Aktuelles

Arbeit für die Zukunft

Bericht der Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission, Cornelia Kimberger

„Eine Generation ohne Arbeit ist ein Debakel für die Zukunft. Wir müssen dagegen ankämpfen und einander helfen, um zu einer Lösung zu kommen, durch Hilfe und Solidarität“, betont Papst Franziskus. Das LPJ berichtet vom Erfolg seines „Arbeitsbeschaffungsprogramms“ in Gaza.

„Holy Family“ heißt die Gemeinde des Lateinischen Patriarchats in Gaza, zu der zwei Schulen mit rund 950 Kindern gehören und zwei Schwesternkonvente, die sich um schwerbehinderte Kinder und alte Menschen kümmern. Gaza ist heute schwer getroffen nach den vielen Kriegen und der furchtbaren humanitären Situation. 1.000 Christen (davon ca. 120 römisch- katholisch) unter 2,1 Millionen Einwohnern, die Hälfte ist unter 15 Jahre alt. Rund 40% der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, und 70% sind auf humanitäre Hilfen angewiesen. 60% der Jugend ist arbeitslos bei einer allgemeinen Arbeitslosenrate von 45%. Junge Menschen haben dort keine Perspektiven für ihre Zukunft. Seit mehr als 12 Jahren hat Israel die Kontrolle über den Gazastreifen inne, was unter anderem auch bedeutet, dass Gaza von Israel abhängig ist was frisches Wasser, Strom und Telekommunikation anbelangt. Die Grenzen zu Israel werden streng kontrolliert. Daher kann auch nur sehr schwer mit der Westbank oder mit anderen Ländern weltweit Handel betrieben werden. Gerne würden junge Menschen ihre Heimat, diesen unwirtlichen, perspektivlosen Flecken Erde, verlassen. Nach dem Krieg 2014 verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung weiter. Es fehlt an Nahrung, Wohnraum, an medizinischer Betreuung. Die Häuser von mehr als 100.000 Bewohnern wurden zerstört und können nicht wieder aufgebaut werden, da die Einfuhr von Baumaterialien beschränkt ist. Immer wieder kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Israel. Das Trinkwasser ist verseucht, da die Kläranlage nicht mehr funktioniert, denn 18 Stunden am Tag wird der Strom von Israel abgeschaltet. Man spricht davon, dass 300.000 Kinder durch die kriegerischen Auseinandersetzungen traumatisiert sind. Viele haben ihre Eltern, ihre Verwanden verloren und dann immer wieder Bomben, Sirenen….

Daher versucht das Lateinische Patriachat mit allen Kräften, die Nöte der Christen  zu lindern. Seit 2014 wurde auf dem Gemeindegelände zum Beispiel ein Spielplatz errichtet, Jugendräume eingerichtet, der Kindergarten erneuert, das Priesterhaus renoviert, die Mauer, die das Gemeindegelände umfasst und Schutz bieten soll, restauriert. Das Gemeindeareal ist ein Zufluchtsort für die Christen. Und immer wieder wird geholfen mit Medikamenten, ärztlicher Fürsorge, Schülerbeihilfen und mit einem Job-Creation-Programm. Dieses hilft jungen Menschen, ihre an der Universität erworbenen Fähigkeiten beruflich umzusetzen mit der Option, ein – wenn auch zeitlich limitiert – Einkommen zu haben. Die andauernde schlechte wirtschaftliche und politische Lage, aber auch die Tatsache, dass sie Christen sind, beinhalten für sie ansonsten nämlich geringe Chancen, am lokalen Arbeitsmarkt unterzukommen.

Insgesamt 30 junge Menschen, alle mit guten, zum Teil akademischen Ausbildungen, wurden daher seit Oktober 2018 von der Dt. Statthalterei durch großzügige Spenden der Damen und Ritter unterstützt. Das Lateinische Patriarchat kümmerte sich zusammen mit der Gemeinde Heilige Familie darum, junge, gut ausgebildete Christen in den Arbeitsmarkt von Gaza zu integrieren. Sie fanden Anstellungen in NGOs, IT-Unternehmen, kirchlichen und humanitären Einrichtungen. Das LPJ zahlte den Teilnehmern des Programms ein Jahr lang monatlich 500 USD, damit sie ihren Lebensunterhalt eigenständig bewältigen konnten. Die berufliche Erfahrung stärkte ihr Selbstvertrauen, förderte ihre beruflichen Fähigkeiten. Sie erfuhren durch das Einbringen ihrer Fähigkeiten Selbstbewusstsein, Freude, Würde und Stolz. Eine Selbstverständlichkeit, die einem jeden jungen Menschen zustehen sollte, der sich engagiert. Die Unternehmen waren begeistert von der Tüchtigkeit und den Talenten der jungen Menschen. 15 Teilnehmer des Programmes hatten das Glück, dass sie weitere sechs Monate in ihren Unternehmen bleiben durften. In diesem Falle zahlte der Arbeitgeber einen Teil ihres Gehaltes. Der eine oder die andere wurde am Ende des Förderprogramms zwischenzeitlich von seinem Arbeitgeber übernommen.

Bei einem Telefonat in der vergangenen Woche erzählte der Priester der Gemeinde, Abouna Gabriel, dass 43 junge Menschen sich für ein neuausgelegtes Programm beworben haben. Aber leider können derzeit nur vier Bewerber genommen werden, da im Moment nicht mehr Geld zur Verfügung steht.

Das Lateinische Patriarchat möchte auch in naher Zukunft weiterhin jungen Menschen helfen, am Arbeitsmarkt unterzukommen und Geld zu verdienen. Das Ziel ist auch weiterhin, die Arbeitslosenrate unter den Christen zu reduzieren, junge Menschen in der Gemeinde pastoral zu begleiten und die Möglichkeit zu geben, dass sie ihre Talente erkennen und auch in der Lage sind, diese einzusetzen und zu stärken. Die jungen Christen sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, die auch der katholischen Gemeinde zugutekommt.

Dieses Projekt wird voraussichtlich auch weiterhin durch die Dt. Statthalterei unterstützungswürdig sein. Der CEO des Lateinischen Patriarchats, Sami El-Yousef, und vor allem die jungen Frauen und Männer, die in den Genuss des Job-Creation-Programmes gekommen sind, danken den Damen und Rittern der Deutschen Statthalterei für die Unterstützung. Diesen Dank und die Freude, endlich in ihrem Beruf arbeiten zu können, wird in dem kleinen angefügten Video ersichtlich.

Video

 

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