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Rotes Kreuz und blau-weißer Himmel - "Jerusalem meine Freude" Früjahrsinvestitur in München

Vom 11. bis 13. Mai 2012 fand die Frühjahrsinvestitur in München statt. Nach 1957 hatte die Münchener Komturei zum siebten Mal in die Landeshauptstadt eingeladen.

30 Grad im Schatten, Sonne und Regen, Bayerische Marschmusik und Preußens Gloria - sowie 1.200 Ordensmitglieder und Gäste: So präsentierte sich der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem anlässlich seiner Investiturfeier in München. Unter blau-weißem Himmel war das fünffache, rote Jerusalemkreuz gut sichtbar. "Jerusalem meine Freude" hieß das Leitwort der Investitur. Es war ein fröhliches und geistliches Fest, ein Bekenntnis zur Kirche und zum Heiligen Land, eben eine große Familienfeier.

 

In diese Familie wurden 37 neue Mitglieder durch Großprior Reinhard Kardinal Marx aufgenommen. Der Erzbischof von München und Freising rief die Ordensmitglieder auf, die Christen im Nahen Osten stärker in den Blickpunkt politischen und kirchlichen Engagements zu stellen. "Vielleicht sind sie noch nie so sehr bedrängt worden wie in diesen Jahren", so Marx. Der Auftrag aller Christen, besonders des Ritterordens, aber auch der Politik in Europa sei es, darauf zu achten, dass die Christen im Nahen Osten nicht an den Rand gedrängt würden. "Wie viele Christen haben den Irak verlassen? Wie vielen Christen steht dieses Schicksal in Syrien noch bevor?", fragte der Kardinal. Gleichzeitig sei es notwendig, dass die Ordensgemeinschaft ein Zeugnis für die Botschaft Jesu in der Öffentlichkeit ablege, "dass die ganze Welt in den Blick nimmt. Wir sind alle aufgefordert, uns mutig der Welt und besonders Europa zuzuwenden und geistige Auseinandersetzungen tolerant anzunehmen. Denn wir können uns Europa nicht vorstellen ohne die Verkündigung, ohne die Wirkkraft, ohne das Zeugnis des Evangeliums."

In dem eindrucksvollen Festgottesdienst, der in der Jesuitenkirche St. Michael gefeiert wurde, hörten die Ordensmitglieder eine bewegende Musik des Chores von St. Maximilian München und dem Orchester Ensemble Lodron. Der wichtigste Auftrag des Ordens sei, "aus dem Geist der österlichen Erneuerung und der Christusbindung heraus das Evangelium zu leben und zu bezeugen." Kardinal Marx rief die Damen und Ritter auf, sich verstärkt für die Neuevangelisierung einzusetzen, die ein Kernanliegen von Papst Benedikt XVI. ausmache: "Dabei darf man aber nicht zuerst über Marketing, Technik und Methoden reden. Vielmehr geht es darum, sich zu besinnen, was Neuevangelisierung bedeutet, nämlich ein überzeugendes Leben zu führen. Evangelisierung muss die Welt verwandeln, die Armen, Kranken und Schwachen in die Mitte der Kirche rücken", so Kardinal Marx.

 

Hilfe vor Ort

 

Bei verschiedenen Anlässen wurde in München vor allem der bedrängten Christen im Heiligen Land gedacht. Bereits auf der Kapitelsitzung am Morgen des Investiturtages hatte der Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Cfr. Michael Wirtz, eindringlich die aktuellen Hilfsmaßnahmen vorgestellt: "Stipendien, Patenschaften und Hausprojekte für Christen seien notwendiger denn je", sagte Cfr. Wirtz. Statthalter Cfr. Dr. Heinrich Dickmann warb für spezielle Mietbeihilfen. Sie seien, so Dickmann, gut angelegtes Geld, damit die Christen das Land nicht verlassen. Gleichzeitig appellierte Dickmann, verstärkt die Pilgerreisen in das Heilige Land zu pflegen: "Ich schätze viele Ziele in Europa, die Komtureien besuchen. Aber unser erstes Ziel ist das Land Jesu." Dickmann unterstrich, wie gut das Projekt der Patenschaften zwischen Ordensprovinzen und verschiedenen Pfarreien in der Westbank und Jordanien angelaufen sei. "Füllen Sie diese Patenschaften mit Leben und gehen Sie in die Pfarreien. Nur so ist unsere Arbeit erfolgreich." Für Statthalter Dickmann hat die zweite Amtszeit bereits begonnen. In der Kapitelsitzung ermutigte er die Ordensmitglieder, auch im Ritterorden stärker in Bescheidenheit zu leben. Gleichzeitig würdigte er das lebendige Ehrenamt, das er immer wieder bei Besuchen in Provinzen und Komtureien spüre.

 

Himmlisches Jerusalem

Vom Ehrenamt für die Investitur konnten sich die Gäste in München überzeugen. 1.200 Personen zu organisieren, transportieren und verpflegen ist eine logistische Meisterleistung. Die war dem Ltd. Komtur der Komturei München, Cfr. Dr. Gerhard Albert und seinem Team, zusammen mit dem Präsidenten der Bayerischen Ordensprovinz, Cfr. Folker Müller, hervorragend gelungen. Tropische Temperaturen im Hofbräuhaus am Eröffnungsabend und Regengüsse während der Investitur konnten weder Organisation noch guter Stimmung einen Abbruch bescheren. Bekanntermaßen gehören Beten und Essen zusammen: So hatte zunächst der frühere Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, die Teilnehmer bei der Vesper in der Theatinerkirche auf die Investitur eingestimmt.

