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Besuch bei den „lebendigen Steinen“

Csr. Cornelia Kimberger

Pünktlich um 5.00 Uhr ruft der Muezzin und weckt die Teilnehmerder „Palästinafahrt“, die anlässlich der Pilgerinvestitur in Jerusalem eine Woche vor den Feierlichkeiten beginnt. „Zum Hause des Herrn wollen wir pilgern“ heißt es im Wallfahrerpsalm 122. Auf den Wegen, die Jesus mit seinen Jüngern durch die Landschaften Samarias, die auch noch im Spätsommer, wenn das Grün von den heißen Sommermonaten wegradiert ist, ihre Reize hat, pilgern die 33 Damen, Ritter und deren Angehörige „hinauf“ nach Jerusalem. Die Pilgerschar ist bunt zusammengewürfelt aus einigen Provinzen des Ritterordens und schon bald sind sie auf ihrer gemeinsamen Pilgerschaft ein Herz und eine Seele. Fast alle kennen die berühmten Heiligen Stätten im Land. Viele der „Projekte“, die der Ritterorden unterstützt, sind in den palästinensischen Gebieten, und dorthin kommen nicht sehr viele Heiliglandbesucher.

Jesus wählte nicht die Route über das Jordantal, sondern er zog von Nazareth aus kommend über Jenin  (En-Gannim), Samaria (Sebaste), Nablus (Sichem), Taybeh in die Heilige Stadt. In Zababdeh rasteten Maria und Josef auf ihrem Weg von Nazareth nach Bethlehem auf der alten römischen Handelsstraße, auf der auch Jesus unterwegs war. In Burqin heilte der Sohn Gottes Aussätzige, nach Ephraim zog er sich zurück. In Nablus sehen die „Ritterpilger“ das Grab des Patriarchen Joseph und steigen hinunter zum Jakobsbrunnen. Auf dem Berg Garizim erfahren sie von den Samaritanern und in Bet El (Ramallah) baute Abraham dem Herrn einen Altar. In all diesen Orten gibt es christliche Gemeinden, die sich auf Besuch freuen. Voll des Stolzes berichten die Priester von ihren Ideen und Projekten, die sie planen, um den Christen in der Minderheit Perspektiven für ein menschenwürdiges Leben zu geben.

Herzlich werden die Pilger von Abuna Johnny  und seinen Gemeindemitgliedern in Rafidia nahe dem alten Sichem empfangen. Zusammen feiern sie die Sonntagsmesse, bei der die beiden deutschen „Abunas“, Cfr. Reinhold Seidel Cfr. P. Heinrich Willmer konzelebrieren. In Bir Zeit zeigt Abuna Louis Hazboun stolz die kürzlich hergerichteten Gemeinderäume und überrascht die Ritterdelegation mit einem bunten Rahmenprogramm bis hin zu einem arabischen Hochzeitsessen. Die Ordensmitglieder sehen den christlichen Kindergarten in Jenin, feiern in Zababdeh einen Gottesdienst mit Abuna Nidals Gemeinde und besichtigen dort die Schule.

Nach einem Spaziergang durch das christliche Dorf Taybeh besuchen sie zusammen mit Abuna Aziz das Altenheim Bet Afram. Im Kino in Jenin sehen sie den Film „Das Herz von Jenin“ und treffen danach den Vater des verstorbenen Kindes. Ein Besuch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah soll über die politische und gesellschaftliche Situation in Palästina Aufschluss geben. Auf der Reise durch die palästinensischen Gebiete passieren die Damen und Ritter immer wieder Checkpoints und Straßensperren und erfahren von der dramatischen Wassersituation der Christen, den Landenteignungen und dem Siedlungsbau, der das Land weiter und weiter zerstückelt.

Am Ende der Pilgerreise steht Bethlehem auf dem Programm. Im „Tent of Nations“, einem Friedensprojekt, verbringen die Ritter einen Nachmittag und auch dem Caritas Babyhospital, der Crèche und dem Weingut Cremisan der Salesianer statten sie einen Besuch ab. 

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