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Von Ordensprojekten und dem „fünften Evangelium“

Cfr. August, Csr. Maria und Stefanie Gerwesmann

Zwei  Kinder, getrennt durch eine Mauer, darüber Marias Mantel verbindend ausgebreitet: So sieht der Künstler die Patrona Germaniae, eine Muttergottesdarstellung an der Verkündigungskirche in Nazareth. Was der Künstler damals nicht hoffen durfte: zwei Wochen nach der Enthüllung seines Bildes fiel die Berliner Mauer. Anders im Heiligen Land: Die Mauer zwischen israelischen und palästinensischen Gebieten zerreißt noch immer gewachsene Strukturen und zerstört Lebensräume. Dies erlebte auch die Pilgergruppe der Norddeutschen Provinz zur Investitur ins Heilige Land bei Besuchen in christlichen Einrichtungen, die vom Orden unterstützt  werden. Das Altenheim Abu Dis liegt im Schatten der Mauer. Der Weg vor dem Grundstück am Stadtrand von Jerusalem wirkt wie abgeschnitten durch das Betonbollwerk. Wie eine Oase der Freundlichkeit dagegen wirkt das Seniorenheim mit seinem großzügigen, Licht durchfluteten Speisesaal und dem Garten mit Obstbäumen. Gerade erst wurde mit Mitteln der Ordensgemeinschaft eine Rampe installiert, die es den Bewohnern ermöglicht, die Treppen in den Garten zu überwinden. Fast 60 Seniorinnen und Senioren leben hier. Hilfe tut Not und so ist man dankbar für die Unterstützung der Arbeit durch den Ritterorden, aktuell für die Breitstellung von Krankenbetten durch das Adventsopfer der norddeutschen Provinz.

Auch an anderen Orten: Nach einer heiligen Messe in der Pfarrkirche der Partnergemeinde der norddeutschen Provinz, Beit Jala in Bethlehem, bot der Schulhof der Latin Patriachate School, den uns Abuna Ibrahim Shomali während seiner Führung zeigte, ein dynamisches Bild. Schülerinnen und Schüler waren hier gerade mit Basketbällen aktiv. Einige Ordensmitglieder brachten sich spontan ins Training ein. Erhaben liegt der Campus der Bethlehem University über der Stadt. Muslemische und christliche Studierende lernen hier gemeinsam. Während unseres Besuchs kam es auch zu Gesprächen zwischen Studierenden und  Ordensmitgliedern, die diese fördern und Studienaufenthalte in Deutschland ermöglichen. Trotz beständigen Erfolgs in den Projekten ist der Druck zu spüren, dem die Christen im Heiligen Land ausgesetzt sind und ihre Freude über die unterstützende Hilfe aus Deutschland.

Das so genannte „fünfte Evangelium“, das Heilige Land als Schauplatz der Heilsgeschichte, bereisten wir mit Shibli Fawagra aus Bethlehem als kompetenten Reiseleiter. Die Sicht über Jerusalemer Dachlandschaften mit dem goldenen Tor und dem Felsendom von Dominus Flevit aus genossen, zeigt uns Stationen unserer Reise auf: Der Blick schwenkt von der Dormitio zu den dunklen Kuppeln der Grabeskirche, in der wir an einem frühen Morgen mit Cfr. Hermann Hülsmann die heilige Messe feierten, fast verdeckt vom Tempelberg mit dem Felsendom, der so sehr den Charakter der Stadtsilhouette prägt. Hinter dem Löwentor an der östlichen Stadtmauer liegt die St.-Anna-Kirche. Im Nordwesten erhebt sich die Salvatorkirche der Kustodie der Franziskaner, auf deren Dach wir das Stadtpanorama genossen.

Die Städte Bethlehem, Hebron, Nazareth und Kana erlebten wir ebenso wie das Herodeion und den Berg Tabor. Auf den Golanhöhen waren wir zu Fuß unterwegs zur Jordanquelle. Tägliche Eucharistiefeiern auf unserem Weg vertieften die Eindrücke. Im Pilgerhaus Tabgha klang unsere Pilgerreise, die mit der Investitur in Jerusalem begonnen hatte, in der Ruhe und Beschaulichkeit des Ortes aus.

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