 

Er stellte in seiner Betrachtung das himmlische Jerusalem in den Mittelpunkt: "Dieses himmlische Jerusalem ist die vollendete Gottesstadt; auf sie läuft die ganze Weltgeschichte zu. Das Gottesreich, das Jesus in seinen Erdentagen im Heiligen Land ausgerufen hat, findet dort seine Vollendung. Das irdische Jerusalem, das wir kennen, ist Abbild des himmlischen Jerusalem und trägt die Verheißung seiner Vollendung bereits in sich", so Kardinal Wetter. Nach Andacht und Gebet strömten die Ordensmitglieder in das Hofbräuhaus, ein Ort mit einem eigenen, besonderen Reiz. Bayerische Kulinarik und der herbe Charme des Brauhauses mischten sich mit Trachten und Krawattenträgern. Als der Großprior dann noch das Blasmusikorchester auf der Bühne dirigierte - und das mit "Preußens Gloria" -, wusste jeder, dass er im Herzen Bayerns angekommen war.

 

Gesellschaftliche Pluralität

 

Neben der pulsierenden Landeshauptstadt München waren es vor allem die besinnlichen Momente, die diese Investitur prägten. Der Geistliche Zeremoniar des Ordens, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller führte die Kandidatinnen und Kandidaten in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt in den Auftrag der Gemeinschaft ein. "Mit Maria tritt uns als geformtes Werkzeug Gottes zur Seite und lehrt uns, das Wort Gottes zu bewahren und innerlich zu bewegen. Auf diese Weise lernen wir von ihr, wie Gottes belebende Kraft ein geistliches Leben formt", so Cfr. Müller. In München fehlte es auch nicht an politischen Worten. Die Bayerische Staatsregierung gab, vertreten durch den Bayerischen Staatsminister des Inneren, Cfr. Joachim Herrmann, einen Empfang. Dabei berichtete er von den Erfahrungen seines politischen Alltags, in dem er das spannungsreiche Verhältnis von gesellschaftlicher Pluralität und christlicher Verwurzelung der Gesellschaft erlebe: "Gemeinsame Werte und Überzeugung verstehen sich heute nicht mehr von selbst. Andererseits erleben wir ein immer fanatischeres Auftreten beispielsweise von Salafisten in unserem Land. Das ist eine Herausforderung für die Sicherheitsbehörden. Aber es ist auch eine Herausforderung an uns alle. Plumpe Beliebigkeit und bloßes Nebeneinander, geben nicht die Kraft, eine Gesellschaft auf Dauer zusammenzuhalten. Für mich ist daher die christliche Prägung unseres Landes ein unverzichtbares Element für eine gute Zukunft Bayerns und Deutschlands", betonte Cfr. Herrmann. Der Generalgouverneur des Ordens, Cfr. Prof. Dr. Agostino Borromeo ging auf dieses Zeugnisgeben für die Christen im Heiligen Land ein. "Trotz der zunehmenden Großzügigkeit unserer Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt, stellen wir immer mehr fest, dass unser gemeinsames Engagement für das Heilige Land nicht ausreicht, um die dringendsten Bedürfnisse der Christen zu erfüllen, die dort unter schwierigen Bedingungen leben. Manchmal scheinen es nur ein paar Tropfen Wasser ins Meer der politischen, finanziellen und menschlichen Schwierigkeiten zu sein, die sofort diesen sehr speziellen Bereich des Nahen Ostens beeinflussen. Aber dennoch: Unsere materielle Hilfe und unsere Bereitschaft bezeugen, dass wir der Kirche im Heiligen Land helfen, um die Leiden unserer christlichen Brüder zu lindern. Wir versuchen damit, das Zeugnis unserer geistigen Nähe, unserer menschlichen Solidarität und unserem Gefühl von Gemeinschaft in der Einheit der Universalkirche anzubieten."

Jerusalem 2013 Der Himmel meinte es am letzten Tag der Investitur in München wieder gut. Im Liebfrauendom zelebrierte Großprior Kardinal Marx das Hochamt, umrahmt von Domchor, Capella Cathedralis und dem Domorchester. Das traditionelle Weißwurstfrühstück, auch ein Herzstück bayerischer Gastfreundschaft bei Investituren, fand im Anschluss im Bayerischen Hof großen Anklang. Den Investiturteilnehmern war klar: Nächstes Jahr sind wir zwar nicht wieder in München, wo es wunderschön war, nächstes Jahr sind wir in Jerusalem. Die Pilgerinvestitur in der Heiligen Stadt ist mehr als ein einmaliges Ereignis. Sie ist Auftrag - auch für jene, die dort nicht teilnehmen können -, die Stadt über den September 2013 hinaus zu besuchen. Denn München hat nochmals deutlich vor Augen geführt: Gelebte Solidarität reicht nicht von der eigenen Heimat aus, sie braucht ihre Konkretion bei den Menschen vor Ort. Und die leben nun einmal im Heiligen Land. Cfr. Matthias Kopp

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