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24.09.2017 12:10

„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“

Frühjahrs-Investitur 2017 in Nürnberg

Vom 19. bis 21. Mai 2017 lud die Komturei Nürnberg zur Frühjahrs-Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ein. Das Motto „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ wurde Psalm 18,30 entnommen.

Mit dem Leitwort „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ soll ein Zeichen des Vertrauens, der Hoffnung und der Versöhnung gesetzt werden, gerade auch in Bezug auf die sehr schwierige Situation im Heiligen Land – das betonten die Cfrs. Dr. Christian Möllenhoff, Investiturbeauftragter der Komturei Nürnberg, Dr. Gerhard Lugert, Ltd. Komtur in Nürnberg. Darüber hinaus passe dieser Psalm auch hervorragend zur Patronin der Komturei, Caritas Pirckheimer, der Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg, als sie sich mit ihren Mitschwestern erfolgreich gegen die Schließung des Konvents im Zuge der Reformation stemmte.

Ökumenische Verbundenheit

Gut 800 Teilnehmer folgten dieser Einladung nach Nürnberg, die mit den Feierlichkeiten der Vesper begann. Sie fand - wie auch der Investiturgottesdienst am Samstag - in ökumenischer Verbundenheit in der evangelischen Kirche St. Sebald statt. Der Prior der Komturei, Cfr. Pfr.  Matthias Untraut, stand der Liturgie vor. Ökumene wurde groß geschrieben, als die Meditation in der Vesper vom evangelischen Regionalbischof em., Christian Schmidt, gehalten wurde. Er sei gerade im Jubiläumsjahr der Reformation gerne der Einladung zu dieser Vesper gefolgt und unterstrich das tiefe gemeinsame und verbindende ökumenische Erbe. Dazu gehöre beispielsweise, dass Martin Luther eine viel intensivere Beziehung zur Gottesmutter Maria gelebt habe, als dies heute den meisten evangelischen Christen bewusst sei.

Nach dem Begrüßungsabend in der Nürnberger Altstadt, endete der erste Tag für die Kandidaten mit der Vigilfeier in der katholischen Stadtpfarrkirche Unsere liebe Frau. Mit ihrer wechselvollen Geschichte war sie ein beeindruckender Raum für die Vigil. 

Identität der Gemeinschaft

Im Zentrum des Samstagvormittags stand die Kapitelsitzung. In seinem Impuls unterstrich der scheidende Geistliche Zeremoniar der Deutschen Statthalterei, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph  Müller, dass Nürnberg nicht nur für ihn persönlich - da er hier vor 20 Jahren selbst investiert worden sei - als Ort für eine Investitur für viele Mitglieder des Ordens bereits mit guten Erinnerungen verbunden sei. So erinnerte er auch daran, dass zum Beispiel Cfr. Paul Birkner vor 40 Jahren in den Orden aufgenommen wurde und er und seine Frau, Csr. Marianne Birkner, seitdem die treusten Investiturteilnehmer seien. Cfr. Prof. Müller ging auch auf das Leben und die Spiritualität von Caritas Pirckheimer und ihre Vorbildfunktion für Christen in der heutigen Zeit ein.

Darauf nahm Statthalter Dr. Detlef Brümmer Bezug als er anhand der Ziele des Ordens - Für das Heilige Land sorgen, den Glauben bekennen, Kirche und Gesellschaft dienen - einen Bericht über die Entwicklung der Statthalterei gab. Er  erinnerte an das Dreieck der Identität unserer Gemeinschaft und betonte, dass die Basis der Arbeit und des Wirkens des Ordens eine von der Spiritualität des Heiligen Grabes erfüllte Seele sein müsse: „Sie inspiriert unser Herz zum Handeln, das dann den Verstand zum rechten Tun am rechten Ort nutzt“. Auf dieser Basis, so der Statthalter, könne das Handeln für das Heilige Land „klug, gerecht, tapfer und besonnen sein, um die Christen im Heiligen Land zu unterstützen: Sei es bei der Sicherung der religiösen Heimat, bei der Unterstützung für ein menschenwürdiges Leben oder bei der Sicherung der Zukunft“. Vertieft ging er unter anderem auf die Entwicklung des religiösen Lebens in der Statthalterei sowie auf die Lage der katholischen Schulen im Heiligen Land ein. Außerdem wies er auf die von der Statthalterei entwickelten Empfehlungen und Anregungen zum öffentlichen Auftreten von Mitgliedern des Ritterordens im Internet und in sozialen Netzwerken hin, die im nächsten „Jahrbuch Deus Lo Vult“ dokumentiert werden.

