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50 + 2 Jahre: Komturei St. Ansgar Hamburg feiert Jubiläum

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Was lange währt, wird endlich gut: Pandemiebedingt 2 Jahre später als geplant feierte die Komturei St. Ansgar Hamburg am 30.04.2022 ihr 50-jähriges Jubiläum gemeinsam mit vielen Gästen aus allen Nachbarkomtureien der Provinz Norddeutschland und in großer Freude über das Wiedersehen. Zu den Ehrengästen gehörten S.E. Statthalter Cfr. Dr. Michael Schnieders, der Präsident der Ordensprovinz Norddeutschland, Cfr. Dr. Arnold Spallek, sowie Vertreter des Malteserordens und des Deutschen Ordens. 
Das Pontifikalamt im Kleinen Michel zelebrierte S.E.  Cfr. Erzbischof em. Dr. Werner Thissen und nahm die Anwesenden gedanklich mit ins Heilige Land, wo der Pilger dieselben biblischen Texte hört, die heute in unserem Gottesdienst verkündet wurden: Wer etwa das heutige Evangelium vom Sturm auf dem Meer hört, während er in Tabgha direkt am See steht und aufs Wasser schaut, die Golanhöhen im Hintergrund, sieht das, was Jesus gesehen hat.

Geistliche Quelle

„Die Landschaft hat sich seit den Tagen Jesu kaum verändert. Eine Bootsfahrt auf dem See Genezareth kann dann zu einem geistlichen Ereignis werden. Wenn der Bootsführer mitten auf dem See den Motor abstellt und man das Glück hat, dass keine lärmenden Freizeitsportler unterwegs sind, dann höre ich unser heutiges Evangelium neu. Dann steht mir die Angst der Jünger vor Augen, auch wenn unser Boot nicht im Gegenwind zu kentern droht. Es ist der Gegenwind im übertragenen Sinn, der mich beschäftigt, der Gegenwind in unserer Gesellschaft, der Gegenwind in unserer Kirche. Jesus, bist Du auch mit uns im Boot? Bei den heutigen Stürmen? Und fragst Du uns heute: Habt ihr noch keinen Glauben? Und dann packt mich auch die Frage der Jünger: Wer bist Du, Jesus? Wer bist Du, Jesus, für mich?“
S.E. Cfr. Erzbischof em. Dr. Thissen erklärte: „Ich habe erst spät das Land Jesu als geistliche Quelle entdeckt. Aber immer mehr wurde mir bewusst, wie vieles ich in der Bibel besser verstehen kann, wenn ich die jüdische Mentalität mithöre, auch beim Juden Jesus. Und wie viel intensiver die Worte Jesu an seinen Orten, in seiner Landschaft klingen. Es hat sich mir bestätigt, wenn Pater Bargil die Landschaft Israels als fünftes Evangelium bezeichnet.“

Heilige Orte als Orte des Feierns

Beim anschließenden Empfang auf der sonnigen Dachterrasse der Katholischen Akademie und beim Mittagessen bot sich die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Die Freude der Gäste über das Wiedersehen und die wiedergewonnene Normalität war deutlich spürbar, und so wurde die Gemeinschaft beim Mittagessen weiter fortgesetzt, passend ergänzt durch den Riesling „Glaube - Liebe - Hoffnung“.
„Vielleicht feiern wir ein 50-jähriges Jubiläum mit zwei Jahren Wartezeit sogar noch schöner nach der langen Pandemiezeit: Zu jedem Fest gehört ja die Zeit des Wartens und Vorbereitens: Ostern nach der Fastenzeit, Pessach nach dem Säubern des Hauses, das Zuckerfest am Ende des Fastenmonats Ramadan.“
Mit diesen Worten leitete Msgr. Ludger Bornemann, der Geistliche Leiter des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, seinen Festvortrag ein: „Hüter der Hoffnung – warum christliche Präsenz im Heiligen Land unsere Aufmerksamkeit verlangt“.
Msgr. Bornemann betonte, als Ausdruck von Lebensfreude trotz aller Widrigkeiten gehöre das Feiern zum Heiligen Land. Wer feiert, drückt damit seine Hoffnung auf einen letztlich guten Ausgang aus. Ob es eine Geburt, eine Hochzeit, ein religiöser Feiertag oder eine Party ist: Man feiert lautstark das Leben! „Wir Europäer wissen natürlich, dass morgen Abend das Fastenbrechen sein wird – ein frommer Muslim wird den zukünftigen Termin aber immer mit „Inscha Allah“ einleiten: weil alles Zukünftige noch unverfügbar bleibt, ist es in Gottes Hand – wenn Gott will.“
Die heiligen Orte im Land sind Orte des Feierns in unterschiedlichen liturgischen Formen und Riten: Sie schaffen einen Raum für die Feier dessen, was dort erinnert wird. Manchmal spüre man etwas davon, wenn eine russische oder ukrainische Pilgergruppe, das Evangelium des Ortes singend, eine Kirche betritt: „Das Heilige ereignet sich – wenn Gott will. Hoffnung wird gefeiert – und bleibt doch unverfügbar: „Inscha Allah – wenn Gott will“.“

