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24.09.2017 12:12

Geistliches Leitwort 2018 Der Prophet Micha

Wie in den vergangenen Jahren stellen wir in der Ausgabe „Deus Lo Vult aktuell“ das Geistliche Leitwort des Folgejahres vor. Für 2018 wird dazu nicht nur ein Bibelvers, sondern der gesamte Prophet Micha aus dem Alten Testament vorgeschlagen.

Der Prophet Micha stammt aus Moreschet südwestlich von Jerusalem und gehört wahrscheinlich zur dortigen Bauernschaft. Seiner Herkunft nach ist er mit dem Propheten Amos vergleichbar. Auch in seiner Verkündigung seht er Amos nahe. Micha klagt die Oberschicht von Jerusalem und Juda an und bezichtigt sie des Rechtsbruchs und der Gier nach Besitz (3,1;  4,9-12 sowie 2,1; 3,6-11). Den Propheten und Priestern wirft er Bestechlichkeit vor (3,12). Diese Zustände fordern das Gericht Gottes heraus. Das Gericht wird auch den Tempel nicht verschonen (3,12). Aus der Kritik am Jerusalemer Königtum ist wohl auch der Hinweis auf die Erwartung des neuen David aus Betlehem zu begreifen, die im Neuen Testament in Mt 2,6 (vgl. Joh 7,42) als in Jesus erfüllt verkündet wird.

Auftrag für das neue Gottesvolk

„Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ (Mi 6,8) In diesem Vers wird in klarer Kürze die ideale Partnerschaft mit Gott aufgezeigt. Hier wird die Weisung der zehn Gebote und des Propheten Amos zu einem Auftrag für das neue Gottesvolk zusammengefasst:

  • Recht tun
  • Güte und Treue lieben
  • In Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott

Die Ermahnungen, die der Prophet Micha seinen Zeitgenossen zuruft, könnten auch auf unsere gegenwärtige Situation zutreffen. Es herrscht eine Art von Orientierungslosigkeit bei den Menschen. Der Autor Thomas Brasch bringt dies in einem Gedicht auf den Punkt wenn er ein weit verbreitetes Lebensgefühl der Menschen in unserem Jahrhundert ausdrückt:

Das flüchtige Ich

Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber

wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber

die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber

die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber

wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber

wo ich sterbe, da will ich nicht hin:

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.

(Thomas Brasch)

Stellt Thomas Brasch sich nicht in eine Reihe eines modernen Propheten unserer Tage?

Ermahnung für die Gegenwart

Micha der Rufer in Israel - der auch uns heute ermahnen will unseren Lebensweg, unseren Lebensstil zu überprüfen und zu verändern! Der Prophet Micha kann auch bei seiner Ermahnung „in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott“ eine Schwerhörigkeit der Menschen gegenüber Gott feststellen. Er stellt eine Parallele mit seiner Aussage wieder zu einem Propheten der Gegenwart her, Papst em. Benedikt XVI. schrieb vor wenigen Jahren:

Gotttaub: Es gibt eine Schwerhörigkeit Gott gegenüber, an der wir gerade in dieser Zeit leiden. Wir können ihn einfach nicht mehr hören - zu viele andere Frequenzen haben wir im Ohr. Was über ihn gesagt wird, erscheint vorwissenschaftlich, nicht mehr in unsere Zeit passend. Mit der Schwerhörigkeit oder gar Taubheit Gott gegenüber verliert sich natürlich auch unsere Fähigkeit, mit ihm und zu ihm zu sprechen. So aber fehlt uns eine entscheidende Wahrnehmung. Unsere inneren Sinne drohen abzusterben. Mit diesem Verlust an Wahrnehmung wird aber der Radius unserer Beziehung zur Wirklichkeit drastisch und gefährlich eingeschränkt. Der Raum unseres Lebens wird in bedrohlicher Weise reduziert.

Auch wenn weit über 2000 Jahre der Rufer Micha in Israel lebte, so ist seine Botschaft immer noch aktuell. Und findet auch in unseren Tagen Rufer, die seine Worte und Klagen uns auch heute zurufen, wenn auch in anderer Form.

Es liegt an uns, ob der Ruf des Propheten Micha ankommt, ob wir ihn annehmen und für unser Leben umsetzen. Gerade wir Consorores und Confratres des Ritterordens vom Heiligen  Grab zu Jerusalem sind gemeint, wenn es daran geht prophetisch zu wirken und zu handeln.

Dabei geht es nicht nur um die äußere Form und unsere Rituale, sondern wir sind in besonderer Weise Gott und den Menschen verpflichtet: Das „Gerücht“ von Gott in einer säkularisierten Welt unaufdringlich, aber dem Menschen zugewandt, nicht als „Gerücht“ stehen zu lassen, sondern die Größe und die Freude Gottes zu verkünden. Den Menschen wieder den „menschenfreundlichen Gott“ nahe zu bringen. Das geschieht nur dann, wenn wir als Ordensangehörige, als von Gott begeisterte Menschen, in dieser Welt leben und handeln.

Cfr. Domvikar Dr. Burkhard Rosenzweig

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