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09.06.2016 12:33

Vesper in der Apostelkirche am 20.Mai 16 - Homilie von Diözesanpräses Gerhard Theben

Diözesanpräses Gerhard Theben, Münster

Text: Epheser 2, 13 - 16

Liebe Kandidatinnen und Kandidaten,

liebe Schwestern und Brüder!

Friede! Was für ein sehnsuchtsvoll aufgeladenes  Wort in diesen Tagen, Monaten und Jahren! „ PAX OPTIMA RERUM!  -  Friede als Bestes unter den Dingen“!  Unter diesem Leitwort feiern wir die nächsten Tage des Wiedersehens, der Freundschaft und Gemeinschaft, und vor allem: Ihre Investitur!

Eben, liebe Kandidatinnen und Kandidaten, haben Sie kurz den Friedenssaal  im Rathaus erlebt, wo jene Dokumente 1648 unterzeichnet wurden, die nach 30 Jahren fürchterlicher Kämpfe  endlich Frieden nach Europa brachten. Hier in Münster fand dieser Friedensschluss  statt und im Rathaus  von Osnabrück, nicht weit von hier.  Vielleicht haben Sie die bittere Koinzidenz gespürt, die man im Friedenssaal z.Zt. mit Händen greifen kann:  1648 beendete man einen sog. „Religionskrieg“ auf europäischer Ebene  -  heute wiederholen sich diese Auseinandersetzungen im Weltmaßstab.  PAX  OPTIMA  RERUM“ sagte man 1648;  heute könnte dieses Wort der Seufzer vieler Flüchtlinge sein: „Friede  -  das wär’s! Denn freiwillig  haben wir uns nicht entwurzelt! Freiwillig sind wir nicht in den aberwitzigen Todespassagen über’s  Meer gekommen! Freiwillig haben wir das unseren völlig entkräfteten Kindern nicht zugemutet! Freiwillig stehen wir hier nicht als lästige Bittsteller! Friede – das wär’s!  PAX OPTIMA  RERUM  -   weiß Gott!“

Wenn man unseren Diskussionen hierzulande folgt zum Sehnsuchtswort  „Friede“, hat man den Eindruck, es müsse nur ein richtiges System gefunden werden, dann stelle sich der Friede schon  ein, nur eine Theorie  oder eine allumfassende Philosophie.

Aber der Epheserbrief eben  geht einen völlig anderen Weg. Es heißt da: Christus ist unser Friede. Also nicht ein System, eine Theorie, eine Philosophie, sondern ein Name. Jesus Christus. , der Sohn Gottes, das Kind von Bethlehem, der Freund der Fragenden und Suchenden, der Freund der Beiseitegeschobenen und Loser.

Und was meint das konkret? Jede Eucharistiefeier betet  ein mehrstrophiges „ Friedenslied“, das wir alle kennen. Es ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und zeigt, wie Jesus den Frieden versteht:

- Im „Vater unser“ heißt es: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“ Können wir ernsthaft an Frieden glauben,  wenn diese persönliche Vergebung nicht wenigstens gesucht wird?

- Der Embolismus nach dem „Vater unser“:  „Gib Frieden in unseren Tagen und bewahre uns vor Verwirrun g und Sünde“. Papst Gregor der Gr. Hat dieses Gebet eingefügt in höchster politischer Not: Krieg der Völkerhorden in Rom (Vandalen)!  „Verwirrung“ ist noch viel zu schwach übersetzt;  „Aufruhr, Revolution“ müßte es eigentlich heißen. Also: es geht um den Frieden unter den Völkern! 

- In der Doxologie:  „Denn dein ist das Reich  und die Kraft…“ hier wird der oekumenische Friede  angesprochen. Lieber Herr Pfarrer Kandzi, ich sage das mit großer Freude hier und heute, angesichts Ihrer so großzügigen oekumenischen  Gastfreundschaft  uns  gegenüber!

Übrigens: die Doxologie wurde auf ausdrücklichen Wunsch Papst Pauls VI.  nach dem Konzil in unsere katholische  Liturgie eingefügt…

- Dann das ausdrückliche Friedensgebet:  „Der Herr hat zu seinen Aposteln gesagt: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch…“Jesus sah voraus, wie sehr  das Gebet um innerkirchlichen Frieden  vonnöten sein würde.

- Tatkräftig sollte jeder Friede sein :“Gebt  euch ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung!“ Nicht immer einfach, dieser handfeste Friedensgruß – besonders  in Westfalen…!

- Schließlich der Kreuzesfriede: „ Lamm Gottes, du nimmst hinweg …Gib uns deinen Frieden.“ Es stimmt ja: letztlich ist jener Friede, der die Wunden des gekreuzigten und auferstandenen Herrn zuläßt,  d e r   Friede,  der von Dauer ist und ein wirkliches Friedensklima schafft.

Ein höchst anspruchsvolles Friedensprogramm, ich weiß.  Ganz gewiß aber ein Maßstab, der Ihnen, liebe Kandidatinnen und Kandidaten  -  und natürlich uns allen!  -  als Rittern und Damen vom Heiligen Grab in Jerusalem auferlegt wird!

Weil Jesus es uns sagt.

Weil der Herr es will.

Weil Gott es will – Quia Deus lo vult…Ich gebrauche jetzt ganz bewußt dieses historisch völlig kontaminierte Satzfragment, weil es eine Brücke schlägt vom Mittelalter in unsere Zeit heute. . Man  sieht in der Tat eine solche Brücke mit einer gewissen Beklemmung:

„Deus lo vult!“ Das  war eines der Leitmotive für blutige Heimsuchungen der Kreuzfahrer im Heiligen Land. Heute schämt sich die Christenheit dafür und Papst Johannes Paul II.  hat es bei der großen „Reinigung des Gewissens“ im Hl. Jahr 2000  ausdrücklich bekannt.  -  Jetzt scheint es umgekehrt zu gehen: „Allah lo vult“ skandieren islamistische  Irrlichter und exekutieren alles, was als „ungläubig“ gilt.  Nicht nur westliche Gesellschaften  leiden bitter,  nicht nur  tausende Christen zahlen einen schrecklichen Blutzoll, sondern die eigenen muslimischen Gläubigen  nicht weniger.

PAX  OPTIMA  RERUM  -  Der Friede (ist) das Beste unter den Dingen. 

Weil Gott das beste für den Menschen will, dürfen wir sagen. PAX  OPTIMA RERUM  -  Quia  Christus lo vult.  Der Friede ist für uns das Beste, weil Christus ihn will. Amen.

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