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15.04.2018 13:23

Starkregen und Christusbekenntnis

Herbst-Investitur 2017 in Dortmund

Prozession in Dortmund (© T. Sitte, oessh.net)

Cfr. Matthias Kopp

Die Herbst-Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem fand vom 29. September bis 1. Oktober 2017 in der Ruhrmetropole Dortmund statt. Die Komturei dort wurde 65 Jahre alt.

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Petrus hatte es nicht allzu gut für die rund 700 Teilnehmer der Herbst-Investitur in Dortmund gemeint: Dauerregen, Sturmböen und niedrige Temperaturen waren zwar keine optimalen Voraussetzungen, konnten aber der Feierfreude der Ordensmitglieder und ihrer Angehörigen keinen Abbruch tun. Mit großer Gastfreundschaft empfing die Komturei St. Meinolphus ihre Gäste in einer Stadt, die auf den ersten Blick mehr als Einkaufsmeile aussieht, auf den zweiten Blick aber die Sicht auf zahlreiche – auch historisch interessante – Kirchen und Kultureinrichtungen freigibt.

20 neue Kandidatinnen und Kandidaten standen zur Aufnahme in Dortmund bereit. Mit der Vesper in der Propsteikirche St. Johannes Baptist begannen die Feierlichkeiten. Stadtdechant Cfr. Propst Andreas Coersmeier hieß die Investiturteilnehmer herzlich willkommen. In der ziemlich hektischen Innenstadt von Dortmund bilden die Propsteikirche und das angrenzende Katholische Centrum eine Oase der Ruhe und Besinnung. Das konnte man mehrfach in den Investiturtagen spüren. Der Gastfreundschaft der Signal Iduna Gruppe war der Begrüßungsabend zu verdanken. Die nüchterne Hauptverwaltung der Versicherung verwandelte sich in eine bunte Schar von Ordensrittern, die hier im Dortmunder Süden zusammenkam. Noch einmal leitete am späten Abend der scheidende Geistliche Zeremoniar der Deutschen Statthalterei, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller, die Vigilfeier zur geistlichen Einstimmung der Kandidatinnen und Kandidaten. Er wurde auf der Kapitelsitzung während der Tage in Dortmund mit großem Dank entpflichtet. Die Nachfolge trat Cfr. Prof. Dr. Winfried Haunerland an.

Ökumenische Freundschaft

Im besonderen Gedenkjahr der Reformation war es ein bemerkenswertes Zeichen ökumenischer Gastfreundschaft, dass die eigentliche Investitur mit Großprior Kardinal Reinhard Marx in der evangelischen Stadtkirche St. Reinoldi gefeiert werden konnte. Sicherlich waren es praktische Erwägungen wegen der Größe des Kirchengebäudes, aber es hatte auch einen kräftigen inhaltlichen Impuls, wie die Komturei Dortmund selbst in ihrer Einladung betonte: „Die Investiturfeier in der heute evangelischen Stadtkirche ist auch kalendarisch ein punktgenauer Beitrag zur Ökumene. In diesem Dreieck aus der westfälischen Großstadt, 65 Jahre Komturei St. Meinolphus Dortmund und 500 Jahre Reformation soll sich die Investitur bewegen.“ Das tat sie auch, nach einer Statio im Katholischen Centrum, in der Cfr. Pfr. Michael Ortwald an besondere Persönlichkeiten der Dortmunder Kirchengeschichte erinnerte: Es ging darum, sich auf den Weg zu machen, dem Glauben nachzuspüren, so wie es schon Glaubenszeugen in Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor gemacht hätten. Dieser Aufbruch geschah in der Prozession durch die Dortmunder Innenstadt – bei Starkregen, der die Consorores und Confratres mit durchnässten Mänteln in die Reinoldi-Kirche einziehen ließ. Aber was wäre ein Ritter, wenn er nicht auch die Unbill des Wetters aushalten würde. Die Vorgänger der Jerusalem-Pilger waren ganz anderen Strapazen ausgesetzt.