Hüter der Hoffnung

„Hüter der Hoffnung“ (nach P. David Neuhaus SJ in: Stimmen der Zeit, Heft 9/2019) zu sein: diesen besonderen Auftrag hat heute die kleine Minderheit der Christen in Israel und Palästina. Während der andauernde Schwund einer Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung im Palästina-Israel-Konflikt vielen Menschen in Israel und Palästina das Gefühl vermittelt, ihr Leben werde immer unerträglicher, während viele auswandern oder die Auswanderung erwägen, während manche ihren Ausweg in der Gewalt sehen oder Glaube und Hoffnung verlieren, sei es Zeit für die Kirchen, einen anderen Weg aufzuzeigen und mit Nachdruck darauf zu verweisen, dass alle, Israelis und Palästinenser, Brüder und Schwestern innerhalb der Menschheitsfamilie sind.
Hüter der Hoffnung sind die Christen als Hüter der heiligen Orte – für die Umgebung, in der sie leben, aber auch für die vielen Besucher und Pilger, die das Heilige Land nicht nur als Museum der Vergangenheit erleben wollen, sondern als Ort lebendiger Zeugen des Evangeliums -, aber auch da, wo sie alte und neue Hoffnungsgeschichten erzählen: Eine davon spielt im St. Louis-Hospital am Rand der Jerusalemer Altstadt, in dem christliche, muslimische und jüdische Patienten in der letzten Lebensphase behandelt werden. Einmal, so erzählte Sr. Monika Düllmann, die das Hospital lange Jahre geleitet hat, sei ein Journalist in ein Patientenzimmer gekommen und habe gefragt, ob ihnen das denn nichts ausmachen würde, wenn Jude und Muslim sich ein Zimmer teilen und von muslimischen jüdischen oder christlichen Ärzten behandelt würden. Die Antwort: „Schauen Sie sich doch einmal um, glauben Sie denn wirklich, wir hätten keine anderen Probleme?“
Die Berufung zum Hüter der Hoffnung muss jedoch ermöglicht werden. Wir brauchen Präsenz im Heiligen Land, um diese Hoffnungsgeschichten erleben und so selbst zu Hütern der Hoffnung werden zu können. So können Christen der Sauerteig sein, der hilft, das „Leben in Blasen“ zu überwinden. Lange Zeit haben europäische Ordensgemeinschaften die christlichen Institutionen des Heiligen Landes geprägt und getragen und erleben nun schmerzhaft das Fehlen des Nachwuchses für eine Leitung, die in einem langen Prozess einheimische Verantwortliche fördert.

Danksagungen

Der Komturei St. Ansgar Hamburg dankte Msgr. Bornemann herzlich für ihr Engagement in den vergangenen 50+2 Jahren und betonte, dass wir in einer sich verändernden Welt die solidarische Unterstützung der Christen untereinander, eine Hoffnung aus dem Glauben brauchen. Und diese Hoffnung dürfen wir für heute feiern!
Diese enge Verbundenheit der Christen untereinander, gerade auch vor Ort in Hamburg, bekräftigten ebenfalls die anschließenden Grußworte der Ehrengäste. So pflegt die Komturei St. Ansgar Hamburg, wie die Vertreter der befreundeten Orden betonten, seit 2011 ein gutes ökumenisches und freundschaftliches Miteinander bei egelmäßigen Treffen mit den Ordensmitgliedern der Johanniter, der Malteser und des Deutschen Ordens.
Der Präsident der Ordensprovinz Norddeutschland, Cfr. Dr. Arnold Spallek, unterstrich seine Dankbarkeit, durch die Komturei St. Ansgar Hamburg im Orden eine Heimat gefunden zu haben und ihr durch viele persönliche Beziehungen sehr eng verbunden zu sein.
S.E. Cfr. Dr. Michael Schnieders dankte dem Leitenden Komtur der Komturei St. Ansgar Hamburg, Cfr. Klaus Dörnen, und den Hamburger Ordensmitgliedern für ihr Engagement und ermutigte sie, auch in Zukunft ein wertschätzendes Miteinander in aufrichtiger, ordensgeschwisterlicher Verbundenheit zu pflegen, um auf diesem Fundament zuversichtlich auch das nächste halbe Jahrhundert als Komturei zu erleben.
So ließen die Ordensmitglieder der Komturei St. Ansgar Hamburg mit ihren Gästen den Tag bei angeregten Gesprächen ausklingen. Dies bereits in Vorfreude auf das nächste 50-jährige Jubiläum in der Provinz Norddeutschland im Juni, denn, wie der Leitende Komtur der benachbarten Komturei Bischof Willehad Bremen, Cfr. Prof. Dr. Albert Baars, ankündigte und einlud: „Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum.“ 

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