Die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Csr. Cornelia Kimberger, gab einen Überblick zu den im Jahr 2016 durchgeführten Hilfsmaßnahmen und benannte in einem Ausblick Schwerpunkte für das laufende Jahr (vgl. dazu auch der Bericht von Csr. Kimberger in dieser Ausgabe von „Deus Lo Vult aktuell“). Cfr. Christoph Lammersdorf, Präsident des Vorstandes der Stiftung der Deutschen Statthalterei des Ritterordens, berichtete über die positive Entwicklung der Stiftung und appellierte an die Mitglieder des Ordens, in diesem Engagement nicht nachzulassen: „Stiften hilft helfen!“

Prägende Kraft des Christentums

Ein besonderer Programmpunkt war der im Alten Rathaus stattfindende Staatsempfang auf Einladung der Bayerischen Staatsregierung. Cfr. Staatsminister Joachim Herrmann überbrachte den Teilnehmern die Willkommensgrüße der Staatsregierung. Dabei griff er das Motto des Ritterordens auf und betonte, wie wichtig es sei, dass Menschen bereit sind „Kirche und Gesellschaft zu dienen“ und sich dabei jeweils den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Gerade im Rahmen der Flüchtlingskrise hätten viele Ehrenamtliche sich selbstlos eingebracht und „christliche Ideale mit Leben gefüllt“. Humanitäre Hilfe allein reiche jedoch nicht aus.  Neben Wachsamkeit erfordere es vor allem auch demokratisches Engagement. 

Höhepunkt der Tage in Nürnberg war der Investiturgottesdienst: Bei windigem Wetter riefen die Glocken in die evangelische Sebaldkirche. Großprior Kardinal Reinhard Marx erinnerte in seiner Predigt an die Ansprache von Papst Franziskus am 24. März 2017 am Vorabend der Feierlichkeiten der Europäischen Union anlässlich des 60. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge. In besonderer Weise habe der Papst gezeigt, was es bedeute sich als Christ in Europa zu engagieren. „Die Zeit des Christentums ist nicht vorbei! Im Gegenteil, sie liegt vor uns“, so Kardinal Marx. Auch das Gruppenfoto, das die Staatschefs Europas gemeinsam mit Papst Franziskus in der Sixtinischen Kapelle zeigt, illustriere, welche prägende und spürbare Kraft das Christentum auch heute noch habe. Besonders an die Kandidaten gewandt, sagte Kardinal Marx, dass Christen kraftvoll Verantwortung übernehmen können, da sie wissen, dass sie auf Christus und seinen Beistand vertrauen können. Mit der Anrufung des Heiligen Geistes folgte die feierliche Investitur der 29 neuen Ritter und Damen, die versprachen, sich nach besten Kräften für die Ziele des Ordens einzusetzen. 

Toleranz und Dialog

Die Dankbarkeit aller Teilnehmer fand ihren Abschluss im Pontifikalamt in St. Ludwig, das am Sonntagmorgen vom Bamberger Erzbischof, Cfr. Dr. Ludwig Schick, zelebriert wurde. In seiner Predigt rief Erzbischof Schick zu Toleranz und Dialog im Heiligen Land auf. Anders als zur Zeit der Kreuzzüge vor 800 oder 900 Jahren dürfe es heute für keine Religion und Ethnie Ziel sein, die anderen Religionen und Ethnien zu vertreiben, um allein die Herrschaft zu erobern. Der Appell, das Heilige Land christlich zu erhalten, sei ein Aufruf zu gegenseitigem Respekt und interreligiösem Dialog, zu Friede und Einheit an alle im multikulturellen und multireligiösen Heiligen Land, so Erzbischof Schick. Ein Land oder einen Staat christlich zu erhalten, bedeute nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die Anerkennung der Menschenwürde und die Menschenrechte für alle zu fördern, Solidarität zu leben, Gerechtigkeit, Friede und Gemeinwohl zu suchen im Geist Jesu Christi. Aufgabe der christlichen Ritterorden in der heutigen Zeit sei es insofern auch, die christlichen Länder in Europa heilig zu halten. „Das bedeutet, die Werte und Tugenden des Evangeliums hoch und heilig zu halten, nach ihnen das persönliche Leben auszurichten und sie als Basis unserer Gesellschaft zu betrachten und einzufordern.“ In diesem Sinne sei es auch heute einem Ritterorden aufgetragen, missionarisch zu wirken und  Christus zu verkünden.

Cfr. Dr. Christopher Wolf

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