Glauben in der Welt

Freudig begrüßte der Hausherr von St. Reinoldi, Superintendent Ulf Schlüter, die Ordensmitglieder. „In einer pluralen, im schnellen Wandel befindlichen Welt haben wir gemeinsam Auftrag und Aufgaben. Vom Evangelium berührt Frieden zu stiften, Zukunft zu öffnen, für die Würde des von Gott geliebten Menschen einzutreten – ohne Unterschied. Bildung, zentraler Impuls der Reformation, Bildung ist und bleibt dabei der Schlüssel für Frieden, Zukunft und Würde. Und gelebte Liebe zum Nächsten wird zum Erweis, wes Geistes Kinder wir sind. Ubi caritas et amor, deus ibi est“, war seine Botschaft. Kardinal Marx bedankte sich für die ökumenische Freundschaft und rief die Damen und Ritter vom Heiligen Grab dazu auf, jeden Tag neu auf Jesus zu schauen. „Er ist der Garant der Einheit, auf die wir – gerade im Jahr des Reformationsgedenkens – hinarbeiten sollten, woran uns unsere Feier hier in St. Reinoldi erinnert.“ Dabei müsse es darum gehen, immer neu nach dem Kern des christlichen Glaubens zu fragen. „Wie sprechen wir das Glaubensbekenntnis, wie bezeugen wir unseren Glauben in einer säkularen Welt“, fragte Kardinal Marx. Die Ordensgemeinschaft sei aufgerufen, als mutige Zeugen das Evangelium zu verkünden. „Lassen wir uns auf diese revolutionäre und großartige Person des Jesus von Nazareth neu ein. Er zeigt uns den Weg, den wir gehen sollen – als Gläubige, als Kirche, auch als Kirchen beider Konfessionen.“ Deshalb dürfe die Christenheit in Deutschland dankbar sein, dass das Jahr 2017 katholische und evangelische Christen nicht weiter auseinander gebracht, sondern im Gegenteil näher zueinander gebracht habe. „Das gemeinsame Christusbekenntnis ist die Grundlage unseres Weges als katholische und evangelische Kirche in Deutschland. Dieses Christusbekenntnis im ökumenischen Sinne gilt auch für unseren Orden“, betonte Kardinal Marx. Mit dem Ritterschlag freute er sich, die 20 Kandidatinnen und Kandidaten nach einem kraftvollen Ordensversprechen und Gebet der Gemeinschaft in den Orden aufzunehmen.

Prägende Gemeinschaft

Das wurde festlich am Abend gefeiert. Statthalter Cfr. Dr. Detlef Brümmer erinnerte in seiner Ansprache an den Gemeinschaftscharakter des Ritterordens. „Die Gemeinschaft kann uns tragen, etwa als Brücke über die Untiefen des Lebens… Gemeinschaft kann uns prägen, damit wir nicht nur aussehen wie wichtige Einzel-Figuren der Zeitgeschichte, sondern Laienapostel in dieser Welt werden, keine stille Messe für Gott und uns feiern, sondern postkonziliar in der communio sind. Gemeinschaft kann uns bewegen, motivieren, das heißt sie liefert den Geist, den Sprit für den Motor, der uns antreibt, unserem Auftrag nachzueifern“, so der Statthalter.

Der Gedanke der „Bewegung“ prägte die Dortmunder Tage. Auch Cfr. Pfr. Dr. Peter Jochem  ging auf den Begriff in seiner Statio vor dem Sonntagsgottesdienst ein. Der Mensch sei durch Gott einer Wandlung unterworfen, einer Wandlung zu lebendigen Steinen. „Und ein jeder von uns, der dann heute Nachmittag nach Hause fährt, ist ein lebendig gewordenes Bekenntnis Gottes zu den Menschen. Darum sind wir in Bewegung. Und darum ziehen wir immer neu in die Welt.“ Rittersein im 21. Jahrhundert bedeutet – und das wurde in Dortmund einmal mehr deutlich – Zeugnis in der Welt abzulegen und sich nicht als elitärer Verein hinter die Kirchenmauern zurückzuziehen. An diesen Anspruch erinnerte Cfr. Erzbischof Hans-Josef Becker, Prior der Komturei Rheinland und Westfalen, in seiner Predigt zum Abschluss der Investitur am Sonntag in der Propsteikirche. „Genau das ist der Anspruch an uns: Wenn uns auch, gerade in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft, das Zeugnis-Geben für Christus in Wort und Tat manchmal schwerfällt, sollen wir uns immer wieder mit Mut und Entschiedenheit dazu aufmachen. Wir sollen unser Ja zu Gott sprechen und es in unserem Leben Wirklichkeit werden lassen. Das gilt für jede Christin und jeden Christen, und das gilt besonders für uns, die wir uns durch die Zugehörigkeit zum Orden ausdrücklich dazu verpflichtet haben, unserer Taufberufung zu folgen. Gott will es!“

Mit diesem unmissverständlichen Appell ging es zurück in die Heimatkomtureien. Dankbar durften die Ordensmitglieder eine Investitur im Ruhrgebiet erleben, die trotz Regen und Wind ein starkes geistliches Geschehen war, bei dem Freundschaften vertieft und neu geknüpft wurden. Dem Investiturteam und dem Ltd. Komtur war der Dank ebenso gewiss, wie die Zusage, die öfters in den Tagen zu hören war: You’ll never walk alone.

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