit die Jordanier sich mit dem Lebensnotwendigsten versorgen können. Aber dann entschloss man sich dagegen, weil man Angst hat, dass sich die Menschen in den Menschenansammlungen anstecken könnten. Stattdessen soll nun Brot mit Bussen verteilt werden. Die Ausgangssperre gilt nun bis auf weiteres.

Wie schaut es mit der Lebensmittelversorgung aus?
Die Preise für einige Lebensmittel, für Früchte und Gemüse sind um 300% bis zur Ausgangssperre gestiegen. Die Regierung versuchte die Preise zu kontrollieren, aber das gelang nicht überall. Trotz Ausgangssperre strömen heute nun die Menschen zu den „Brotbussen“ -, und man steht eng an eng. Ich sah gerade im Fernseher eine Szene, dass ein Bus einfach wegfuhr, als sich zu viele um ihn drängten, um endlich Brot zubekommen. 

Sind sie im Kontakt mit Ihren Gemeindemitgliedern?
Oh ja, Dank sei Gott! Die sozialen Medien machen es möglich. Ich bin im ständigen Austausch per Whatsapp. Da erzählen mir meine Gemeindemitglieder von ihren Nöten. Sie dürfen nicht mehr raus aus ihren beengten Wohnungen. Die Kinder werden laut und quengelig, die Nerven der Eltern sind sehr strapaziert, und immer wieder kommt die Frage: „Wie lange dauert dieser Zustand denn noch?“

Was können Sie in dieser Zeit für die Menschen tun?
Es gibt nun keine Gottesdienste mehr. Aber zum Beispiel haben meine Gemeindemitglieder über die sozialen Medien eine Novene für Josephi bekommen, um sich auf diesen Festtag vorzubereiten. Ich verbreite in den sozialen Medien Gebete für alle Anlässe. Am Morgen, am Abend, allgemeine Gebete. Ich übertrage Gottesdienste über die Facebookseite der Gemeinde. Dieses Angebot wird gerne angenommen.
Wie alle Jahre in der Fastenzeit und auch nun in dieser „Coronazeit“ sorgt eine „Kommission der Barmherzigkeit“, der ich angehöre, für bedürftige Menschen. Bis zur Ausgangssperre am vergangenen Samstag brachten wir ihnen Nahrung und Medizin, die wir vorher von Leuten bekommen haben, die etwas übrig haben. Bis zur Ausgangssperre kam dieses Programm 38 Familien bei mir in der Pfarrei zu gute. Jede Pfarrgemeinde in Jordanien ist diesem Sozialprogramm angeschlossen. Nun darf auch ich ab sofort nicht mehr zu meinen Gemeindemitgliedern. Bischof William Shomali hat versucht, für uns Sondergenehmigungen zu bekommen. Diese wurde abgelehnt. Nun versucht er es noch einmal. Inshallah, vielleicht funktioniert es ja!
In Al Jubeiha leben 1.800 Familien.

Wie können Sie allen gerecht werden?
Es sind sogar mehr Christen, um die wir uns kümmern müssen. Denn wir sorgen uns auch um die orthodoxen Christen. Aber zu allen können wir natürlich nicht kommen. Als Priester hatten wir bis heute eine besondere Erlaubnis vom Staat, dass wir uns im öffentlichen Raum bewegen können. So konnten wir zum Beispiel auch in Krankenhäuser fahren, um die christlichen Patienten zu besuchen.  Wir konnten Verstorbene bestatten….

Glauben Sie, dass Sie mit Ihrem Einsatz den Christen Hoffnung geben können?
Die Hoffnung ist ein Geschenk Gottes…  Ich versuche, Ihnen die Hoffnung auch in Gottes Wort zu vermitteln.

Wie geht es den Flüchtlingen in Jordanien?
Oh, mein Gott ! Ich denke, in den Flüchtlingslagern in Jordanien sind die Flüchtlinge in einer furchtbaren Situation. Sie sind dort zudem eingesperrt. Die christlichen irakischen Flüchtlinge leben zum Glück in unseren Pfarrgemeinden und werden von uns Priestern genauso wie alle anderen Gemeindemitglieder nach Kräften versorgt. 

Wie geht es mit den Arbeiten am Kirchenbau voran?
Bis letzte Woche wurde noch gearbeitet. Allerdings konnten manche Arbeiter nicht mehr zur Baustelle kommen, da sie zu weit weg wohnen. Der Innenausbau hat begonnen. Seit Samstag ist der Bau eingestellt. Ob im Juni Einweihung sein kann, das steht in den Sternen.

Abouna Butrus, was möchten Sie uns Ordensmitgliedern heute ans Herz legen?
Liebe Damen und Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem! Wir alle, egal wo wir leben, alle Nationen sind nur auf eines angewiesen: auf Gottes Barmherzigkeit. Als Töchter und Brüder Gottes können wir die Barmherzigkeit Gottes durch unser Gebet erhalten. Jesus versprach uns: Bittet und es wird euch gegeben; suchet und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet.
Lassen Sie uns alle gemeinsam beten, lassen Sie uns um jeden einzelnen von uns beten. Lassen Sie uns beten für die, die gerade in den Hospitälern sterben, die dort alleine liegen und sterben, ohne Beistand von Familienangehörigen. Lassen Sie uns an all diese Menschen denken, wie Papst Franziskus sagt. „Wir sind als Menschen alle vereint“. 

Cornelia Kimberger
Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission

Fürth, 24.3.2020

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